Einwurf: „Vive La Mannschaft“ und nächster Blogbeitrag

ViveLaMannschaft
Passend zum vergangenen Blogbeitrag fuhr dieses Wohnmobil an diesem Wochenende an mir vorbei. Foto: Lisa Schatz

Liebe Fußballbegeisterte,

der Hochsommer rückt näher und ich bastel schon an den nächsten Themen… Der nächste Blogbeitrag erscheint voraussichtlich Ende September. Bis dahin wünsche ich euch eine schöne und sonnige Zeit!!!

Sportliche Grüße,

Lisa Blue

Vor drei Jahren. Auf der Fanmeile. In Berlin.

Wir schreiben den 15. Juli 2017. Vor drei Jahren traf die deutsche Männer-Nationalmannschaft auf der Fanmeile in Berlin ein und feierte. Den Weltmeistertitel. Ich hatte das Glück, auf der Fanmeile dabei sein zu dürfen.

BERLIN. 15.7.2014. Nun war ich da. Am Hauptbahnhof. In BERLIN. So schnell ging’s. Vor rund 38 Stunden saß ich noch in meiner Wohnung, den Laptop vor mir und den Fernseher eineinhalb Meter neben mir, der das Feuerwerk zeigte, und einen freudestrahlenden deutschen Nationalspieler (und Fan!) nach dem anderen. Die deutsche Männer-Nationalmannschaft war frischgebackener Weltmeister. Und für mich hieß das: So schnell wie möglich günstige und gute Zugtickets nach Berlin buchen! Denn nun stand fest, wann die Weltmeister dort auf der Fanmeile empfangen werden würden.

Jetzt zurück zum Bahnhof. Schon im Zug saßen überall Fans. Wo ich hinblickte: Deutschlandtrikots, Schals, Fahnen, Flaggen. Ein Fan ließ es sich trotz Gipsfuß, Krücken und der brütenden Hitze draußen (das juckt sehr mit Gips – ich spreche aus Erfahrung…) nicht nehmen, nach Berlin zu reisen. Die Stimmung im Zug war fantastisch. Immer wieder kamen Menschen miteinander ins Gespräch, die sich während der Fahrt kennen lernten und über die Mannschaft um Jogi Löw diskutierten.

Vor dem Hauptbahnhof. Da stand ich nun, mit umgehängter Deutschlandflagge, Freudestrahlen im Gesicht und ausnahmsweise nahezu null Plan, wo ich genau hinmusste. Lediglich die Skizze von der Fanmeile hatte ich mir im Internet angesehen, aber mehr auch nicht. Mein Plan war diesmal, keinen Plan zu haben. Einfach überraschen lassen. Und das ging auf. Es wimmelte nur so von Fans. Wie von einem Magneten angezogen, strömte ich mit der Menschenmenge an der Spree entlang. Ich hatte Gänsehaut vor Freude. Und ganz ohne Plan war mir klar, dass das der richtige Weg war.

Angekommen. Soeben noch durch den Park gelaufen, stand ich jetzt auf der Straße des 17. Juni. FANMEILE. Hier war vielleicht was los – obwohl es noch echt früh war! And now: A moment like magic. Plötzlich blickte ein Mensch nach dem anderen gen Himmel. Wir fotografierten, winkten und jubelten, denn sie war da: Die Fanhansa. Diesen Moment kann man nicht beschreiben, er IST nicht in Worte zu fassen, man kann ihn nur nachvollziehen, wenn man ihn selbst erlebt hat. Ist einfach so.

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Eindrücke von der Fanmeile am 15.7.2014. Fotos: Lisa Schatz

Auf der Fanmeile. Die darauf folgenden Stunden bedeuteten friedliche Fußballparty, Gemeinschaft, Zusammenhalt, Fantreffen und neue Freundschaften knüpfen. Ich lernte zwei Mädels kennen. Sie hatten entschlossen, dem juristischen Unialltag für ein paar Stunden zu entfliehen – vom Hörsaal auf die Fußballparty und dann wieder von der Fanmeile back to normal life. Zu einer der beiden hab ich noch bis heute Kontakt. Dank Fußball.

Der komplette Nachmittag war ein schlichtweg unvergessliches Erlebnis. Zusammen mit 999.999 Menschen auf der Fanmeile zu stehen – das war unglaublich! Meine Begeisterung brachte ich damals auch in einem Fernsehinterview zum Ausdruck. Da ich das Ganze mit Diktiergerät aufgezeichnet habe, möchte ich es euch nicht vorenthalten. Ladies and Gentlemen! Es folgt… Die Audiodatei-PREMIERE auf meinem Fußballblog (die Aufzeichnung ist zwar nur fünf Sekunden lang, aber immerhin;-))…

Alles, was ich an diesem Nachmittag erlebt habe, dürfte wirklich mit diesen vier Sätzen zusammengefasst und ausgedrückt sein. Wir haben friedlich gefeiert, die Fans lachten, sangen und tanzten zusammen auf der Straße des 17. Juni. Der wohl passendste Song, der mich bis heute immer wieder an diesen einen, unvergesslichen Tag erinnert, ist der von Andreas Bourani. „Ein Hoch auf uns“ tönte es damals aus den Boxen. WIR alle feierten an diesem Tag wirklich eine MANNSCHAFT, die während des gesamten Turniers als Mannschaft auftgetreten war. Fußball ist einfach mehr als nur ein 1:0. Das deutsche Team stand während der WM 2014 für Fairness, Zusammenhalt und Respekt. So sollte Fußball immer sein.

Und nun noch ein paar Impressionen für euch…

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Sportliche Grüße

Lisa Blue

Heiko Herrlich über seinen einstigen Hirntumor: „Gottesglaube“ und „Angst vor dem Tod“

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Heiko Herrlich schaffte mit dem SSV Jahn den Aufstieg in die zweite Liga und ist nun Erstligacoach bei Bayer 04 Leverkusen. Foto: Lisa Schatz

Rückschläge. Wenn Heiko Herrlich auf seine Karriere als Fußballprofi zurückblickt, erinnert er sich nicht nur an DFB-Pokalsiege und Deutsche Meisterschaften. Neben seinen Erfolgen gab es auch Schattenseiten: Ihn hat unter anderem eine Krebserkrankung geprägt. Im Alter von 28 Jahren wurde beim damaligen BVB-Profi ein Hirntumor festgestellt. Zu dieser Zeit erwartete seine Ex-Frau Herrlichs erstes Kind. Für den jungen Mann kam damals einiges zusammen. Inzwischen ist er 45 Jahre alt, gesund, hat vergangenen Monat den Zweitligaaufstieg mit dem SSV Jahn Regensburg geschafft und kürzlich beim Erstligisten Bayer Leverkusen einen Zweijahresvertrag als Cheftrainer unterzeichnet. Mich hat interessiert, wie er reagiert hat, als er im Herbst 2000 die Diagnose „Krebs“ bekam, inwieweit sich die Wertigkeit des Fußballs dadurch für ihn verschoben hat und wie die Unterstützung durch den Verein für ihn aussah…

Herr Herrlich, wie haben Sie damals von Ihrer Krebserkrankung erfahren, wie hat sie sich bemerkbar gemacht?

Ich hatte ein paar Wochen davor während der Medizinchecks immer wieder eine Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung; Anm. von LS). Die Nebenhöhlen waren zu und dann hat man sich entschlossen, sie zu fenstern. Ich wurde also operiert und bin zwei, drei Wochen ausgefallen. Als ich wieder eingestiegen bin, hatte ich plötzlich Sehprobleme. Im ersten Moment dachte man, dass das mit der OP zusammenhing. Das wurde kontrolliert. Die Sehnerven waren ok, da war nichts angegriffen. Dann wurde ich zum Neurologen geschickt. Dieser hat einen Kernspin veranlasst, weil ich folgendes Symptom hatte: Ich habe alles doppelt gesehen, links und rechts. Wenn ich in Kopfballduelle gegangen bin, ist der Ball vier, fünf Meter hinter mir gelandet. Eine Woche vor der Diagnose haben wir noch gegen Bayern München gespielt und 2:6 im Olympiastadion verloren. Ich hab noch das 1:0 für uns gemacht, aber in der zweiten Halbzeit habe ich keinen Ball mehr erwischt. Das war irgendwie ganz komisch, ganz merkwürdig. Dann wurde ich in den Kernspint geschickt, habe mich einem Sehtest unterzogen und dort hat sich gezeigt, dass da eine kleine Stelle ist, die sich letztendlich als Tumor herausgestellt hat.

Was war der erste Gedanke, den Sie hatten? Wie haben Sie reagiert?

Unser damaliger Vereinsarzt Dr. Preuhs kam zu mir nach Hause. Meine Ex-Frau war im dritten Monat schwanger mit unserer ersten Tochter. Wir hatten uns gerade Babybücher angeschaut und überlegt, wie wir das Kinderzimmer einrichten. Wir saßen zusammen am Esstisch. Der Arzt sagte, dass ich einen Tumor habe und ich meinte: „Ok, müssen wir halt operieren“. Er antwortete darauf: „Nein, das geht nicht an dieser Stelle. Danach wärst du schwerstbehindert“. Daraufhin hab ich gefragt: „Was bedeutet das jetzt, geht es um Leben und Tod?“. Dann hat er genickt. Das war natürlich ein Schock für mich. Aber anschließend bin ich aufgestanden und habe gesagt, dass ich ein gläubiger Mensch sei und dass ich es vielleicht nicht immer habe wertschätzen und wahrnehmen können, wie gesegnet ich sei und was für eine tolle Ehefrau, Brüder, Freunde und Eltern ich habe. Und ich meinte: „Ja, lieber Gott, wenn das jetzt der Weg ist, den du mit mir vorhast, gut, dann ist das hart, aber dann gehe ich den mit und vertraue dir auch da“. Ich hatte natürlich Tränen in den Augen und dachte mir: „Bitte hilf mir, aus der Nummer rauszukommen“. Das war hart für mich: In dem Moment war es wirklich ein Keulenschlag, aber ich bin ein gläubiger Mensch. Irgendwie habe ich durch mein Gottvertrauen gleichzeitig eine wärmende Unterstützung empfunden. Ich habe gesagt: „Ok, das ist jetzt so“.

 

„Es war ein Zeichen, dass ich einige Dinge ausräumen muss“

Dann habe ich gebetet und das einfach mal für mich sacken lassen und gespürt, dass ich aufräumen muss in meinem Leben. Der Gedanke war: „Ok, das ist jetzt ein Zeichen, dass ich einige Dinge ausräumen muss. Zwischen mir und meinen Eltern, meinen Brüdern, Freunden und meiner Ex-Frau. Dass ich einfach Dinge klarstellen muss“. Das habe ich für mich als Chance begriffen: „Ja, vielleicht habe ich jetzt noch zwei Monate zu leben. Vielleicht sehe ich mein Kind nie. Aber dann habe ich die Chance, zwei Monate alles positiv zu gestalten und in der Zeit das Beste zu geben. Anstatt dass ich jetzt noch fünfzig Jahre lebe und Dinge nicht bereinigt sind. Als ich das dann getan habe, ging es mir besser. Obwohl ich auch Phasen hatte, in denen ich richtige Angst hatte vor dem Tod. Weil ich ja nicht wusste, was auf mich zugekommen wäre an Schmerzen.

Aber dann wurde ich von Professor Sturm in der Uniklinik Köln behandelt. Er war eine Koryphäe auf dem Gebiet der Gehirntumore und auch ein ganz toller Mensch. Ich habe ihm meine Gefühle mitgeteilt und er hat gesagt, dass er an Gott glaube und dass sich in der Medizin manche Dinge so entwickeln würden, wie man da eben Gott erfährt. Die Medizin habe auch ihre Grenzen. Ich habe meine Situation also in Gottes Hand gelegt und bald kamen die ersten positiven Nachrichten: Die Biopsie, in welcher sich herausgestellt hat, dass es ein böser, schnell wachsender Tumor sei, ergab, dass dieser aber unter Bestrahlung wie Butter schmelze. Das bedeutete, dass mein Tumor nicht operiert, aber durch Bestrahlung bekämpft werden konnte. Ich war dazu in Heidelberg und nach fünf Wochen war der Tumor nicht mehr sichtbar.

Inwieweit wurden Sie in dieser Zeit von Ihrem Verein, dem BVB, unterstützt?

Für mich war eigentlich nach der Diagnose das Fußballthema beendet. Ich wusste: „Jetzt geht’s nur noch um Leben und Tod.

Wenn ich wirklich nochmal auf dem Platz stehen würde, dann wäre das irgendwie alles nur noch ein Bonusprogramm“.

Wie sah die psychologische Unterstützung aus?

Dr. Preuhs hat da menschlich Unglaubliches geleistet. Er ist eigentlich Orthopäde und war während der schwierigen Zeit an meiner Seite. Er hätte ja auch sagen können: „Das wird nix mehr, das geht schief“. Aber er war wirklich an meiner Seite: als Begleiter, Unterstützer, Zuhörer. Im Verein wurde ich natürlich abgeschottet. Mir wurde jegliche Unterstützung zugesagt, aber ich war alleine mit meiner Familie und meinen Freunden und das wollte ich auch so. Für mich waren Herr Dr. Preuhs, Professor Sturm und meine engste Familie da. Es gab sicherlich immer wieder Menschen, die zu mir gekommen sind: ob Stefan Reuter oder Christian Nerlinger, welcher mir damals ein Buch von Lance Armstrong gebracht hat. Aber ansonsten habe ich mich abgeschottet. Du, ich wollte da auch alleine sein. Da kann dir ja niemand helfen. Ich hatte auf jeden Fall die Unterstützung der Fans in den Stadien. Aber ich wollte alleine sein.

War es so, dass Sie – nicht nur alles, was negativ war – bereinigen wollten, sondern auch, dass Sie sich einen Traum erfüllen wollten, zum Beispiel eine Reise? Oder war es eher der Fall, dass Sie die Zeit mit Ihrer Familie und mit Ihren Freunden nochmal richtig genießen wollten, soweit es ging?

Nein, ich wollte den Alltag beibehalten. Meine Ex-Frau hat damals studiert. Ich wollte eben nicht weg, sondern alles normal weiterlaufen lassen und nichts Besonderes machen. Die Bestrahlung war schon eine Belastung. Das war enorm, was da passierte: Ich hatte keinen Appetit mehr, ich konnte nichts mehr essen. Das war schon eine schwierige Phase. Da wollte ich einfach Zuhause bleiben und nicht ins Büro hinein. Als die Symptome und Nebenwirkungen nach einem halben Jahr nachgelassen haben, sind wir eine Woche in den Urlaub gefahren. Danach habe ich aber schon wieder angefangen zu laufen, zu trainieren. Dann kam unsere Tochter und von da an ging’s aufwärts.

 

„Wenn du gesund bist, dann sind das eigentlich schon 99,9 % von deinem Leben“

Wie hat sich – gerade in der Zeit der Diagnose – die Wertigkeit des Fußballs für Sie verschoben?

Ich war vorher schon geerdet und wusste dieses Geschäft einzuschätzen. Es wurde dann einfach nochmal intensiver. Ich wusste, dass ich ein Verfallsdatum auf der Stirn habe. Durch den Hirntumor ist mir das klarer geworden, als mir meine Grundlage entzogen wurde. Letztendlich haben sich die Werte für mich nach dem Hirntumor im Prinzip nochmal verändert. Wenn du gesund bist, dann sind das eigentlich schon 99,9 % von deinem Leben. Wenn du das Glück hast, dann noch eine Arbeit zu haben und abends satt bist und ein Dach über dem Kopf hast, dann geht es dir eigentlich gut.

In dem Moment, in dem du diese Diagnose hast, ist alles andere unwichtig.

Dann interessiert dich nicht, ob du eine schöne Wohnung hast oder ein schönes Haus oder ein schönes Auto. Das wird völlig uninteressant. Das brauchst du dann alles nicht.

Wie war die Zeit der Strahlentherapie? Hat sie Sie ausschließlich geschwächt, sodass Sie nur noch Zuhause gelegen sind, oder gab es eine Phase, in der Sie sich dachten: „Ja, ich habe das Gefühl, es schlägt an“ – auch, wenn man die Schmerzen hat – oder kamen Ihnen Negativgedanken wie: „Was mache ich gerade für eine Hölle durch?“.

Die Kernspintbilder, die MRT-Bilder haben gezeigt, dass die Therapie anschlägt, aber trotzdem war ich gleichzeitig in einem Loch. Diese Therapie war kräftezehrend und sie hat geschlaucht. In der Phase hatte ich Höhen und Tiefen.

Wie schnell sind Sie im Anschluss wieder in den Alltag zurückgekommen? Wie lange wirkte das Ganze nach, wie lange haben Sie sich noch mit der Thematik beschäftigt, oder haben Sie sich wieder komplett von der Familie und dem Fußball mitreißen lassen, als Sie wieder den geregelten Alltag mit den Spieltagen und dem Training hatten?

Das hat sicherlich so zwei, drei Jahre gedauert, weil ich auch Phasen hatte, in welchen ich wirklich kein Vertrauen zu meinem Körper hatte, weil ich immer Angst hatte, dass ich etwas Neues habe. Da ist mir das Gottvertrauen ein bisschen verloren gegangen. Da hatte ich sicherlich auch Phasen, in denen ich Hänger hatte. Letztendlich ging das solange, bis ich angenommen habe, dass ich diese Krankheit eben hatte. Letztendlich, ganz salopp gesagt, habe ich formuliert: „Keiner wird’s schaffen, hier zu bleiben. Das gehört irgendwo auch dazu: diese Schicksalsschläge. Das habe ich nun überwunden“. Heute habe ich einfach so ein Gottvertrauen, sodass alles seine Richtigkeit hat.

Wie hat sich die damalige Erkrankung auf Ihre heutige Einstellung ausgewirkt? Vielleicht sehen Sie das Spiel auch etwas „lockerer“ als früher?

Nein, lockerer nehme ich es nicht. Das ist meine Arbeit. Unser Auftrag ist es, Spiele zu gewinnen und nach Möglichkeit schön zu spielen. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und das sage ich auch den Jungs: „Ihr müsst immer versuchen, euer Bestes zu geben. Wenn die anderen besser sind, dann können wir nichts ändern. Dann muss man das akzeptieren. Ich als Trainer und ihr als Spieler. Dann müssen wir einfach noch weiterfighten und versuchen, das nächste Mal besser zu sein“. Aber wenn das getan ist und wir unser Bestes gegeben haben, dann geht nicht mehr. Man kann es ja nicht kaufen oder erzwingen. Einfach das Beste geben und das dann akzeptieren. Das versuche ich meiner Mannschaft immer wieder zu sagen. Danach verfahren wir. Wir wollen ja Menschen begeistern und Spiele gewinnen. Aber ich bin sehr mit mir im Reinen, wenn ich weiß, ich habe alles gegeben, alles für den Sieg getan. Und wenn es nicht gereicht hat und die anderen besser waren oder ich einen Fehler gemacht habe und den aus bestem Wissen und Gewissen, akzeptiere ich das und gehe mit mir nicht so hart ins Gericht. Ich akzeptiere, dass ich auch Fehler mache. Zum Beispiel hinsichtlich der Aufstellung oder in der Vorbereitung. Ich akzeptiere, dass ich nicht perfekt bin, wie auch die Spieler.

Wenn Sie sich die Entwicklung im psychologischen Bereich im Profifußball im Laufe der Jahre und Jahrzehnte anschauen: Welche Unterstützung erhalten die Profis heute und hat sich das im Gegensatz zu damals geändert?

Sportpsychologie hat nichts mit normaler Psychologie zu tun. Die Topvereine in der ersten Liga haben heute ein Netzwerk von Ärzten in allen Bereichen. Wenn dahingehend etwas wäre, können die Spieler umfangreich unterstützt werden.

Wie war das bei Ihrem Drittligateam in der zurück liegenden Saison? Suchen sich die Spieler, wenn Sie Probleme haben, selbst einen (Sport-)Psychologen?

Nein, mir wäre kein Fall bekannt, in dem einer der Spieler das in Anspruch genommen hat. Wenn die Spieler uns etwas erzählen oder anvertrauen, bieten wir als Trainer ihnen auch Unterstützung in allen Bereichen. Wichtig ist natürlich, dass der Spieler auf uns zukommt und uns sagt, welche Probleme er hat. Das gilt im Übrigen jetzt in der ersten Liga noch ganz genauso. Die Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen – sei es über den Verein oder privat – wäre dann eben nochmal eine zusätzliche Option.

Vielen Dank für dieses offene Interview, Herr Herrlich.

Sehr gerne.

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