Urs Meier: Glitzerwelt Fußball vs. Armut in Südafrika

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Urs Meier engagiert sich im Rahmen der Kindernothilfe für den guten Zweck. Hier ist er beim UNO-Spiel mit afrikanischen Kindern zu sehen. Foto: Kindernothilfe

„Meiers Engagement für die Kindernothilfe“

Herr Meier, Sie sind seit einigen Jahren als Botschafter für die Kindernothilfe aktiv. Wie ist der Kontakt entstanden, weshalb engagieren Sie sich dort und was genau machen Sie in dem Rahmen?

Ich habe lange überlegt, zu welcher Organisation ich passe: „Was passt zu mir, wo passe ich hin?“. Ich wollte mich aktiv im sozialen Bereich einbringen. Jeder hat ja so seine Fähigkeiten und Möglichkeiten. Gerade, wenn man etwas bekannter in der Öffentlichkeit ist und für Ehrlichkeit, Fairness und Aufrichtigkeit steht, sollte man sich für einen guten Zweck engagieren. Ich habe mir zahlreiche Organisationen angeschaut und gesagt „Nein. Nein“. Da war es vielleicht die Nachhaltigkeit, da war es vielleicht die „Ehrlichkeit“: Wie geht man mit demjenigen um, wie geht man mit Spendengeldern um? Es hat nie gepasst. Irgendwann kam jemand, der meinte, dass ich von den Werten her zur Kindernothilfe passen würde. Ich habe mir das ganz genau angeschaut und mit den entsprechenden Menschen gesprochen, vor allem mit dem Geschäftsführer in Deutschland. Da wusste ich: Es passt, und noch mehr: Das ist nachhaltig! Die Organisation legt viel Wert auf seriöse und ehrliche Zusammenarbeit. Die Kindernothilfe wurde zur transparentesten Organisation in Deutschland gewählt. Ich hatte den Eindruck: „Wow, das ist es. Das passt“. Und ich habe es nie bereut. Was ich jetzt mache? Einfach Projekte unterstützen, vor Ort sein. Es ist wichtig, dass ich in die Städte und Regionen fahre, in denen die Kindernothilfe tätig ist und dass ich die Glaubwürdigkeit dieser Projekte unterstreiche. Das ist auch das, was für mich von Bedeutung ist. Viele der Menschen, die einen Flyer bekommen und zur Spende aufgerufen werden, können oft nicht abschätzen: Ist das jetzt wirklich nachhaltig, wird das Geld richtig eingesetzt? Ich sage dann: „Ja, es kommt an und wird gut eingesetzt“. Viele von ihnen meinen daraufhin: „Ok, wenn Urs Meier dahintersteht und das sagt, unterstützen wir dieses Projekt“.

Sie waren schon einige Wochen vor der WM 2010 für die Kindernothilfe in Südafrika. Wie waren Ihre Eindrücke? Vor allem, als Sie die Armut gesehen haben und im Hinterkopf hatten, dass dort bald eine WM ausgetragen wird?

Vor allem diese Diskrepanz zwischen der Glitzerwelt Fußball-Weltmeisterschaft und dieser Armut hat mich nachdenklich gemacht. Diese Schnittstellen verlaufen in der Stadt, zum Teil in den Straßen, in den Zufahrtswegen. Wenn man miterlebt hat, was mit den Armen passiert ist: Sie wurden umgesiedelt. Straßenkinder wurden deportiert. Sie wurden aus Städten wie Durban und Johannesburg an die äußersten Landesgrenzen verfrachtet, damit man sich sicher war: Bis sie zurück sind, ist die Weltmeisterschaft vorbei. Solche Dinge liefen da ab. Meine Einstellung war: „Ich bin jetzt für eine Hilfsorganisation hier, die eigentlich genau diesen Menschen eine Perspektive geben will“. Da bist du hin- und hergerissen und denkst dir: Das kann ja nicht sein! Du stehst in der Öffentlichkeit, du bist im Fernsehen, du bist ein Teil dieses Systems, das hier abläuft. Und hier musst du eigentlich genau das Gegenteil vertreten. Dieser Spagat war extrem. Ich wollte im Vorfeld der Weltmeisterschaft, dass darauf aufmerksam gemacht wird, dass man diese Probleme auch sieht. Nach dem Motto: „Wir haben eine Verpflichtung. Wir gehen in dieses Land und sollten diesem eigentlich etwas bringen. Aber stattdessen nehmen wir ihm etwas“. Wenn man heute die Stadien in Südafrika sieht und weiß, dass sie nicht zu bezahlen sind und nicht genutzt werden…(schüttelt den Kopf). Man hat immer wieder dieselben Fehler gemacht und nicht daraus gelernt. Meine Aufgabe als Botschafter ist es eben auch, auf solche Begebenheiten aufmerksam zu machen.

 

„Die FIFA muss sich Gedanken machen“

Was sagen Sie zu den kommenden Weltmeisterschaften in Russland und Katar, gerade auch unter dem politischen Aspekt?

Genau das ist wieder das Problem. Man hat da auch wieder Entscheidungen getroffen, die unter dem Aspekt von Menschenrechten und sozialem Engagement schwer zu verstehen sind. Auch da sind wir natürlich mit Projekten vor Ort. Aber es ist schwierig. Hierbei denke ich an die neue Führung des Fußball-Weltverbands. Die FIFA muss sich Gedanken dazu machen: „Wie könnten wir in diesen Ländern, in die wir hineinkommen, etwas Positives hinterlassen?“. Oder das, was eben die Kindernothilfe macht: Die Nachhaltigkeit ins Auge zu fassen, das ist wichtig.

Eine Schwierigkeit ist häufig das „Helikopterhelfen“ einiger Organisationen, also alles aufzuwirbeln und wieder Retour zu gehen. Hierbei hat man zwar Publicity, die Aufmerksamkeit der Medien. Aber im Anschluss ist man weg. Wenn man das Ganze ein Jahr später betrachtet, sieht man: Zuvor ist es den Menschen dort besser gegangen. Denn nur mit Geld macht man einfach auch sehr viel kaputt. Weil man Strukturen zerstört, Strukturen innerhalb von Familien, innerhalb von Gemeinschaften und Ortschaften. Es braucht sehr viel Feingefühl bei der Arbeit vor Ort. Gute Organisationen haben das und sie arbeiten langfristig. Darum sage ich immer, dass die Kindernothilfe so gut zu mir und zu meinen Vorstellungen passt: weil man mittel- und langfristig arbeitet.

Die FIFA müsste bei der Vergabe von Weltmeisterschaften genau auf solche Gesichtspunkte achten: „Geht es den Menschen und Kommunen in den Ländern, in denen wir die Turniere ausrichten, nachher besser, oder haben sie durch unser Engagement und durch das, was dort passiert, eine Belastung?“.

Welche Projekte gefallen Ihnen am besten? Welche Hilfe wird vor Ort geleistet?

Man versucht, die feinen Strukturen innerhalb der Gesellschaft zu erkennen und die Einheimischen einzubinden. Wir Westeuropäer glauben, dass unsere Denkweise dorthin adaptiert werden muss. Aber das geht einfach nicht. Es zerstört sehr vieles. Die Menschen in Südafrika zum Beispiel haben zum Teil viel bessere Geflechte. Sie haben ein Gemeinschaftsgeflecht, das – im Gegensatz zu unseren – trägt. Unsere sind oft finanziell und materiell gesteuert. Wenn wir ihnen diese überstülpen, gehen ihre Geflechte kaputt. Das heißt, es haben zwar wenige Leute eine Hilfe dadurch und es geht ihnen dadurch vielleicht besser, aber dem Großteil geht es nicht besser, gerade in Südafrika. Sie werden dadurch von der Gemeinschaft ausgeschlossen, weil sie vielleicht ein neues Haus bekommen haben.

Es geht um das Miteinander. Man kann ihnen ein neues Haus oder einen neuen Boden geben, aber dies muss in der Gemeinschaft entstehen. Es ist von Bedeutung, dass man den Sand oder die Materialen zusammen kauft und die Gemeinschaft gemeinsam diesen Boden umgräbt: Teamwork. Diese Strukturen haben schon jahrzehntelang funktioniert und man darf sie nicht auseinanderreißen.

 

„Das Verhalten der Straßenkinder muss man erstmal verstehen“

Vieles muss man erst verstehen. Ich musste auch das Verhalten der Straßenkinder erstmal verstehen: Die Kindernothilfe gibt ihnen die Möglichkeit, in ein beheiztes Haus zu gehen, ein eigenes Bett zu haben, duschen zu können, etwas zu Essen zu haben und in die Schule gehen zu können. Sie hätten also „alles“. Man denkt, sie würden sofort dieses geschützte Leben führen wollen. Pustekuchen. Das ist nicht der Fall. Man würde diesen Menschen aus seiner Struktur herausreißen. Die Straßenkinder haben eine Struktur: Sie haben einen Anführer, sie schauen aufeinander, sie haben Hierarchien. Das heißt, dass man zuerst ihr Vertrauen gewinnen muss, um überhaupt in diese Strukturen hineinzukommen. Dies geht nur, wenn man die Strukturen auch kennt. Und das wiederum ist nur durch ehemalige Straßenkinder möglich, die zu Psychologen oder Ähnlichem ausgebildet wurden. Es ist ein langer Weg, bis man die Straßenkinder nur in einen solchen Schutzraum bringt. Wenn ein solches Kind dort ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch dort bleibt. Vielleicht geht es wieder, weil es sich dort nicht wohl fühlt oder weil ihm die Gemeinschaft auf der Straße mehr Sicherheit zu geben scheint. Dort ist sein Anführer und sagt: „Wenn du ein Problem hast, bin ich da. Aber verarsch mich nicht“. Auch da muss man den Kindern Zeit lassen, muss man viel arbeiten. Im Prinzip ist da so viel in der Seele kaputt gemacht worden und es dauert, Vertrauen zu gewinnen. Das ist ein langer Prozess. Das kannst du nur, wenn du das verstehst. Man merkt schon, dass es folgendermaßen ist: Du hast tausend Straßenkinder und vielleicht schaffen es nur zehn davon. Aber für diese zehn lohnt es sich. Für jeden Einzelnen lohnt es sich.

WM-Vorfeld-Pressereise nach Südafrika mit Urs Meier-
Urs Meier blickt nachdenklich auf die Gräber vieler Aids-Toter in Südafrika. Foto: Kindernothilfe

Was wird am Meisten getan?

Grundsätzlich ist jedes Projekt ein ganz anderes. In Indien gibt es andere Projekte als in Südafrika, in Südafrika wieder andere als in Peru oder in Bolivien. Man muss alles einzeln betrachten. Wenn ich an Südafrika denke: Dort besteht vor allem das Problem mit Aids. Die Menschen verlieren ihre Kinder, oft ihre ganzen Habseligkeiten. Oder die Kinder sind alleine, Papa und Mama sind gestorben, und eigentlich würde das Haus ihnen gehören. Die Schwierigkeit ist: Irgendein Onkel oder ein ferner Verwandter reißt sich das Haus unter den Nagel, behandelt die Kinder schlecht, sodass sie irgendwann abhauen und auf der Straße stehen. Das ist unglaublich. Die Kindernothilfe setzt sich in diesem Fall dafür ein, dass das Kind wieder zu seinem Recht kommt. Sie weist darauf hin: „Moment, dieses Haus gehört dem Kind und nicht dir“. Sie versucht, dass das Kind das Haus zurückbekommt und bei einem Verwandten unterkommt, der es gut mit ihm meint oder in einer Familie, die es aufnimmt. Das sind lange Prozesse, die hier ablaufen. Aber das Ziel ist immer dasselbe: Den Kindern ihr Eigentum wieder zurückzugeben, ihnen eine Perspektive zu geben und sie wieder in die Gemeinschaft einzubinden. Wenn man mit den Kindern, die dort wohnen, spricht und sie nach ihrem größten Wunsch fragt, antworten sie, dass sie zuhause bleiben wollen, dass sie dort heiraten möchten und dort ihre Kinder zur Welt bringen wollen. Sie möchten wirklich dort bleiben. Diese Wurzeln, dieses „in der Gemeinschaft getragen zu sein“, ist dort viel, viel, viel tiefer als bei uns. Das spüren die Menschen und darum möchten sie nicht von dort weg. Deshalb muss man versuchen, sie dort wieder zu integrieren.

 

Meiers Begeisterung am Entdecken neuer Länder

In welche Kontinente reisen Sie am liebsten?

Was mich grundsätzlich immer wieder fasziniert, ist Afrika. Afrika ist so ein Kontinent, dessen Gegenden und Menschen mich sehr beeindrucken: Diese Ursprünglichkeit, dieses Natürliche. Man merkt, dass die Menschen dort einen viel größeren Bezug zur Natur haben. Sie leben viel mehr aus dem Bauch heraus. Sie spüren das, weil sie es noch nicht verlernt haben. Die Natur selbst gefällt mir und zum Teil diese Stille, das „man selbst sein und in sich ruhen“. Auch das Asiatische fasziniert mich. Wenn ich eine Reihenfolge meiner Lieblingskontinente machen müsste, wäre Afrika auf jeden Fall auf Platz 1.

Welche Länder mögen Sie am Meisten?

Das waren eigentlich immer die, die ich noch nicht kannte. Ich möchte immer wieder etwas Neues erleben. Dieses Kennen lernen neuer Länder finde ich super. Das Problem ist ja oft: Du hast eine Vorstellung, eine Meinung, die vertreten wird – ob dies durch die Medien ist oder ob das deine Freunde sagen – aber du hast das nicht selbst erlebt. Das selbst erleben, selbst fühlen, selbst spüren und zu sagen „wow“, das ist das Spannende. Es ging mir damals mit Südafrika, Kenia und Tansania so. Nordafrika ist zum Beispiel etwas, das zwar näher an meinem Wohnort in Spanien liegt. Dennoch würde ich eher nach Zentralafrika, Ost-, West- oder Südafrika fliegen, weil ich mich dort eher aufgehoben fühle. Ich finde einfach: Die Welt ist so spannend, so vielfältig. Dieser Vielfalt möchte ich mich nicht verschließen und sagen, dass ich nur da oder da hingehe. Nach Osteuropa zu reisen fand ich während meiner Zeit als Schiedsrichter sehr spannend. Länder wie Armenien, Georgien oder auch Lettland, Estland und Albanien waren toll. Albanien war unglaublich. Das war damals im Prinzip zu. Du konntest nur als Schiedsrichter, als Sportler einreisen. Als wir das erste Mal in Albanien waren, hatten wir das Gefühl, wir seien fünfzig Jahre zurück. Wenn du nur aufs Land gefahren bist, hattest du das Gefühl, du hättest eine Zeitreise gemacht. Das war schon etwas Besonderes.

Vielen Dank, dass Sie sich so viel Zeit für das Interview genommen haben, Herr Meier.

Bitte, sehr gerne.

Sportmanagerin und Spielerberaterin Samira Samii: Eine Frau mit Fachkompetenz und der richtigen Balance zwischen Nähe und Distanz

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Samira Samii ist international als Sportmanagerin und Spielerberaterin tätig. Foto: Sportives

Internationale Spielerberatung. Samira Samii hat Ihren MBA in Sportmanagement mit Auszeichnung abgeschlossen und arbeitet heute als international renommierte Sportmanagerin und Spielerberaterin in ihrer eigenen Agentur. Auf Grund ihres familiären Hintergrunds (sie stammt aus einer Königsfamilie; Anm. von Lisa Schatz) hätte sie die Füße hochlegen können und nie arbeiten müssen. Doch das passt nicht zu ihr, das wollte sie nicht. Sie hat hart gearbeitet, wollte von Anfang an auf eigenen Beinen stehen und das Business von der Pike auf lernen. So hat sie sich nach und nach Respekt in der Welt des Profifußballs verschafft. Sie hat ihre Karriere als Marketing Managerin beim FC Ingolstadt begonnen, der damals noch in der Regionalliga Süd spielte. Heute kooperiert sie mit internationalen Stars und Top-Clubs. Zu ihren Mandanten zählen Stars wie Giovane Elber und zu ihren Gesprächspartnern gehören Weltmeister wie Zinédine Zidane und der frühere Bundestrainer Berti Vogts. Im Interview hat mir Samira Samii verraten, wie sie zum Fußball gekommen ist, mit welchen Schwierigkeiten sie in ihrem Beruf zu kämpfen hat, was sie motiviert und welche Tipps sie für diejenigen hat, die Spielerberater/-in werden möchten…

 

Frau Samii, zunächst bitte ich Sie, Ihren Beruf kurz zu beschreiben.

Es ist ein toller Job mit vielen Emotionen und Gefühlen. Egal, um welche Kultur, welches Land oder welche Gesellschaftsschicht es geht, alle feuern ihre Mannschaft an. Als Spielerberaterin und Sportmanagerin arbeitet man dort, wo Fans gerne sein würden und man hat mit vielen interessanten Menschen zu tun. Aber natürlich ist es auch sehr stressig. Ich muss viel reisen und rund um die Uhr erreichbar sein. Die Transferperioden sind im Sommer und im Winter in der Haupturlaubszeit, in diesen Monaten muss ich die ganze Zeit arbeiten und mache das gerne. Der Stress ist für mich positiver Stress. Ich liebe diesen Stress, daher liebe ich meinen Job.

 

„SpielerberaterInnen kümmern sich nicht nur um Verträge!“

Welche sind Ihre wichtigsten Aufgaben? Bitte konkretisieren Sie Ihre Ausführungen.

Es gibt viele Menschen, die denken, dass es bei der Arbeit von Spielerberater/-innen bloß um das Erstellen von Verträgen geht und darum, dass wir die Spieler nur von Verein zu Verein transferieren oder uns um Vertragsverlängerungen kümmern. Aber es ist ein vielseitigeres Aufgabengebiet: Es geht um die Abwicklung von Spielertransfers, die rechtliche Betreuung und unsere Aufgaben reichen von der PR- und Marketingberatung bis hin zum Alltagsleben meiner Mandanten. Ich betreue nicht nur aktuell aktive Profis, sondern in anderen Bereichen, zum Beispiel in Bezug auf Werbeaufträge, auch ehemalige Profis. Ich versuche immer das Bestmögliche für meine Mandanten herauszuholen. Egal, ob es um die Verträge geht oder um Marketing-, Sponsoring- und Werbe-Aufträge. Das Ganze hat nicht immer nur mit Geld zu tun, sondern auch mit dem persönlichen Glück meiner Mandanten. Das Wichtigste zwischen einem Profifußballer und uns ist eine vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit, sodass sich der Spieler immer gut aufgehoben fühlt. Ich meine, viele renommierte Unternehmen suchen bekannte Werbepartner aus dem Sportbereich. Hier suche ich stets nach der idealen Vermarktung meiner Mandanten. Nicht zu vergessen ist aber auch die persönliche Unterstützung. Wenn ein Spieler beispielsweise aus dem Ausland nach Deutschland wechselt, kümmere ich mich um seine Familie und um die Organisation des Alltagslebens, damit er sich erstmal auf seine Aufgaben und auf seine Leistungen konzentrieren kann. Zudem versuche ich, für alle meine Mandanten eine persönliche Stütze zu sein. Wenn sie private oder karrierebezogene Probleme haben, bin ich für sie da. Hans Meyer, von dem ich viel gelernt habe, hat mir einmal gesagt: „Samira, wenn ein Spieler den Kopf frei hat, kann er sich am besten konzentrieren und die beste Leistung im Training und im Spiel abrufen“, und damit hat er recht. Die von uns betreuten Spieler sollen, wenn sie abends ins Bett gehen, beruhigt mit dem Gedanken einschlafen können, dass alles außerhalb des Fußballplatzes von uns zu ihrer vollsten Zufriedenheit geregelt wird. Wir glauben, dass nur bei einer solch umfassenden Betreuung eine optimale Leistungsfähigkeit des Spielers erreicht werden kann.

Ich bin in allen Lebenslagen für meine Spieler da. Meine Spieler sollen glücklich sein, jedoch sollte die sportliche Perspektive auch stimmen. Zusammen mit meinen Scouts bin ich jedes Wochenende im Stadion, um Präsenz zu zeigen, Spieler zu beobachten und um zu schauen, welchen Bedarf die Clubs haben. Eine gute Beobachtungsgabe ist sehr wichtig, um Vereine einschätzen zu können und die Stärken sowie Schwächen der Mannschaften beurteilen zu können. Es geht darum, dass eine Karriere gut geplant ist, entwickelt wird und Vermarktungsmöglichkeiten im Bereich Sponsoring erschlossen und genutzt werden. Ebenso sollten mit guter PR das Image und die Präsenz des Spielers entwickelt werden, um mögliche Werbeverträge abzuschließen. Eine weitere Aufgabe von uns ist die Vorbereitung auf ein Leben nach der Karriere. Am Ende einer Profilaufbahn fallen Fußballspieler nicht selten in ein (finanzielles) Loch. Eine weitere wichtige Aufgabe entsteht, wenn ein Spieler beispielsweise von einem Land in ein anderes wechselt. In diesem Fall kümmere ich mich um seine Familie und um die Organisation des Alltagslebens, damit er sich erstmal auf seine Aufgaben und Leistungen konzentrieren kann. Bei einem plötzlichen und schnellen Wechsel muss z.B. innerhalb weniger Stunden ein kompletter Umzug organisiert werden. Die Telefonabmeldung, das Ausräumen der Wohnung und das Einbeziehen eines Steuerberaters sind nur einige Punkte, die umgehend abgewickelt werden müssen. Ein Spieler, der vor drei Tagen noch nicht gewusst hat, dass er morgen in einem ganz anderen Land ist, hat keine Zeit, seine Sachen zu ordnen. Wir machen hier einen Rundumservice, der 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr da ist, sodass sich der Spieler voll und ganz auf seinen Sport konzentrieren kann.

Worin liegen die größten Herausforderungen in Ihrem Beruf?

Die größte Herausforderung ist für mich, Win-Win-Lösungen zu erarbeiten. Ich möchte meine Spieler glücklich machen aber natürlich auch die Vereine! Wenn wir das schaffen, bin ich auch glücklich.

Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Seit meiner Kindheit haben wir in unserem Heimkino häufig mit meiner Familie und mit Freunden Fußballspiele, vor allem wichtige und internationale Spiele – EM, WM, Champions League – angeschaut. Danach haben wir oft diskutiert und so hatte ich schon lange ein großes Interesse an Fußball. Mein Vater ist einer der bekanntesten Augenchirurgen und es wurden immer schon viele Fußballstars in seiner Augenklinik behandelt, dadurch habe ich schon früh viele dieser Stars persönlich kennengelernt, zu welchen wir heute noch gute Kontakte haben. Das war ein weiterer Gesichtspunkt, durch den ich immer wieder etwas mit Fußball zu tun hatte. Einer der Patienten ist Ali Daei, der unter anderem beim FC Bayern München gespielt hat. Er ist eine iranische Fußball-Legende, eine Art „Franz Beckenbauer des Iran“. Für mich ist er wie ein Bruder, ich hole mir oft Rat von ihm. Viele inländische und europäische Spiele haben mich schon in der Kindheit interessiert: Diese extremen Emotionen haben mich begeistert. Die Emotionen der Fans und der Vereine, sowohl im Glück, als auch in der Trauer.

Haben Sie schon einmal selbst Fußball gespielt?

Nein, ich habe noch nie selbst Fußball gespielt. Das ist mein Nachteil gegenüber vieler meiner männlichen Kollegen, aber ich habe dafür zwei Hochschulstudien abgeschlossen (Internationaler MBA, Abschluss mit Auszeichnung, sechs Sprachen fließend; Anm. von Lisa Schatz) und das ist mein Vorteil. Außerdem gehört mir die Aufmerksamkeit, wenn ich mit 14 Zentimeter-High-Heels auf dem Fußballplatz oder auf Veranstaltungen einen Ball zurückspiele (lacht).

Was gefällt Ihnen am Fußballsport an sich?

Die Emotionen der Spieler, der Trainer, der Verantwortlichen und natürlich auch die der Fans. Für mich sind sie sehr wichtig. Sie sind unabhängig von Bildung, vom gesellschaftlichen Status und von Geld. Ich mag diese Momente, in denen man die Freude mit dem eigenen Club, der Mannschaft teilt. Egal, welche Bildung man hat, egal, welche Gesellschaft um einen herum ist, egal, wie viel Geld man auf dem Konto hat. In diesem Moment sind alle Menschen auf der gleichen Ebene und es zählt nur die eigene Mannschaft. Das gefällt mir am Fußball.

 

Die Entstehung der Idee, Spielerberaterin zu werden

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Spielerberaterin zu werden?

Durch mein Sportmanagement-Studium. Meinen ersten Job hatte ich als Marketingmanagerin beim FC Ingolstadt 04. Und wie der konkrete Einfall kam? Das war während der WM 2006, beim Spiel Deutschland gegen Italien. Das habe ich auf Premiere gesehen und gemeint: „Das gibt’s gar nicht. Es gibt keine einzige Frau in dieser Branche“. Heute sieht man, wie viele Frauen als Moderatorinnen bei Sky arbeiten. Man sieht, wie viele Frauen als Zuschauerinnen in den Stadion sind. Natürlich hat es mich als Frau gereizt und ich habe gesagt: „Ich will dabei sein, ich werde in den Fußball mit einsteigen. Frauen können das gleiche, was die Männer können“. Das war meine Idee. Damals hat man keine einzige Frau in diesem Berufsfeld gesehen.

Welche Eigenschaften sollte man als SpielerberaterIn mitbringen?

Man braucht natürlich ein gutes Know-how. Ein fundiertes Fachwissen und gute Kontakte sind sehr wichtig. Zudem sollte man eine gute Netzwerkerin sein und seine Kontakte regelmäßig pflegen. Natürlich sollte man diszipliniert sein. Ich verstehe überhaupt keinen Spaß im Job. Man sollte direkt sein, transparent arbeiten und in gewisser Weise auch Künstler sein. Es ist eine Kunst, die richtige Balance zwischen den Geschäftspartnern und Mandanten sowie zwischen Nähe und Distanz zu finden. In Verhandlungen bin ich sehr hartnäckig und selbstbewusst. Ich denke, dass es sehr bedeutend ist, dass man ein bestimmtes Selbstbewusstsein beim eigenen Auftreten hat. Meiner Meinung nach bin ich in Verhandlungen wirklich äußerst hart, härter als männliche Kollegen. Der gegenseitige Respekt gegenüber Geschäftspartnern und Mandanten ist mir sehr, sehr wichtig.

Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrem Beruf?

Ich arbeite mit vielen interessanten Menschen zusammen, das gefällt mir. Jeder Mandant ist individuell und möchte auch individuell beraten werden. Ich finde, dass mein Job sehr international ist und auch deshalb macht er mir viel Spaß. Ich arbeite mit zahlreichen unterschiedlichen Kulturen zusammen. Darum wird es nie langweilig. Über Fußball kann man sich mit jedem unterhalten – selbst, wenn man die Sprache des anderen nicht versteht. Über Fußball kann man sich immer austauschen. Es ist nur ein Ball mit 32 Flecken, aber trotzdem kann man pausenlos darüber sprechen. Ganz besonders viel Freude macht mir die Zusammenarbeit mit jungen Spielern. Sie sind für mich wie eine Familie und es ist toll zu sehen, wie sie für ihren Traum alles geben.

Welches war Ihr bislang tollstes Erlebnis in Ihrer Zeit als Spielerberaterin?

Jeder Aufstieg und Titel eines Vereins, in welchem Mandanten aktiv waren, war ein super Erlebnis für mich. Unabhängig vom Land und von der Liga. Der Höhepunkt aller Erlebnisse in meiner Beratungszeit war für mich die Weltmeisterschaft 2014. Ich hatte das große Glück live dabei zu sein, als Deutschland in Rio Weltmeister wurde. Dies war ein historischer Sieg, als erste europäische Mannschaft in Südamerika.

 

„Als Frau muss man sich den Respekt hart erarbeiten“

Welchen Schwierigkeiten und Problemen begegnen Sie am meisten in Ihrem Beruf?

Ich meine, dass es in jedem Beruf und in jeder Branche Schwierigkeiten gibt. Wie auch im normalen Leben. Ich denke, ohne Probleme wäre es vielleicht auch ein bisschen langweilig. Natürlich muss man sich als Frau in einer Männerdomäne ständig beweisen und darf sich als solche keine Fehler erlauben. Ab und zu kommt es auch vor, dass man angemacht wird. Ich kann mich an den Anfang meiner Karriere erinnern, als ich überhaupt nicht ernst genommen wurde. Ich bin kein Mensch, der mit Turnschuhen und Jogginghose herumläuft. Ich mag es, mich elegant zu kleiden und bin auch so erzogen worden. Meiner Meinung nach gehören ein gepflegtes, klassisches Outfit und ein selbstbewusstes Auftreten zu einer Business-Lady. Heute begegnen mir meine Geschäftspartner auf Augenhöhe und respektieren meine Leistungen. Natürlich gibt es auch heute noch Macho-Sprüche, aber ich habe gelernt diese zu ignorieren. Was wichtig ist als Frau: Man muss sich seinen Respekt mit Ausdauer und Fachkompetenz hart erarbeiten.

Wo grenzt sich Ihr Job nochmal speziell von SportpsychologInnen und SportmentorInnen ab?

Wir unterscheiden uns sehr von ihnen. Ich finde, eine Psychologin oder eine Mentorin arbeitet rein mental, wenn ich das mit uns vergleiche. Ich berate meine Mandanten, verhandle Verträge, entwickle Karrieren und unterstütze Spieler mental, wenn ich glaube, sie hierbei unterstützen zu können. Wie ich vorher gesagt habe, ist diese Nähe und Distanz wichtig.

 

Zu den Problemen der Nachwuchsspieler

Sie betreuen unter anderem Nachwuchsprofis. Werden diese Ihres Erachtens ganzheitlich von den Vereinen unterstützt oder denken Sie, dass es da noch Besserungsbedarf gibt – z. B. in dem Bereich, dass sie nochmal zusätzlich SportpsychologInnen oder SportmentorInnen als Ansprechpersonen haben? Es gibt ja inzwischen eine Studie, dass Fußballer öfter psychische Probleme haben als die durchschnittliche Bevölkerung.

Ich finde, dass die Vereine der deutschen Bundesliga sehr professionelle Nachwuchsarbeit leisten. In Clubs wie Leverkusen, Bayern, Dortmund, Schalke und einigen anderen Vereinen wird hochprofessionell gearbeitet. Das Ziel dieser Nachwuchsleistungszentren ist eine ganzheitliche Betreuung. Sie haben qualifizierte Sportpsychologen und Mentaltrainer in ihren Reihen. Die jungen Spieler haben im Wesentlichen zwei Aufgaben: Sie sollen trainieren und in die Schule gehen, um Leistung zu bringen. Sicherlich kann diese Doppelbelastung manchmal zu groß werden, sodass die Jugendlichen einen Ausgleich benötigen und mental betreut werden müssen. Dadurch werden sie natürlich auch auf den hohen Druck im professionellen Bereich vorbereitet. Nachdem, was ich erlebt habe, werden die Nachwuchsspieler in den Nachwuchsleistungszentren gut betreut.

Wo sehen Sie die größten Probleme, die Nachwuchsprofis haben? Würden Sie sagen, dass es wirklich der Stress und der Druck ist? Oder ist es eher der Aspekt, Schule und Fußball gut unter einen Hut zu bekommen?

Die Erwartungen an die jungen Spieler sind unendlich hoch. Der Druck kommt von den Eltern, den Trainern und den Spielern selbst. Man erwartet immer, dass ein U19-Spieler sofort im Profibereich in der Bundesliga Fuß fassen kann. Manchmal denke ich, dass es gut wäre, diese Talente zunächst über eine U21-Mannschaft oder U23-Mannschaft aufzubauen und erst dann in den Kader des Profibereichs zu integrieren.

 

Samira Samii über ihre Ziele und darüber, was Glück für sie bedeutet

Nun zu Ihrer Person. Welche Ziele haben Sie beruflich und privat?

Jeder Mensch hat Ziele und ohne Ziele würde jegliche Motivation fehlen. „Wer sein Leben nicht plant, der plant zu scheitern“, lautet ein altes Sprichwort. In meinem Leben habe ich immer Ziele gehabt, versuche diese zu erreichen und habe sie nie aus den Augen verloren. Ich bin stolz auf das, was ich bisher geschafft habe. Ich bin kein Mensch, der aufgibt, bin sehr positiv eingestellt und versuche, immer meine Wege zu gehen. Noch sehe ich mich nicht am Ende meiner Karriere. Vielleicht schaffe ich es eines Tages als erste Frau, einen Profiverein zu managen. Das ist ein Ziel von mir. Persönlich bin ich ganz glücklich, ich bin genau dort, wo ich sein will. Privat bin ich glücklich und zufrieden und ich hoffe, dass das auch so bleibt.

Was bedeutet Glück für Sie?

Glück ist für mich in erster Linie Gesundheit. Glück ist für mich Familie, Zufriedenheit und Liebe. Meiner Meinung nach ist Glück auch völlig unabhängig von wirtschaftlichem Erfolg und Geld. Für mich bedeutet Glück auch, anderen Menschen helfen zu können. Ich denke da an meine Mandanten, aber auch ganz besonders an meine Charity-Projekte für Kinder. Schon Albert Schweitzer hat gesagt: „Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Meine Familie ist für mich das Wichtigste. Sie ist immer für mich da, sie gibt mir immer Halt und unterstützt mich, egal wann, wie und wo. Deshalb ist sie für mich das Wichtigste, das es gibt.

 

Empfehlungen an zukünftige SpielerberaterInnen

Welche Tipps haben Sie für Frauen und Männer, die Spielerberaterin bzw. Spielerberater werden möchten?

Wichtig für diesen Beruf ist ein gutes Fachwissen und, wie in jeder Branche, das Lernen von der Pike auf. Das gilt ganz speziell für Frauen in unserem Beruf, in welchem man immer um den Respekt kämpfen muss. Als SpielerberaterIn sollte man gut im Netzwerken sein, eine gute Menschenkenntnis besitzen und immer seriös auftreten und arbeiten. Denn in jedem Beruf gibt es schwarze Schafe. Man sollte transparent arbeiten und direkt kommunizieren. Ich lege viel Wert auf direkte Kommunikation. Zudem ist – wie schon erwähnt – die richtige Balance von Nähe und Distanz sehr, sehr wichtig. Die Nähe zwischen Spieler und Manager/-in ist wichtig für eine gute, offene Kommunikation und um bei Problemen helfen zu können sowie den Spieler ideal beraten zu können. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass die geschäftliche Distanz zwischen Spielerberater/-in und Mandant gewahrt bleibt und respektvoll miteinander umgegangen wird. Für diesen Balanceakt ist ein gutes Fingerspitzengefühl sehr hilfreich. Auf keinen Fall sollte man nur das Geld vor Augen haben, sondern die Priorität auf die Karriere und den Erfolg der Mandanten legen. Der Schlüssel zum Erfolg in diesem Beruf, und vielleicht auch in vielen anderen, ist: „Liebe deinen Job, arbeite mit Leidenschaft und Hingabe und denke immer zuerst an das Glück und den Erfolg deiner Mandanten“.

Mit welchen bekannten Spielern und Trainern arbeiten Sie zusammen?

Mein Team und ich arbeiten mit vielen nationalen und internationalen Profis zusammen, welche wir während und nach ihren Karrieren betreuen. Die Liste reicht dabei von jungen, hoffnungsvollen Talenten über aktuelle Bundesliga-Stars bis hin zu Weltmeistern, welche wir nach ihren Karrieren im Bereich Marketing und PR betreuen. Meine Einstellung ist, dass ich mich nicht mit den Namen meiner Mandanten schmücken möchte.

 

Reaktionen anderer Menschen und „eine schöne Geschichte aus dem Leben einer Sportmanagerin“

Wie hat Ihr Umfeld aus der High Society reagiert, als Sie begonnen haben, als Tochter einer Adelsfamilie als Sportmanagerin in der Fußballwelt zu arbeiten?

Natürlich hat jeder geschaut, als ich in den Fußballbereich eingestiegen bin und gefragt: „Was macht sie im Fußball? Warum geht sie in diese Branche?“ Ich kann nicht beeinflussen, was andere über mich sagen und denken, aber ich kann entscheiden, ob es mich interessiert oder nicht. Ich gehe meinen Weg und ich glaube an mich. Es war mein Ziel, diesen Weg zu gehen. Nur Du selbst kannst Dir eine Vorstellung davon machen, wo Du hin willst und wie der Weg dorthin aussehen könnte. Ebenfalls hatte ich das Glück, dass meine Eltern immer hinter mir standen und mich voll unterstützt haben. „I am tough, ambitious and I know exactly what I want and this makes me a successful Sport Manager!“.

Gibt es noch etwas, das Sie den LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?

Wie gesagt gibt es viele berühmte Persönlichkeiten im Fußball, mit denen ich zusammenarbeite. Dazu möchte ich eine nette Geschichte erzählen, an die ich mich gerne erinnere. Ich hatte einen Fernsehauftritt und saß danach mit einem meiner Mandanten und anderen Herrschaften aus dem Profifußball zusammen. Einer davon war anfangs skeptisch, hat mich von oben bis unten gescannt und schob mich wahrscheinlich in die Schublade „Lady aus der Modebranche“. Das konnte ich genau an seinem überraschten Gesichtsausdruck erkennen. Später saßen wir alle in einer Lounge und haben uns ein Spiel angeschaut. Ich sagte plötzlich: „Ich verstehe nicht, warum der Trainer heute nicht im 4-2-3-1-System spielen lässt“. Daraufhin haben alle Anwesenden überrascht zu mir geschaut und mussten mir zustimmen. Eine Woche später erhielt ich eine E-Mail mit folgendem Inhalt von ihm: „Liebe Samira, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Ich habe viel über Sie, Ihren Job und Ihre Familie gehört. Wow, was Sie im Fußball aufgebaut haben und das als Frau!“. Er war und ist eine sehr bekannte Persönlichkeit und noch immer im Fußball aktiv. Mittlerweile arbeiten wir zusammen. Aber wenn ich zurückdenke, dann passte seine anfängliche Bemerkung genau in dieses Macho-Klischee, obwohl er gar nicht der Typ dafür ist. Wenn man sich dann unterhält und wenn ich seinen Lebenslauf anschaue, denke ich mir: „Es ist unglaublich und es macht mich ein wenig stolz, dass diese Person sich bei mir entschuldigt hat“. Viele Menschen, die mit bekannten Persönlichkeiten im Fußball zusammensitzen, denken vielleicht: „Oh Gott, darf ich überhaupt meine Meinung sagen?“. Aber ich habe meine Meinung gesagt und das war richtig so. Ich empfehle allen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten, denn dies bedeutet zu führen und führen zu können. Nur Menschen, die eine eigene Meinung entwickeln, sind Führungspersönlichkeiten und verkörpern Stärke.

Vielen Dank, dass Sie sich so viel Zeit für das Interview genommen haben, Frau Samii.

Bitte, sehr gerne.