Christian Heidel über seine Schlaganfälle, Reha-Erfahrungen und einen Fußballkurztrip mit Übernachtung am Flughafen

Christian Heidel geht offen mit seinen Schlaganfällen um – auch, um anderen Menschen dadurch zu helfen. Foto: Bernd Legien

Nun ein ziemlich krasser Schnitt, ein totaler Themensprung. Zu dir selbst. Zu deinem Schlaganfall 2019. Du gehst ja sehr offen damit um. Inwiefern lebst du seitdem anders oder bewusster?

Ich gehe da sehr, sehr offen mit um. Auch, weil ich den Leuten da gerne helfen würde. Dass ihnen das, was ich da erlebt habe, möglichst erspart bleibt. Und das kann ich auch gerne sagen: Ich habe die Ratschläge der Ärzte nicht so ganz ernst genommen, weil wir es mir eigentlich recht gut ging. Das Einzige, was ich hatte, war ab und zu ein Vorhofflimmern oder Herzrhythmusstörungen. So, und dann wirfst du ein Tablettchen ein und glaubst dann ist alles gut. Es ist auch meistens wieder gut nach einer halben Stunde. Wie ich das das erste Mal hatte, hab ich gedacht ich sterbe und habe schon überlegt. Ich war gerade in Wiesbaden und mein größtes Problem war: „Wie komme ich ganz schnell mit dem Krankenwagen nach Mainz? Weil: Ich will in Mainz sterben und nicht in Wiesbaden sterben.“ (lacht)

Das war damals wirklich so, also das war völlig verrückt. Meine Frau ist bald durchgedreht damals. Und dann kamen drei Krankenwagen angefahren und unseren Mannschaftsarzt hab ich auch angerufen. „Mein Puls – ach du lieber Gott!“ Da war für mich klar: „Ich sterbe jetzt. Aber ich will nach Mainz!“ Dann hat sich der Krankenwagen noch verfahren, weil die eigentlich nicht nach Mainz fahren dürfen. So und dort hat sich herausgestellt, dass ich so ein bisschen Herzrasen hatte, also Vorhofflimmern, und das haben sie schnell in den Griff bekommen. Das Problem war, dass das immer wieder kam. Auf einmal. Von heute auf morgen kam das. Ich habe dann Tablettchen eingeworfen und habe zweimal versucht, es mit einer kleinen Operation wegzubekommen.

Wie hast du das eigentlich gemerkt?

Das ist ganz schwer zu beschreiben. Es ist nicht so, dass du Herzrasen bekommst, sondern das Herz schlägt nicht mehr im üblichen Rhythmus. Das macht mal: Dapp-dapp, dapp-dapp-dapp-dupp, dapp-dapp. Einfach ein bisschen verrückt. Das ist sehr unangenehm. Du merkst, dass du nicht mehr so diese Kraft hast. Also diese Power fehlt dir auf einmal. Zum Beispiel, wenn du das hast und gehst Treppen hoch, da läufst du wie ein alter Mann, weil das Herz das in diesem Rhythmus irgendwie nicht hinbekommt. Aber das Hauptproblem ist: Nach einer Zeit ist das normal. Also, wenn ich jetzt mal irgendwo eine Rede gehalten habe, und das hat angefangen… Es war sau unangenehm. Du stehst da vor den Leuten und merkst „Orrrrhhh“. (verzieht das Gesicht) Mit einer Tablette hat es meist eine halbe Stunde gedauert, bis das wieder weg war. Aber ich Idiot hab mich halt irgendwie dran gewöhnt. Die Ärzte hatten schließlich zweimal eine sogenannte Appladierung [Dies ist der Fachbegriff für das Veröden von krankhaften oder überzähligen Leitungsbahnen / Erregungsherden am Herzen mit Hilfe eines Katheters. Ziel ist die Beseitigung von Herzrhythmusstörungen; Anm. von LS] gemacht. Das hat nicht funktioniert. Es kam immer wieder. Also habe ich gedacht: „Okay, dann lebe ich halt damit“. Was mir nicht so bewusst war: Wenn du das auf Dauer hast, ist das Risiko eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts viel, viel größer. So. Hätte mir das vorher mal jemand deutlich gesagt! Ich bin ja eh der größte Hypochonder, also ich habe immer alle Krankheiten. Ich kann im Fernsehen keine Krankenhausserie gucken, da muss ich sofort umschalten, sonst hab ich das gleich alles.

Hätte mir das jemand deutlich gesagt, hätte ich mich wohl mehr drum gekümmert. Das habe ich nicht gemacht. Und dann: Aus dem Nichts, ohne jegliche Vorwarnung, in der Türkei im Urlaub, gehe ich völlig ausgeruht mit meiner Tochter am Strand spazieren und auf einmal hab ich gedacht, mir fährt grad ein Laster durch die Birne! Keine Schmerzen, gar nix. Aber so „rrrrrrrrrrrrrrratz“ hat’s gemacht und anschließend habe ich nur gemerkt: Ich muss umgefallen sein. Mir war schwindelig, irgendwas stimmte nicht. Aber ich konnt‘s gar nicht beschreiben. Dann bin ich zu unserer Liege und habe zu meiner Frau gesagt: „Ich glaube, ich hatte einen Schlaganfall eben“. Panik. Ich wusste ja gar nicht, wie sich sowas anfühlt, ein Schlaganfall. Es war irgendwie so ein Gefühl. Die Ärzte kamen und ich wurde ins Krankenhaus gebracht. Dort haben sie es leider bestätigt. Ich hatte leider sogar zwei Schlaganfälle. Und ja, dann liegst du da in der Türkei im Krankenhaus. Wenn du das von außen gesehen hättest: „Ach du lieber Gott!“ Aber ich hatte einen überragenden Arzt. Der kam zu mir: „Mein Name ist Emerly Türkeliy“. Da hab ich erstmal gedacht: „Oje“. Aber das war ein Schweizer, der von der Schweiz in die Türkei ausgewandert war. Er war super, super! Ich war in den allerbesten Händen und bin zwei Tage später mit Hilfe von Clemens Tönnies mit dem Flieger nach Mainz gebracht worden und war dann hier zehn Tage in der Uniklinik. Nach elf Tagen war ich wieder auf Mallorca. Also das ging ratzfatz.


Schlaganfall oder Tumor – „Ich glaub, noch nie hat sich jemand so über einen Schlaganfall gefreut.“

Und jetzt zu der eigentlichen Frage: „Was hat sich geändert?“. Als ich im Krankenhaus gelegen habe… Da kommst du ins MRT, wirst in diese Röhre reingefahren, und dann kommen die Ärzte raus und sagen dir: „Ja, Sie haben da zwei dunkle Stellen im Gehirn“. Ich hab gesagt: „Ja, prima, und was heißt das jetzt?“. Sie müssten das genauer untersuchen, aber: „Schlaganfall oder Tumor“. Also ich hab mich noch nie so über einen Schlaganfall gefreut, als die Diagnose kam. Das erste, was ich gemacht habe: Ich habe noch in der Nacht meinen Notar in Mainz angerufen und erstmal mein Testament gemacht. Weil für mich wieder klar war: Ja, das war’s jetzt. Habe also für mich völlig, ganz merkwürdige Entscheidungen getroffen. Und dann redet man mit sich selber: „Also, wenn das alles gut geht, das machst du alles nimmer, und das machst du jetzt“. Und ich habe gesagt, „ich gehe jetzt in den Dom anschließend und ich spende“ und „Du veränderst dein Leben. Nimmer so hektisch alles.“ Also ich hab mir alles selbst versprochen und am Anfang fast alles eingehalten. Da war ich sehr geläutert, weil ich froh war, dass ich noch lebe und dass das ich das gut überstanden habe.

Und dann geht es leider los: Je länger dieses Ereignis zeitlich nach hinten rückt, ertappst du dich dabei, dass du vieles wieder über Bord wirfst. Aber ich glaube, wie ich mich verändert habe, ist, dass ich nicht mehr alles so dramatisch nehme. Das ist so, weil ich jetzt einfach mitbekommen habe, was wirklich dramatisch ist. Ich habe inzwischen starke Probleme mit dem Begriff „Schicksalsspiele“. Wir reden immer noch über Fußball, über Sport. Also Schicksal ist etwas anderes. Es gibt Menschen, die es viel härter getroffen hat als mich. Aber ich habe das auf einmal so ein bisschen gespürt, also wie schnell etwas aus dem Nichts beendet sein kann, und ich hatte das große Glück, dass es bei mir ja überhaupt keine Folgeerscheinungen gab. Ich habe ein ganz kleines Problem mit einem Auge, weil das eine Ding in die Sehrinde reingeknallt ist, aber das merke ich im normalen Leben nahezu gar nicht. Ich hatte null Sprachprobleme, Mobilitätsprobleme. Im Vergleich zu anderen hatte ich sehr viel Glück. (wirkt nachdenklich und dankbar)

Und, das ist auch eine ganz nette Geschichte: Ich habe in Mallorca eine Reha gemacht. Eigentlich hat die Krankenkasse gesagt, dass ich gar nicht in eine Reha müsste, weil ich fit sei. Ich meinte aber, dass ich eine Reha machen möchte, dass ich ein bisschen was für mich selbst tun möchte. In Mallorca habe ich dann gesucht und ein Krankenhaus gefunden. Durch eine riesige Glasscheibe konntest du von dort aus direkt aufs Meer schauen. Was ich nicht gewusst hab: Da war kein einziger Deutscher drin, sondern nur Spanier. Und mein Spanisch umfasst maximal die Speisekarte. (lacht) Dort waren alle Schlaganfallpatienten, die wieder aufgebaut wurden. Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich derjenige war, der am wenigsten hatte. Ich hab auch ein solches Programm gemacht mit einem Trainer, also Fahrrad fahren usw. Ich hatte am Anfang große Probleme mit den Augen. Mit der rechten Seite habe ich nicht richtig gesehen. Das wurde so ein bisschen bearbeitet. Irgendwann war das auch wieder weg. Sonst war ich viel auf dem Laufband, auf dem Ergometer, immer unter ärztlicher Aufsicht.

Dann waren da schon viele Leute mit Mobilitätsproblemen, mit Sprachproblemen, einige waren halbseitig gelähmt. Da habe ich gemerkt, wie gut es mir wieder ging. Aber das lustige war: Sie haben immer geglaubt, ich sei ein Arzt, weil ich als einziger herumgelaufen bin als ob ich nichts hätte. Ich war vier Wochen dort und mit der Zeit habe ich sie alle kennengelernt. Ich wusste ihre Namen und ich habe immer viel Spaß mit ihnen gemacht, obwohl wir gar viel nicht miteinander reden konnten. Irgendwie bekam ich den Spitznamen „Doctore“. Ich habe ihnen zum Teil geholfen. Zum Beispiel gab es dort Manolo. Der hat den ganzen Tag nichts anderes gemacht als die Wasserflaschen von dem einen Wasserkasten in den anderen Wasserkasten umzusortieren. Wenn der zweite Kasten voll war, ging das wieder andersherum. Er musste das trainieren. Ich hab also einen Spaß gemacht und gefragt, weshalb er denn keinen Bierkasten nehme. Und dann sagte er immer „Cerveza, cerveza“ [=“Bier“ auf Spanisch] und wir haben uns wieder totgelacht. Da habe ich so ein richtiges Verhältnis zu allen aufgebaut und bin dann auf einmal jeden Morgen da hin. Ich musste eigentlich nur alle zwei Tage kommen. Jeden Morgen bin ich also da hingefahren und habe meist zwei, drei Stunden mit den anderen gearbeitet.

Dann habe ich diese Reha freiwillig auf eigene Kosten verlängert. Ich hätte gar nicht mehr hingehen müssen, aber mir hat das richtig Spaß gemacht. Ich habe es selbst bezahlt, die Krankenkasse wollte das nicht mehr. Insgesamt war ich drei Monate dort. Es waren viele ältere Menschen, aber auch junge Menschen, die das Schicksal da erlitten haben… Irgendwann kam der letzte Tag und sie haben das alle gewusst: Also, der „Doctore“ kommt jetzt. Und das war so süß! Ich wusste schon: Die hecken irgendetwas aus, da war so eine komische Stimmung. Man hat dort schon ein bisschen gearbeitet. Ich bin also duschen gegangen. Als ich rauskam, standen sie alle Spalier. Jeder hat mir ein kleines Geschenk gegeben. Ich habe Rotz und Wasser geheult. Da gehst du da durch und alle klatschen. Also du hast da echt so ein Gefühl mit denen dort aufgebaut. Ab und zu bin ich dann noch hingefahren, aber mit der Zeit waren sie dann zum Glück auch alle entlassen.

Hast du dort auch Freunde gefunden, wenn sie auch aus der Gegend waren?

Ja, mit zwei, drei Leuten treffe ich mich ab und zu…

Manolo?

Nein, Manolo kam aus Ibiza. Der musste wieder dorthin zurück. Mit ein paar Leuten treffe ich mich im Lokal auf ein Glas Wein. Den meisten geht’s jetzt besser, aber bei vielen wurde es nicht mehr hundertprozentig so wie vorher. Es war eine sehr, sehr nette Zeit, angenehme Zeit, aber auch eine bewegende Zeit, die mir persönlich viel gebracht hat. Du gehst dann raus und denkst nicht darüber nach: „Wieso das Auge? Wieso fehlen dir da zehn Prozent?“ Das interessiert dich überhaupt gar nicht, wenn du siehst, was wirklich Schicksale sind. Es war eine sehr, sehr gute Entscheidung, dort hinzugehen. Heute geht es mir gut, ich habe gar nichts mehr. Also ich hatte da riesiges Glück und da bin ich auch wirklich sehr, sehr dankbar, dass ich das so gut überstanden habe.


 Über die Bedeutung seiner Familie, Fußballreisen und eine spontane Nacht- und Nebelaktion

Hast du eine Art Bucket List, wovon heutzutage immer wieder gesprochen wird? Also, was du unbedingt nochmal im Leben machen willst – vielleicht gibt es noch einen Ort, an den du reisen willst?

Hm, das hört sich blöd an, aber ich bin eigentlich sehr, sehr glücklich und zufrieden, so wie es ist. Ich hab mir meinen Traum, Teile meines Lebens im Warmen zu verbringen, also auf Mallorca, erfüllt. Das war schon immer etwas Besonderes für mich. Das hat auch gut geklappt. Wir haben jetzt zwei Lebensmittelpunkte. Das Problem ist, dass wir die meiste Zeit leider nicht zusammenleben. Meine kleine Tochter, sie ist acht Jahre alt, und meine Frau, leben jetzt in Mallorca. Vier Wochen bevor ich nach Mainz zurück bin, sind wir gerade innerhalb von Mallorca umgezogen. In ein neues Haus und das ist jetzt noch nicht mal komplett eingerichtet. Daran erkennt man, dass das alles ganz anders geplant war. Wir haben dort wirklich einen schönen Lebensmittelpunkt mit tollen Freunden gefunden und fühlen uns da total wohl. Für mich ist schon längst beschlossen: Wenn das Kapitel Mainz 05 irgendwann beendet ist, dann werde ich wieder fest nach Mallorca gehen, weil das Leben dort schon einfach viel lockerer ist. Du hast schönes Wetter, du sitzt im Freien. Das ist einfach etwas ganz Besonderes. Und was die meisten Leute überhaupt nicht verstehen, ist: Da redest du über Mallorca und dann fangen sie alle mit dem Ballermann an. Also ich war noch nie auf dem Ballermann – ok, als junger Kerl war ich jedes Jahr am Ballermann. Aber nicht heute.

Mallorca ist viel mehr als Ballermann. Also wir haben mit dem Ballermann überhaupt nichts zu tun, sondern wir leben da! Man lebt, wenn man dort wohnt, anders, als wenn man dort in den Urlaub fährt. Die Leute glauben jetzt: Du bist in Mallorca und morgens holst du das Handtuch raus und legst dich dort auf eine Liege. Ich hab in zwei Jahren vielleicht zehn Mal auf einer Liege gelegen. Das machst du gar nicht, weil du da ganz normal deinen Tagesablauf hast. Das Einzige ist: Du gehst am Abend öfter als wenn du hier in Mainz bist, schön essen, gehst ans Meer, isst Fisch. Das ist einfach ein anderes Leben. Aber ansonsten machst du das gleiche, als ob du in Deutschland leben würdest. Nur in einem wesentlich angenehmeren Ambiente. Auch wenn Mainz sehr schön ist – ich liebe diese Stadt – also das will ich nicht schlecht machen. Deswegen habe ich mir diesen Wunschtraum erfüllt und wenn es irgendwann in Richtung Lebensabend – ich hoffe das dauert noch ein bisschen – gehen sollte, würde ich das gerne mit der Familie auf Mallorca machen.

Für meine Tochter ist das ihr Zuhause, sie hat alle ihre Freunde auf Mallorca. Sie spricht inzwischen fließend Deutsch, Spanisch und Englisch und das nach drei Jahren Schule. Sie ist dort auf einer überragenden internationalen Schule. Sie spielt Klarinette, spricht mehrere Sprachen, lernt jetzt in einem Sonderfach noch Chinesisch, entwickelt sich einfach überragend und deswegen bleibt die Familie auch auf Mallorca. Wir haben lange darüber diskutiert: „a) Mache ich das überhaupt mit Mainz?“, und „b) Wenn ich es mache, wie machen wir das?“ Aber ich hätte ein ganz, ganz schlechtes Gewissen gehabt, hätten wir jetzt entschieden, wir gehen wieder komplett nach Mainz und die Kleine muss die Schule verlassen. Sie ist dort glücklich und deshalb kann ich das nicht machen. Deswegen jetzt diese räumliche Trennung. Ja, ich habe auch gesagt, dass ich jede Woche komme. Da war aber der Wunsch Vater des Gedanken. Ich versuche zweimal im Monat für drei Tage hinzufliegen, aber das klappt nicht immer. Das Problem ist, dass sie nie nach Mainz kommen können, weil meine Tochter Schule hat. Sie haben im Sommer drei Monate Schulferien und dann haben sie gar keine Ferien mehr bis zum Winter. Da gibt es also keine Möglichkeiten und die Schule steht jetzt im Vordergrund. Deswegen ist das das Einzige, was mir im Moment am Leben nicht ganz so gut gefällt, aber das haben wir natürlich gewusst. Da müssen wir durch.

So, jetzt zu den Reisen. Ich war fast auf der ganzen Welt und zwar, muss ich sagen, nicht als Funktionär von Mainz 05, sondern als ganz normaler Fußballfan, weil ich hier einen sehr netten und guten Freundeskreis habe. Wir fliegen und fahren seit Mitte der 80er Jahre eigentlich zu jeder Fußball-EM und Fußball-WM. Wir waren in Spanien, Mexiko, Italien, in den USA, in Frankreich, Japan und in Deutschland sowieso. Wir waren überall unterwegs und haben bis auf wenige Teile der Welt alles kennengelernt. Ich war auch öfters in Asien, in China, Singapur, also ich bin überall rum, in Afrika, Südafrika. Auch bei der WM in Südafrika waren wir. Ich habe sehr viel erlebt. Ich war nicht in Australien, aber ich muss jetzt nicht unbedingt nach Australien. Ich will irgendwann nochmal einen USA-Ausflug machen. Aber da hab ich jetzt nichts, worüber ich sage: Also das muss ich jetzt noch erleben. Ich habe zum Glück die Möglichkeit gehabt sehr, sehr viel zu sehen und jetzt geht’s mir einfach darum, irgendwann mal wirklich ein schönes Leben zu haben, die Dinge zu machen, die mir Freude bereiten. Wenn ich irgendwann auf die Idee komme, dass ich mal nach Australien muss, hoffe ich, dass ich dann in der Lage bin, mir diesen Wunsch zu erfüllen. Ansonsten: Ich habe zwei erwachsene Kinder, die ich sehr, sehr vernachlässigt habe. Als sie klein waren, war ich nie mit ihnen im Urlaub.

Nie? (überrascht)

Sie sind immer mit ihrer Mutter allein in den Urlaub gefahren. Ein oder zwei Mal war ich im Urlaub mit dabei. Bei dem einen Mal war ich mit ihnen auf Mallorca. Wir hatten an diesem Wochenende aber ein Spiel in Lübeck, das weiß ich heute noch, mit Mainz 05, Trainer Wolfang Frank – ich hatte meiner Familie versprochen, dass wir in den Urlaub fahren und ich mal ich nicht zum Spiel gehe. Doch es kam wirklich zu einer Nacht- und Nebelaktion. In der Nacht zum Samstag konnte ich nicht schlafen und habe beschlossen, dass ich doch abhaue. Dann habe ich meiner Frau wirklich erzählt, dass ich joggen gehe, habe aber in der Nacht schon mein Täschchen gepackt, und bin wirklich gejoggt, aber nur bis zum Taxistand, und bin zum Flughafen gefahren. Meine Frau, die hat schon gewusst: Der geht joggen, dann trifft er jemanden, geht in die Kneipe… Ich habe dann wirklich drei Stunden später aus Hamburg angerufen. Denn ich wollte nicht mit ihr diskutieren in der Zeit, als ich noch auf Mallorca war, weil es einen Aufstand gegeben hätte. Also hab ich mich erst wieder aus Hamburg gemeldet. Als ich ihr gesagt habe, ich sei in Hamburg, naja, da hat das Telefonat nicht so lange gedauert…

Und dann habe ich noch den Rückflug verpasst. Deshalb musste ich noch einen Tag in Hamburg am Flughafen verbringen. Ich war von Hamburg nach Lübeck und dann wieder nach Hamburg gereist und habe eben dort den Flieger verpasst. Als ich zurück kam, war der Urlaub nicht mehr ganz so schön… Ich habe da vieles falsch gemacht, als ich noch sehr jung war, und habe gedacht ich müsse überall dabei sein, und habe die Kinder schon sehr vernachlässigt. Wir haben heute ein überragendes Verhältnis, aber ich habe heute ab und zu ein schlechtes Gewissen. Wenn ich jetzt mit meiner kleinen Tochter zusammen bin, dann überlege ich: „Wie habe ich das eigentlich mit den großen gemacht?“ Das will ich jetzt nicht noch mal falsch machen, ja und was mache ich? Ich hau ab und bin in Mainz und sie sind auf Mallorca. Das will ich aber wieder gut machen, ja, das ist mir extrem wichtig, da steht Familie schon sehr im Vordergrund. Wenn das hier mal erledigt ist, dann wird sich glaub vieles um meine Familie drehen.

Vielen Dank für deine Zeit, Christian.

Gerne, hat Spaß gemacht.

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