Fußballbuch – Update Nr. 6: Von Ryan Smith zu Michael Lahoud

Liebe Fußballbegeisterte auf der ganzen Welt,

wie gestern angekündigt ist das Fußballbuch inzwischen von London nach Texas gereist. Michael Lahoud, ehemaliger MLS-Spieler und Nationalspieler von Sierra Leone, hat sich darin verewigt, und sich meinen Fragen zum Buch, doch vor allem auch zu seiner Lebensgeschichte, gestellt… Lest selbst, welch wunderbare Erfahrungen er durch Fußball machen konnte…

Viel Spaß beim Lesen, passt auf euch auf und bleibt zu Hause!

Lisa Blue

 

Interview mit Michael Lahoud

Lisa Schatz: Hallo Michael, vielen Dank für deine Zeit. Ich habe mich sehr gefreut als ich hörte, dass das Buch nach Texas gereist ist, und jetzt sprechen wir mit einer Zeitverschiebung von sieben Stunden. Fußball verbindet die Menschen wirklich…

Warum wolltest du an diesem Projekt teilnehmen und was hat Ryan dir erzählt, sodass du daran teilgenommen hast?

Michael Lahoud: Ich glaube fest daran, dass Dinge aus einem bestimmten Grund geschehen und dass sie zum passenden Zeitpunkt im Leben passieren. Ryan und ich haben uns unterhalten. Als er mir von dem Buch erzählt hat, kam der Zeitpunkt genau richtig, denn ich begann, über meine Karriere und über die Saison nachzudenken. Und ich musste wirklich zurückerinnert werden, warum ich dieses Spiel spiele. Es war also genau der richtige Zeitpunkt, um ein leeres Blatt Papier zu erhalten, um etwas zu schreiben, Teil von etwas zu sein und dem Fußballspiel, das mir so viel gegeben hat, etwas zurückzugeben. Ich möchte etwas zurückgeben, so dass diese Geschichte wie eine perfekte Gelegenheit erscheint.

Was gefällt dir am besten an diesem Spiel? Geht es um die Verbindung der Menschen, die von überall her kommen oder ist es das Teamfeeling?

Es ist multifaszinierend, ich spiele sehr gerne. Fußball ist ein Ort, an dem man träumen kann, oder ein Ort, an dem es keine Rolle spielt, woher man kommt. Dein Hintergrund spielt keine Rolle. Für mich persönlich war der Fußball der Ort, an dem mein Hintergrund, meine Geschichte, mein sozioökonomischer Status keine Rolle spielt. Im Fußball spielen das Alter, die Rassenzugehörigkeit und die Nationalität keine Rolle. Wir sind alle durch den Fußball verbunden. Und ich denke, dass der Fußball das ist, was mich wirklich inspiriert hat. Alles, das mir durch Fußball gegeben wurde, alles, das mir beigebracht wurde, hat mich inspiriert, dieses Wissen weiterzugeben. Ich glaube an junge Menschen, an junge Fußballer. Ich war selbst einmal ein junger Fußballspieler, und jemand hat an mich geglaubt. Wenn ich mich mit jungen Spielern treffe und ein wenig von mir selbst in ihnen sehe, dann macht mich das umso leidenschaftlicher, Fußball zu spielen.

Wie schwer war das? Du kamst als Geflüchteter in die Vereinigten Staaten. Bist du alleine oder mit deiner Familie dorthin gekommen?

Ich kam im Alter von sechs Jahren als Geflüchteter in die USA und reiste allein. Mir wurde die Einreise gewährt, man ordnete mich als Notfall ein. Ich hatte keine Ahnung, was um mich herum passierte. Aber zu dieser Zeit herrschte in Sierra Leone ein tragischer Bürgerkrieg, und dieses Visum in die Vereinigte Staaten hat mir das Leben gerettet, und wirklich, der Fußball hat mir das Leben gerettet. Als ich hierher kam, wusste ich nicht, was vor sich ging. Ich wusste, dass ich hierher kommen würde, um wieder mit meiner Familie, meiner unmittelbaren Familie, in Kontakt zu kommen. Aber es war wohl das Beste, was mir passieren konnte: Dass ich zu jung war, um irgendetwas zu begreifen. Aber ich bin sehr, sehr dankbar für dieses Visum. Das ist etwas, das ich nie vergessen werde.

Ich kann mir vorstellen, dass es äußerst schwer gewesen sein muss, denn du warst damals sechs Jahre alt, ein kleines Kind…

Ja, es war schwierig. Es ist schwer genug, wenn man an einen neuen Ort geht. Die Sprache ist sehr schwer. Englisch wird auf der ganzen Welt gesprochen, aber es ist anders als jede andere Sprache. Ich hatte in Afrika in der Schule Englisch gelernt. Aber was es wirklich schwierig für mich machte, war: Als Kinder, aus Sierra Leone, sind wir einfach als Sierra Leonier aufgewachsen. Wir haben nie darüber gesprochen, welcher Rasse man angehört, woran man glaubt,… Es war wirklich so, dass wir einfach alle gleich waren. Und als ich nach Amerika kam… Es war das erste Mal, dass ich mich anders fühlte. Und es war das erste Mal, dass es mir schwer fiel, wie anders ich war. Ich war so durcheinander, weil ich – verdammt noch mal – so etwas noch nie zuvor erlebt hatte. Ich fing an, all die Unterschiede zu bemerken. Das war sehr schwierig für mich.

Hast du Erfahrungen mit Rassismus gemacht oder wie hast du dich gefühlt?

Nein, ich hatte Glück. Am ersten Tag als ich in Amerika zur Schule kam, traf ich meinen besten Freund. Ob du es glaubst oder nicht: Es war der Fußball, der uns verbunden hat.

Das ist wirklich die Kraft des Fußballs. Er verbindet wirklich die Welt. Als ich in die Schule kam, hatte ich solche Angst. Eine Gruppe von Kindern spielte Fußball. Wirklich: Ich wollte gesehen werden, und ich wollte nicht gesehen werden, weil ich hoffte, dass mich niemand sieht. Denn: Ich weiß nicht, ich bin das Kind, das anders ist, das neu ist. Das ist anders. Und natürlich, wann immer man nicht gesehen werden will, wird man gesehen. Der Ball rollte zu mir, nachdem er vom Fuß eines Mitschülers abgeprallt war. Und die Schüler sagten: „Hey, wirf den Ball“. Ich hatte noch nie zuvor einen Ball geworfen, weshalb ich sehr nervös war. Ich tat es, aber ich wusste nicht, wie ich es tun sollte. Ich habe den Ball geholt und ihn zu ihnen zurückgespielt. Und das hatten sie so noch nie zuvor gesehen. Ich habe ihn sehr hoch geworfen und ihn über das Dach des Gebäudes gekickt. Sofort hatte ich den Respekt von allen. Ich war das Kind, das neu war, und das niemand bemerkt hatte. Es war nicht schlecht, dass die erste Person, die zu mir kam, ein sehr beliebter Junge in der Schule war, das sagte: „Hey, ich habe das noch nie jemanden machen sehen! Du bist mein neuer bester Freund“. Und er brachte mich zu seiner Familie. Er sagte: „Oh, das ist mein Torwart, er kann beides – Fußbälle, Tennisbälle – auf das Dach schießen“. Ich konnte es nicht glauben.

Hattest du die Möglichkeit, in den USA in einer Familie zu leben, weil du sehr jung warst, oder warst du in einer Unterkunft wie z. B. in einem Flüchtlingsheim?

Ich habe hier eine neue Familie gefunden. Es war wirklich interessant, meine leibliche Familie in Sierra Leone zu haben, und eine zweite Familie hier in den Vereinigten Staaten gefunden zu haben. Ich war so dankbar dafür. Wir haben alle eine Familie, deren Blut durch unsere Adern fließt. Und wir haben die Menschen, die für uns zur Familie werden. Durch diesen Tag war es, als wäre ich adoptiert worden.

Er war wie dein Bruder…

Ja, wirklich. Es war wirklich so, als ob ich ein Teil von ihnen werde, man bot mir diese Adoptivfamilie an. Sie waren so fantastisch zu meiner biologischen Familie und sie waren so liebevoll zu mir. Meine Eltern arbeiteten die ganze Zeit. Vor allem meine Mutter, sie ist Krankenschwester. Daher war es für uns sehr schwierig, das Leben hier zu verstehen, im Gegensatz zu dem, woher wir kamen. Doch meinem besten Freund, Jack Wolf, bin für immer dankbar für das, was sie meiner Familie und mir über die Jahre hinweg bedeutet haben, was sie für mich geschaffen haben.

Michael Lahoud spielte für den Miami FC. Foto: Alenny Orovio
Michael Lahoud spielte für den Miami FC. Foto: Alenny Orovio

In deiner Geschichte, die du im Fußballbuch verewigt hast, hast du über die Sportpsychologin Dr. Cristina Fink geschrieben. Dass sie dein Leben verändert hat…

Sie gehörte während meiner MLS-Zeit (Major League Soccer) zu einem meiner Vereine. Sie war in Los Angeles. Hier in Amerika haben wir im Fußball ein ähnliches System wie beim Basketball: einen Tauschhandel. Ich bin dankbar, dass ein solcher Handel dafür sorgte, dass ich Dr. Cristina Fink begegnete. Von dem Moment an, als ich sie traf, wusste ich, dass ich mit ihr zusammenarbeiten muss. Es war nie das, was sie sagte. Aber sie hat diese Präsenz. Ich kannte ihre Geschichte, ihren Hintergrund nicht: Sie ist eine ehemalige Olympionikin, eine Hochspringerin. Sie kommt aus Mexiko-Stadt. Sie ist eine sehr, sehr, sehr brillante Frau. Ich wusste wirklich, dass ich besser werden wollte. Ich wollte der bestmögliche Fußballer sein, der ich sein kann. Ich wusste, dass ich Talent hatte. Ich wusste, dass meine Karriere weit führen könnte, aber ich wusste, dass Talent nicht genug war. Ich wollte Hilfe. Es gab einen Punkt, an dem ich Hilfe brauchte, um dorthin zu gelangen, und das war eine sehr demütigende Erfahrung. Es war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich erlebte, nicht der Star zu sein. Ich erlebte, dass ich nicht „der Fußballspieler“ war, und das ist sehr demütigend, wenn man das im Profisport erlebt. Ich glaube, dass widrige Umstände das Beste sind, das Fußballern passieren kann, vor allem jungen Fußballern. Es war also der richtige Zeitpunkt für mich, sie zu treffen, und so war ich die einzige Person im Team, die sie sehen sollte. Damals sagten alle, Sportpsychologen seien hier, vor allem in Amerika, nicht gerade beliebt. Ich wusste nicht wirklich, wer sonst noch mit ihnen zusammenarbeitete, aber einmal sagte sie mir, dass dies auf dem Rest der Welt eine große Sache sei. Und sie fügte hinzu: „In Amerika liegt ihr Jungs im Rückstand“. Und dieser Aspekt bezogen auf den Sport, besonders auf den Fußball… Das hat mir wirklich geholfen zu sehen, dass selbst die größten Fußballstars Hilfe auf dem längeren Weg brauchten, um dorthin zu gelangen, wo sie sind. Das kann man nicht alleine schaffen. Und so hat es einfach perfekt gepasst.

Auf welche Weise hat sie dir am Meisten geholfen?

Zum Teil war es Mentaltraining, aber es fühlte sich nie wie irgendeine Art von Training an. Es fühlte sich für mich einfach so an, als dass jemand an mich glaubte, dass jemand mehr in mir sah, als ich sehen konnte. Mehr als mein Talent. Ich glaube, jeder Trainer, für den ich je gespielt habe, hat es gesehen, konnte es aber nie in Worte fassen. Sie war die erste Person, die es konnte.

Wie alt warst du, als du ihr erstmals begegnet bist?

Ich war 26 Jahre alt. Ich wurde wirklich von diesem Gefühl verfolgt, dass es mir nicht genug ist, wenn es mir gut geht. Ich muss es töten, ich muss der Beste der Besten aller Zeiten sein, alle müssen aufstehen und mir mit Standing Ovationen zusehen. Das ist nicht realistisch. Es gibt immer jemanden, der besser ist als du, der in etwas besser ist als du. Cristina hat nicht versucht, das von mir zu nehmen. Sie gab mir nur eine andere Perspektive. Sie sagte: „Verlier‘ das nicht, und nutze eine andere Sichtweise, um dich selbst zu motivieren. Die ist nicht da draußen. Sie war immer in dir drinnen“.

Das Erstaunlichste, das sie zu mir sagte – abgesehen davon, dass ich aus Liebe zum Spiel spielen sollte – war: „Ein guter Spieler muss nicht zeigen, dass er ein guter Spieler ist. Er ist einfach einer“. Das hat mir dieses Gefühl weggenommen: „Ich muss es beweisen, ich muss es beweisen, jeden Tag muss ich es beweisen“, und es anderen Menschen wirklich bestätigen. Andere Leute entscheiden, wie es dir geht. Sie sagte: „Nein. Weißt du, ein guter Fussballer weiß, dass er ein guter Fussballer ist. Er muss es nicht der Welt erzählen, er muss es wissen“. Im Fußball muss man seinen Job machen.

Es war diese Art von Gesprächen, die so aufschlussreich war. Im Fußball würde ich, so sehr ich auch Talent habe, immer meinen Weg durchdenken. An der Universität, aber auch als Profi, bereitete ich mich darauf vor, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der mir half, zu sagen: „Hey, hier sind ein paar Dinge, die du machst und die dir helfen werden“. Und: „Hier sind einige Möglichkeiten, die du tatsächlich nutzen kannst, um dein Wissen auf die nächste Stufe zu bringen“. Es ist wirklich eine unglaubliche Erfahrung.

Hattest du ein Idol wie Zizou oder hast du einfach versucht, an dich selbst zu glauben und zu versuchen, was du konntest?

Zinedine Zidane war nie mein Vorbild. Ich hielt ihn für einen erstaunlichen Fußballer. Es war nicht nur die Klasse, mit der er spielte. Es war vor allem die Eleganz, dass er so gut war. Und er wusste es. Und du wusstest es. Aber es war, dass er es wusste. Und er wollte, dass du es weißt.

Mein Idol war David Beckham. Er war jemand, der mir gezeigt hat, dass man mehr als nur Fußball sein kann. Für ihn war es der kommerzielle Aspekt der Dinge. Aber er war der moderne Fußballer, der das wirklich auf eine andere Ebene gebracht hat: dass man mehr als nur Fußball sein kann. Und das bedeutet für alle anderen etwas anderes. Für ihn ist es der Ruhm. Er ist auch ein Familienmensch. Man kann tatsächlich Fußballer sein, aber man kann immer noch mehr als Fußball sein.

Ich möchte dich auch zu deinem sozialen Engagement befragen. Welche Projekte führst du für soziale Zwecke durch?

Das ist etwas, das zusammen mit dem Fußball zu einer Leidenschaft geworden ist. Im Jahr 2010 traf ich eine Frau, die mir eine Frage stellte, welche mein Leben veränderte. Sie fragte mich: „Wie würden Sie gerne die Welt verändern?“ Und ich war gerade erst am Anfang meiner Karriere, und ich hätte nie mit jemandem gerechnet, der mich das fragen würde, wenn es nicht mit Fußball zu tun hat. Ich antwortete: „Oh, ich verändere die Welt durch Fußball, weil ich ein fantastischer Fußballer bin“. Aber es hat mich wirklich dazu eingeladen zu begreifen, dass die Welt größer ist als ich es bin. Und es gibt etwas Soziales, das tiefer geht als das, was ich sehe. Das ist größer als ich. Es hat mein Herz auf eine Weise erobert, die ich kannte: Dass ich mich ändern würde und nie mehr derselbe sein würde.

Diese Frage, die sie mir stellte, lud mich zu einem Prozess der Selbstentdeckung ein. Sie hat meinen Geist erweitert. Ich wollte den Fußball wirklich nutzen, und nicht nur so, als es das von meinem eigenen Spiel bedeutet. Ich wollte den Fußball als Plattform nutzen, um anderen zu nützen. Wenn man Fußballer ist und jedes Wochenende spielt – ja, man spielt auf Grund seiner eigenen Leidenschaft und seiner eigenen Wünsche – aber man ist nur ein Profi, weil die Fans dafür bezahlen, dass sie einen spielen sehen. Ohne die Fans ist man einfach ein Amateur. Was es bedeutet, ein Teil der Mannschaft zu sein, mit diesem Vereinslogo auf dem Trikot zu spielen: Man spielt für eine Tradition, die größer ist als man selbst. Die Spieler, die den größten Einfluss im Spiel haben, sie verkörpern das, sie nehmen das auf, das bedeutet mehr für sie. Diese Botschaft bedeutet ihnen mehr. Mein Leben, meine Geschichte, meine Karriere… Das bedeutet mehr. Und das möchte ich wirklich nutzen, um auf mein Heimatland, mein Heimatland Sierra Leone, einzuwirken. Ihre Frage lud mich ein, mehr zu erfahren. Nicht nur darüber, wer ich bin, sondern auch, woher ich komme. Sie half mir, einen Teil von mir wiederzufinden, der wegen des Bürgerkriegs und des Umzugs nach Amerika verloren gegangen war. Deshalb möchte ich meine Plattform als Fußballer gerne nutzen, um dafür zu sorgen, dass dieser Krieg in Sierra Leone nie wieder passiert. Ich möchte den Kindern helfen, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.

Sie hat meinem Land geholfen, Schulen zu bauen. Sie ist ein ehemaliges Friedensmissionsmitglied. Ich konnte den Zeitpunkt nicht begreifen. Ich hatte noch nie eine Person, deren Timing so beeindruckend war, um in mein Leben einzutreten.

Was hast du getan?

Ich habe mich auf eine Reise begeben. Ich wollte in meiner Heimatstadt in Sierra Leone wirklich eine Schule bauen. Über einen Zeitraum von Jahren haben wir dies zusammen mit meinen Nationalmannschaftskameraden aus Sierra Leone getan. Wir bauten gemeinsam eine Schule. Das ist etwas, worauf ich immer stolz sein werde.

Währenddessen geschahen in diesem Land schreckliche Dinge. Im Jahr 2014 brach die Cholera aus. Ein Freund aus Heidelberg und ich haben uns zusammengetan, um Geld für „Ärzte ohne Grenzen“ zu sammeln, und wir haben diese Kampagne mit dem Namen „Kick Ebola in the butt“ (deutsche Übersetzung: „Tritt Ebola in den Hintern“) ins Leben gerufen. Die Menschen mochten sie sehr: Sie unterstützten den Zweck und sie unterstützten die Schule. Es ist erstaunlich, was es bedeutet, für etwas zu spielen und einen Sport zu nutzen, der Menschen zusammenbringt, die sonst nie miteinander verbunden gewesen wären – wenn man das für eine Sache nutzt, die größer ist als man selbst, für eine gemeinsame Sache. Die Kraft des Fußballs ist erstaunlich. Ich denke, das hat die Kraft des Fußballs verkörpert. Jetzt wollen wir diese Schule auf die nächste Stufe bringen, indem wir wirklich Fußball spielen. Für diese Kinder haben wir in einer Schule ein Fußballfeld gebaut. Das gibt ihnen eine unglaubliche Kraft, auch den Menschen in der Nachbarschaft. Es ist ein Moment, den ich nie vergessen werde: Die Kinder zu sehen, die man  beeinflusst, und die Dankbarkeit.

Vielen Dank für diese Geschichten! Nun möchte ich auf das Thema des Fußballbuchs zurückkommen. Warum hast du dich entschieden, dich an unserem Projekt zu beteiligen?

Ich glaube an Geschichten. Das Mächtigste an jedem von uns sind unsere Geschichten. Die Möglichkeit, nach Sierra Leone zurückzukehren und Zeuge der Geschichte zu werden, die dort geschrieben wurde, hat mich so dankbar für die Menschen gemacht, die mich beim Bau dieser Schule unterstützt und mich dazu ermutigt haben. Es gibt Menschen, die auf mich zählen, die ich nicht kannte, die ich noch nie zuvor auf der anderen Seite der Welt gesehen habe. Sie zählen auf mich, dass ich ihren Traum am Leben erhalte, und meinten: „Danke! Wegen deines Traums, wegen deines Traums haben wir eine Chance im Leben“. Diese Kinder zu sehen, das ist es, woran ich denke, was mich wirklich berührt und woran ich mich immer erinnere.

Wir leben in einer Welt von hochwertiger Qualität und Luxus. Ich empfehle anderen Amerikanern, und wenn ich ihnen nur einen Wunsch erfüllen könnte… In Europa reist ihr so viel. Hier in Amerika, weil das Land so groß ist, reisen viele Leute nicht so viel. Jeder sollte versuchen, andere Perspektiven zu bekommen. Wir brauchen einander als Menschen, nicht nur unsere Nachbarn.

Sierra Leone training camp ahead of Swaziland v Sierra Leone on 18 May 2014. Lobamba, Swaziland.
Michael Lahoud beim Länderspiel gegen Swasiland am 18.5.2014. Foto © www.XtraTimeSports.net / Darren McKinstry

Wann wäre das Buch in deinen Augen erfolgreich?

Es ist solch eine Ehre, Teil dieses Buches zu sein, weil wir alle Geschichten haben, wie ich schon sagte, und selbst als Fußballer, denken die Leute, dass alles einfach „perfekt“ ist. Sie sehen dich nur von Außen, und da gibt es viel mehr für Fußballer, die genauso auch Menschen sind. Wir haben Kämpfe, wir haben Momente, die unser Leben verändern. Wenn man andere Menschen zu seinen Geschichten einladen kann, dann ist das wirklich eine intime Erfahrung durch dieses Buch, und ich kann wirklich sehen, wie das Buch einiges Preis gibt. Ich freue mich wirklich darauf, zurückzublättern und Geschichten zu lesen. In ein paar Jahren werde ich zurückblicken und meine eigene Geschichte aus einer anderen Perspektive lesen. Ich denke, es ist ein besonderes Projekt, und es erinnert uns daran, menschlich zu sein. Für mich, für die Menschheit, gibt es einen Sinn für Geschichten: die Kraft der Geschichten. Das ist etwas, das wir nie verlieren. Dass Geschichten uns menschlich machen.

Vielen Dank für all die großartigen Eindrücke, Mike.

Sehr gerne.

Football book – Update no 6: From Ryan Smith to Michael Lahoud (English Version)

Dear football fans from all over the world,

As announced before, the football book has travelled from London to Texas. Michael Lahoud, former MLS player and Sierra Leonean international, has immortalized himself in it and answered my questions about the book, but above all about his life story… Read for yourself what wonderful experiences he could make through football…

Enjoy, take care and stay at home!

Lisa Blue

 

 

Interview with Michael Lahoud

 

Lisa: Hello Michael, Thank you very much for your time. It was so nice when I heard that the book went towards Texas and now we are talking with a time difference of seven hours. Football really connects people

Why did you want to take part in this project and what did Ryan tell you so that you wanted to take part in?

Michael: You know, I think what really interested me is – I am a big believer that things happen for a reason and that things are coming to your life at the right time. So, Ryan and I, we have been catching up and when he messaged me about the book, it came at the perfect time because I started reflecting back on my career. I started reflecting back on this season. And I really needed to be reminded of why I play this game. So it was just really the right time to be able to be given a blank canvas, to write something, to be a part of something, and really to give back to the game of football something that has given me so much. I want to give back so this story seems like a perfect opportunity.

What do you like most about the game? Is it about the connection of people from everywhere, is it the team feeling or what do you like?

It’s multi-fascinating, I absolutely love playing. It’s a place where you can dream in football or it’s a place where it doesn’t matter where you come from, your background doesn’t matter. Personally for me, football was the place where my background, my story, my socio-economic status doesn’t matter. In football age, race, nationality: It does not matter. We are all connected by football. And I think that I got to know there what really inspired me is anything that was given to me, anything that was taught to me, it has really started to inspire me to pass that knowledge on. I believe in young people, in young footballers. I used to be a young footballer and someone believed in me and so, whenever I get up there with young players and I see a little bit of myself in them, makes me that much more passionate about playing the game.

How hard was it? You have been a refugee when you came to the United States. Did you came on your own or with your family?

I came to the US as a refugee, I traveled by myself and I was awarded an emergency reason when I was six years old. I had no clue what was going on around me, but there is a tragic civil war going on in Sierra Leone at that time and that visa saved my life and football, really, saved my life. And when I came here, it didn’t know what was going on. I knew that I was going to come to reconnect with my family, my immediate family. But it was the best thing that probably could happen to me that I was too young to know anything. But I am very grateful for that visa, and that’s something I will never forget.

I imagine it must have been so hard because you were six years old, a little child…

Yes, it was difficult. It was hard enough when you go to somewhere new. The language is very difficult. English is spoken around the world but it’s unlike any other language. So I was learning English in school back in Africa. But what really made it difficult for me was, as a child, from Sierra Leone, we just grew up as Sierra Leonians. We never talked about what race you where, what you believe … It was really was we are just like all the same. And when I came to America… It was the first time that I felt different. And it was the first time it was hard done how different I was. So, I was so confused because I was like – God damn –  I have never experienced this before. And the easiest way to tell who you are if no one says it for you is: who you are not. So I just started noticing all the differences. That was very difficult for me.

Did you make experience with racism or how did you feel?

No, I lucked out. The first day I came to school in America, I met my best friend. Believe it or not: It was football that connected us.

That is really the power of football. It really unites the world. When I came to school, I was so afraid. A group of kids where playing football. Really, I wanted to be seen and I did not want to be seen because I hoped that no one sees me because I don’t know, I am the kid that’s different, that’s new. That is different. And of course, whenever you don’t want that you will be seen. The ball came to me, someone kicked the ball at a bounce. And the students said: ‘Hey, throw the ball.’ And I have never thrown a ball before, so I was very nervous. I did the one thing but I did not know how to do. I got the ball and I volleyed it back to them. And they have never seen that before. I volleyed it so hard and I kicked it over the roof of the building. I had the respect of everybody immediately. I was the kiddy who was new and nobody noticed. It didn’t hurt that the first person that came over to me was a most popular kid at school who said: ‘Hey, I have never seen anyone do that! You’re my new best friend.’ And he took me to his family. He was like: ‘Oh, this is my goalie, he can kick both – soccer balls, tennis balls – on the roof’. I could not believe it.

Did you get the chance to live in a family there because you were very young or was it like a refugee home?

My family was here. It was really interesting being in Sierra Leone and my family being here. I didn’t realize that I was so grateful for that. We all have family that is our blood. And we have the people become family to us. Because of that day it was like I was adopted.

He was like your brother…

Yes, really. It was really like I became part of them, it was offered this adopted family. They were so awesome to my biological family and they were so loving for me. My parents worked all the time. My mum, in particular, she’s a nurse, so it was really difficult for us trying to make sense of life here from where we came from. But my best friend, his name is Jack Wolf, I am forever grateful for what they meant to my family and I, over the years, what they made for me over the years.

Michael Lahoud played for Miami FC. Photo: Alenny Orovio
Michael Lahoud played for Miami FC. Photo: Alenny Orovio

In your story you wrote down into the football book, you wrote about the sports psychologist Dr. Cristina Fink. That she changed your life…

She was a part of my club at the time of the MLS (Major League Soccer). She was in Los Angeles. Here in Americas we do trades. It is similar to the basketball system. I am grateful that one trade allowed me to meet Dr. Cristina Fink. From the moment I met her, I knew that I need to work with her. It was never anything she said but she has this presence. I didn’t know her story or her background. She is a former Olympian, a high-jumper, from Mexico City. She is a very, very, very brilliant woman. I really knew that I wanted to get better. I wanted to be the best possible footballer I could be. I knew that I was given a talent. I knew my career could go places but I knew that talent wasn’t enough. I wanted help. There was a point where I needed help to get there and that was a very humbling experience. It was the first time in my career that I experienced not being the star. I experienced not being ‘the football player’ and that’s very humbling, if you experience it, when you get at professional sports. I think that adversity is the best thing that can happen to footballers, especially to young footballers. So, it was the right time for me to meet her and so, I was the only person in the team who was going to see her. Everyone, at that time, saying sports psychologists were not really like popular here, especially in America. But I did not really know who else was doing it but once she told me that this was a big thing throughout the rest of the world. And ‘in America, you guys are behind.’ And this aspect with sports, especially with football… That really helped me seeing that even the greatest of football stars, they needed help longer way to get there where they are. You can’t do it on your own. And so, it was just a perfect fit.

In what way did she help you at most?

Part of it was mental coaching but it never felt like coaching of any sorts. It just felt like someone who believed in me, who saw more in me that I could see. More than my talent. I think, every coach that I ever played for, saw, but could never put into words. She was the first person who could.

How old have you been when you met her the first time?

I was 26 years old. I was really haunted by this feeling of doing well is not enough. I have to kill it, I have to be the best of the best ever, I have to leave, everyone has to leave watching me with standing ovation. That’s not realistic. There is always someone who is better than you, who is better than you at something. Cristina didn’t try to take that away from me. She just gave me another perspective. She said: ‘Don’t lose that, and use another way of looking at it, use another way of motivating yourself. It’s not out there. It was always inside of you’. The most amazing things she said to me apart from playing for the love of the game was: ‘A good player doesn’t have to show that he is a good player. He just is one’. That stripped away that feeling of: ‘I need to prove, I need to prove, every day I need to prove,’ and really giving your validation to other people. Other people decide how you are doing. She said: ‘No. You know, a good footballer knows he is a good footballer. He hasn’t to tell the world, he has to know.’ In football, you have to fulfill your job.

It was those type of conversations that were so enlightening. In football, as much as to have talent, I would always think my way through. It came so naturally to me that I would – you know, in my head, I prepared the match as a young boy. At university, neither as a pro, I would get my mind ready and so to be on the work with someone who helped say: ‘Hey, here are some things that you are doing that will help you.’ And, ‘here are some ways that you can actually use to develop your mind to the next level.’ It’s really an incredible experience.

Did you have an idol like Zizou or did you just try to believe in yourself and try what you could?

Yeah, absolutely. Zinedine Zidane was never my idol, I thought he was an amazing footballer. It wasn’t just the class of what he played. He almost played of an elegance that he was so good. And he knew it. And you knew it. But it was that he knew it. And he wanted you to know it. My idol was David Beckham. He was someone who showed me that you can be more than football. For him, it was the commercial aspect of things. But he was the modern-day footballer who did really take that to another level: That you can be more than football. And this means something different for everyone else. For him, it’s the fame. He is also a family man. You can actually be a footballer but you can still be more than football.

Additionally, I would like to ask you about your social engagement. What projects do you do for social purposes?

It is something that has become a passion along with football. In 2010, I met a woman who asked me a question which changed my life. She asked me: ‘How would you like to change the world?’ And I was just started on my career and I was never expecting anyone who was asking me that if it didn’t have to do with football. I answered: ‘Oh, I change the world with football, being an amazing footballer’. But it really invited me into, you know, that the world is bigger than just me. And there is a social currency that runs deeper than just what I see. It’s bigger than just me. It captured my heart in a way that I knew. That I would change, and I would never be the same. That question she asked me, invited me in a process of self-discovery. It has expended my mind. I really wanted to use football, rather than just that means it is from my own game. To use football as a platform to benefit others. When you are a footballer and you play every weekend – yes, you play for your own passions and your own desires – but you are only a professional because the fans pay to watch you play. Without the fans you’re just – you’re an amateur. What it means to be a part of the team, play for that badge: You play for a tradition that is bigger than you. The players that make the greatest impact in the game, they embody that, they take that on, this means more to them. That message of this means more. My life, my story, my career…It means more. And I really want to use that to impact my home country, my native country of Sierra Leone. Her question invited me of finding out more. Not just about who I am, but where I come from. It helped me to recover a part of me because of Civil War and moving to America. So I like to use my platform as a footballer to make sure that this war in Sierra Leone never happens again. I want to help the children to make sure that this never happens again.

She was helping my country to build schools in my home country. She is a former Peace Corp member. I could not believe the timing. I never had a person whose timing was that impactable to enter my life and enter my eyes.

What did you do?

I started up on a journey. I really wanted to build a school in my hometown in Sierra Leone. In five years, we did this along with my Sierra Leone national team-teammates; we partnered to build a school. That’s something I will forever be proud of. Along the way to that process, awful things were happening in that country; Cholera broke out in 2014; a friend of mine from Heidelberg and I, we teamed out to raise money for ‘Doctors Without Borders,’ and we created this campaign called ‘Kick Ebola in the butt’. People really liked it: They supported the cause and they supported the school. It is amazing what playing for something and using a sport that brings people that would have otherwise never been connected together – when you use that for a cause that is bigger than yourself, for a common cause, it’s amazing, the power of football. I think that encapsulated the power of football. Now, we are looking to take that school to the next level by really incorporating playing football. For these kids, we built a football pitch at a school. It is incredible power for them, also for the people in the neighborhood. It is a moment that I will never forget seeing the kids you are impacting and the gratitude.

Thank you very much for these stories! Now, I would like to come back to the topic of the football book. Why did you decide to take part in our project?

I believe in stories. The most powerful thing about every one of us is our stories and the stories can’t say being written. Being able to go back to Sierra Leone and witness the story that was being written there, it made me so grateful for the people who supported me and encouraged me through the process in building that school. What I played for, or what might have been if I hadn’t, or stopped because there are people who are counting on me that I didn’t know, that I’ve never seen before half-way across the world; who are counting on me to keep their dream alive and to see those people saying ‘Thank you! Because of your dream, we have a chance in life.’ When I think about seeing those kids, that’s what really touches me and I always remember.

We do live in a world of excellence and luxury. If I could give just one wish to other Americans, it would be the ability to travel the world. In Europe, you guys travel so much. Here in America, because the country is so big, a lot of people do not travel so much. Everybody should try to get other perspectives. We need each other, as humans, not just our neighbors.

Sierra Leone training camp ahead of Swaziland v Sierra Leone on 18 May 2014. Lobamba, Swaziland.
Michael Lahoud at the international match against Swaziland on May 18, 2014. Photo © www.XtraTimeSports.net / Darren McKinstry

When would the book be successful in your eyes?

It feels such an honor to be a part of this book because we all have stories as I said, and even as footballers, people think that everything is just ‘perfect’. They only see you from outside and there is much more to footballers, and human beings, as well. We have struggles, we have moments that change our lives. To be able to invite other people into our stories, it’s really an intimate experience of this book and I can really see it taking it off. I am really excited to go back and read stories. Go back and read my own story with a different perspective, in a few years. I think it’s a special project and it reminds us to be human. When I say that, for me, humanity, there is a sense of stories. The power of stories. That is something that we never lose. That stories make us human.

Thanks a lot for all the great impressions, Mike.

You’re welcome.