Rouven Sattelmaier: „Ich würde wieder nach England gehen“

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Rouven Sattelmaier nahm sich nach dem Training Zeit für ein Interview. Foto: Lisa Schatz

Bradford. Meinen diesmaligen Gesprächspartner, Rouven Sattelmaier, und mich verbindet eine kleine Geschichte. Von 2007 bis 2010 spielte Rouven für den SSV Jahn, von dem ich zu dieser Zeit selbst Fan war. Danach zog es ihn in die große Fußballwelt: Zum FC Bayern München. Es folgten die Stationen 1. FC Heidenheim und Stuttgarter Kickers. Inzwischen spielt er im englischen Bradford. Als ich meinen Englandurlaub plante, kam mir der Einfall, bei seinem Training vorbeizuschauen und ihn zu interviewen. Trotz meines 2008 im Fanschießen gegen ihn verwandelten Elfmeters erklärte er sich dazu bereit und erzählte mir von seinen Eindrücken des englischen Fußballs…

Rouven, wie hast du dich in Bradford eingelebt?

Im Verein ganz gut. Es gibt definitiv einen großen Unterschied zu Deutschland. Von der Lebensqualität und von der Lebensart her zwar kaum. Aber das Wetter! Was fehlt, ist die Sonne. Es ist oft grau hier. Der Winter war extrem mild, wir mussten nur dreimal auf Kunstrasen trainieren. Ansonsten hatten wir immer sechs, sieben, acht Grad.

Wie schnell wurdest du von der Mannschaft selbst integriert?

Das ging fix. Es ist auch wieder eine andere Art. In Deutschland geht man oft essen bei den kleineren Vereinen. Hier frühstücken wir gemeinsam: Toast, Cereals und Eier können wir uns selbst machen. Also nix besonderes. Dann haben wir Training und Mittag gegessen wird auch mit dem Team, das ist Pflicht. Da hat man dann schon Kontakt.

Wie gefällt dir die Stadt von der Kultur her, bekommst du da überhaupt etwas mit?

Von Bradford selbst wenig. Kein Spieler von uns wohnt in Bradford. Das ist eine ganz andere Mentalität als in Deutschland. Dort ziehen meist alle in den Ort, in dessen Verein sie spielen. Hier ist es aber so, dass so viele Vereine innerhalb einer Stunde Fahrtzeit erreichbar sind, sodass alle Spieler ihr eigenes Haus haben. Die meisten fahren rund eine Stunde zum Training. Drei Spieler von uns wohnen in Leeds: Tim (Timothée Dieng; Anm. von LS), Mark (Marshall; Anm. von LS) und ich. Alle anderen kommen aus Manchester, aus dem Norden. Sie denken: „Nee, ich habe ein eigenes Haus. Ich brauche hier keine Wohnung“. Sie sagen, dass es eben zwanzig Vereine innerhalb einer Stunde zur Auswahl gebe, weil die Städte so nah zusammen seien. In Deutschland kann man froh sein, wenn man mal vier Vereine innerhalb einer Stunde erreicht. Im Westen geht’s. Da hat man vier, fünf Clubs.

Was war für dich die größte Umstellung, als du nach England gekommen bist?

Definitiv die Sprache. Die habe ich komplett unterschätzt, gerade mit dem Akzent. Das habe ich mir viel einfacher vorgestellt. Ich dachte: „Ja, Englisch, kein Problem. Die basics habe ich in der Schule gelernt, danach auch noch und ich habe die Sprache immer wieder im Urlaub angewandt“. Aber wenn man hier ist, hat das mit dem gelernten Englisch gar nichts mehr zu tun. Die Menschen haben einen so krassen Akzent und sie reden deutlich schneller. Es ist wirklich gar kein Oxford-Englisch, wie man es kennt. In den Staaten ist es einfacher, die Menschen zu verstehen.

Was gefällt dir hier gut, was eher nicht?

Die Stadt Leeds ist schon schön. In Manchester war ich auch schon, in Liverpool nur zu den Spielen. Aber Leeds ist wirklich extrem busy. Dort leben knapp 60.000 Studierende. Da ist immer was los. Stellenweise ist die Stadt zu voll, aber zum Leben ist es dort echt super, wenn man so eine Stadt mag. Was nervt, ist der Stau. Ab zwei Uhr ist alles dicht. Wenn wir länger oder zweimal am Tag trainieren und ich danach heimfahre, brauche ich fast eine Stunde. Es ist echt besser, mit dem Zug zu fahren, da ist man gleich in der Innenstadt von Leeds (22 Minuten; Anm. von LS). Das ist aber nur nach dem Training so. Die Hinfahrt morgens ist super, da brauche ich zwanzig Minuten.

„Im vergangenen Jahr habe ich gelernt, wie dreckig der Fußball sein kann“

Wenn man sich deine Laufbahn anschaut: Du bist von Regensburg zum FC Bayern München gewechselt, von dort aus nach Heidenheim und zu den Stuttgarter Kickers. Im Anschluss ging’s nach England. Wie hast du dich an den einzelnen Stationen charakterlich weiterentwickelt?

Ich glaube, man nimmt von überall etwas mit: Von den Trainern, von vielen Mitspielern. Oder auch, was in der nahen Vergangenheit passiert ist: Ich glaube, dass das vergangenen Jahr für mich von extremen Höhen und Tiefen geprägt war. Also, was da abging! Da habe ich nochmal sehr viel gelernt im Fußball. Vor allem auch nochmal, wie dreckig das Geschäft sein kann. Das natürlich auch. Das war echt vogelwild. So wie meine letzte Saison in Deutschland lief – das hört sich jetzt vielleicht hart an – aber es war vielleicht gerecht, dass wir mit den Stuttgarter Kickers abgestiegen sind, auch wenn es nur wegen eines Tors war und wir eigentlich eine super Rückrunde gespielt haben und sich die Mannschaft den Klassenerhalt verdient gehabt hätte. Aber wenn man’s im Nachhinein betrachtet, sollte es einfach nicht sein. Wenn man so absteigt, also mit einem Tor, ist das schon bitter. Und das wirklich in der letzten Sekunde. Und wenn man dann sieht, wie viele klare Torchancen wir das ganze Jahr über hatten und die nicht genutzt haben! Wenn man überlegt: Nur ein Tor in 34 Spielen, ist das eigentlich Wahnsinn. Aber: Das ist Fußball.

„Ich würde definitiv wieder ins Ausland gehen“

Würdest du jedem Spieler raten – wenn er die Chance hat – ins Ausland zu gehen?

Eine ganz schwierige Frage. Viele haben mir geschrieben: „Oh, super, cooler Wechsel, würde ich sofort machen“. Manche haben mir mitgeteilt: „Junge, was ist mit dir los? Wie kannst du das machen?“. Es war komplett unterschiedlich. Man muss der Typ dafür sein. Ich war sofort derjenige, der wusste, ich mache das, weil ich das schon immer irgendwie wollte. Ich weiß nicht warum, aber ich wollte schon immer in England Fußball spielen. Weil es eben doch irgendwie magnetisiert. Ich würde es definitiv wieder machen.

Worin sich der englische Fußball vom deutschen unterscheidet…

Was hast du in Bradford nochmal mitbekommen, inwiefern sich der Fußball hier vom deutschen Fußball unterscheidet? Vielleicht auch dahingehend, was du an der Anfield Road mitbekommen hast?

Die Premier League kann man mit der League One gar nicht vergleichen, aber ich glaube, dass die Championship auch nochmal ein riesen Unterschied zu den beiden ist. Wir spielen einen sehr einfachen Fußball in Bradford, wenn das ein deutscher Fußballfan anschauen würde. Wir versuchen das Spiel – wie im deutschen Fußball – auf Ballbesitz zu halten und wir dominieren ihn mit einfachen Mitteln. Die anderen Mannschaften – es ist wirklich kick and rush – haben super Plätze, da wären die deutschen Vereine neidisch. Aber es wird halt trotzdem nur Langholz gespielt. Selbst, wenn der Innenverteidiger frei ist, interessiert das keinen. Der Torwart haut das Ding vor, am besten soweit es geht, am besten noch in die gegnerische Box. Und wenn der gegnerische Torwart den Ball abfängt, applaudiert der Trainer noch und sagt: „Super langer Ball“. Da würde sich ja jeder Trainer in Deutschland an den Kopf fassen und sagen: „Junge, wenn du das noch zweimal machst, dann nehm ich dich raus, weil wir sonst jeden Ball verlieren“. Aber das ist eine andere Mentalität. Bei den anderen Mannschaften ist auch viel auf die Körpergröße ausgelegt. Bei uns weniger, weil wir versuchen zu spielen. Aber uns fehlt der Killerinstinkt. Also, wir haben zwar viel im Ballbesitz dominiert. Wir hatten gar kein Spiel, in welchem wir keine Chance gehabt hätten. Aber uns fehlt es einfach, den Ballbesitz, den wir mehr haben, in Tore umzusetzen. Das war das ganze Jahr über unser Problem und das sind auch die Punkte, die uns fehlen.

Inwieweit oder hat sich überhaupt dein Blickwinkel auf den Fußball verändert, seitdem du in England bist? Hier ist der Fußball ja eher „Religion“…

Er ist hier schon anders. Es ist schwer zu erklären. Ich glaube, man muss einfach mal eine Zeit lang in England sein und sich die Spiele angucken, um das zu verstehen. Das ist etwas ganz anderes. Auch von den Fans her. Im Vergleich zu Deutschland ist die Stimmung in den Stadien hier schlechter. Bei einem 0:0 oder in einem Spiel, bei dem es wenig Chancen gibt, ist die Atmosphäre hier furchtbar. Das erste Spiel, das ich mir in Liverpool angeschaut habe, war Liverpool egen ManU. Das war grauenhaft. Erstens war es ein schlechtes Spiel, was ja mal vorkommen kann, aber auch von den Fans her… Hier fehlen die Ultras. Aber wenn ein Spiel gut läuft und es auf einer Seite sehr viele Chancen gibt, wie beim 4:1 von Liverpool gegen Stoke, dann gehen alle 60.000 im Stadion mit. Bei uns sind’s halt dann 18.000 Zuschauer, die mitjubeln. In Bradford gibt es einige ultraorientierte Fans, aber das ist kein Vergleich zu Deutschland. Sie versuchen zwar durchwegs Stimmung zu machen, aber es ist wirklich extrem abhängig vom Spielgeschehen, wie sie reagieren oder wie sie drauf sind. Sie kommen sehr kurzfristig vorm Spiel ins Stadion, am besten fünf Minuten davor. Wenn der Schiedsrichter abpfeift, ist das halbe Stadion oder mehr bereits leer. Das ist einfach eine komplett andere Mentalität. Auch bei den Spielern. Wir gehen nur ganz selten nach den Partien zu den Fans. Also nicht so, wie man das in Deutschland kennt: Wenn man gewinnt, läuft man zu den Vereinsanhängern.

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Rouven Sattelmaier unterhielt sich am Ende der Saison 2008/2009 mit einem Jahnfan. Foto: Lisa Schatz

Findest du das in Deutschland besser?

Das kommt natürlich darauf an: Wenn man gewinnt, macht man das gerne. Wenn man verliert, weniger (lacht). Ich bin der Meinung: Einerseits gehört’s dazu, aber die Engländer kennen’s halt einfach nicht. Die Fans fordern das somit gar nicht. In Deutschland wird’s ja erwartet: „Bedankt euch mal bei den Fans, die bezahlen hier Eintrittsgelder!“. Hier in England sind die Fans ja sofort weg. Da geht man zum Auslaufen und mindestens das halbe Stadion ist leer.

 

46 Spiele plus 3 Cups

Wie findest du das Training hier?

Es ist auch anders. Wir trainieren deutlich weniger, weil wir etliche Spiele übers Jahr verteilt haben. Es gab eine Zeit, da hatten wir sechs englische Wochen am Stück. Da kann man gar nicht trainieren. Man kann die Mannschaft im Endeffekt gar nicht mehr stark verändern oder umstellen oder irgendetwas Taktisches einüben, weil es schlichtweg nicht möglich ist. Weil man gar nicht die Zeit dafür hat. Dann ist es wirklich nur noch trainieren, regenerieren und dann ist man schon wieder unterwegs. Ich glaube das ist ein riesengroßer Unterschied zu Deutschland. Es gibt ja auch keine Winterpause. Für mich war das interessant. Meine Teamkameraden kennen es gar nicht anders, die sind es gewohnt. Ich bin bislang nicht in meiner Heimat gewesen, es gab zeitlich keine Möglichkeit, weil wir nicht frei hatten. Wir haben jedes Wochenende gespielt, plus die englischen Wochen. In der Liga hatten wir 46 Spiele plus drei Cups. Das war Wahnsinn. Wir haben teils freitags oder samstags und am je darauf folgenden Montag gespielt. So etwas würde es in Deutschland nicht geben.

Nun zum Leben an sich in Leeds. Wie lief die Phase des Einlebens?

Wie gesagt: Ich habe über den Club schnell Leute kennen gelernt. Da hat man es in der Branche schon einfacher, als wenn man im Büro sitzen würde. Bradford ist schon eine reine Arbeiterstadt. Nach dem, was ich gehört habe, war es vor einigen Jahren sehr schwierig in der Stadt. Ihr und dem Verein ging’s gar nicht gut. Jetzt ist es besser, alles befindet sich gerade im Aufbruch. Bradford verändert sich, es wird investiert und der Verein entwickelt sich auch weiter. Das sieht man jetzt an den schon mehr als 17.000 verkauften Dauerkarten für die kommende Saison.

Leeds ist eine super Stadt. Man hat alles: Etliche Restaurants und Bars. Die Mentalität der Menschen ist ein bisschen anders. Sie gehen mehr nach draußen. Was ganz extrem ist und was mir jeder gesagt hat: Anfang des Monats ist die Stadt immer rappelvoll, weil alle ausgehen, sobald sie Geld bekommen. Da gehen sie alle essen. Zum Ende des Monats merkt man: „Oh, jetzt wird’s knapp“ und es ist nicht mehr so viel los. Wenn man um 17 Uhr durch die Stadt läuft, ist es in den Pubs irre voll. Wenn man in meiner deutschen Heimatstadt durch die Innenstadt geht, sind vielleicht sechs, sieben Pubs in einer Straße. In Leeds sind alle nebeneinander und diese sind alle voller Leute. Ja, so eine Ausgehmentalität ist schon vorhanden.

„Im Fußball gewöhnt man sich an alles sehr schnell“

Wie war die Umstellung für dich? Du kamst vom FC Bayern nach Heidenheim und nach Stuttgart. Jetzt bist du bei einem kleinen englischen Verein. Wie schnell konntest du dich anpassen?

Die Umstellung von Regensburg zum FC Bayern war wirklich extrem, weil ich damals wirklich in das Business reingekommen bin. Da ist der Fußball dann echt nur noch Business. Da zähle nur noch ich selbst. Fertig, aus. Das war – ganz ehrlich – am Anfang auch mein Problem, weil ich das aus Regensburg nicht gewohnt war. Dort waren wir eine Mannschaft, haben uns gegenseitig geholfen, ob privat oder beruflich. Dann kam ich zum FC Bayern und dort zählte nur ich. Einzelkämpfer. Aber im Fußball gewöhnt man sich an alles schnell. Man gewöhnt sich daran, dass man jede Woche vor 3.000 Menschen trainiert. Das geht extrem schnell. Genauso schnell habe ich mich jetzt hier an England und die Art hier gewöhnt. Ich meine, das liegt an mir selbst, wie ich bin. Andere haben da vielleicht größere Probleme, aber ich hatte da jetzt nie ein Problem damit: Mich zu motivieren – beim Wechsel vom FC Bayern nach Heidenheim zum Beispiel. Eigentlich gar nicht. Heidenheim war wieder eine neue Herausforderung, weil wir aufsteigen mussten. Das ist immer wieder etwas anderes.

Wie hast du die Zeit in Heidenheim erlebt und was hast du daraus mitgenommen?

Der 1. FC Heidenheim ist ein top geführter Verein, wenn nicht einer der am besten geführten Vereine in ganz Deutschland. Ich bin auch felsenfest davon überzeugt, dass der Verein immer weiter erfolgreich sein wird und immer seinen Weg gehen wird, weil dort einfach jeder Hand in Hand arbeitet. Dort gibt’s niemanden, der aus der Reihe tanzt oder sowas in der Art, sondern da wird immer alles dem Erfolg untergeordnet. Das ist extrem und ich glaube, dass es das selten gibt, dass wirklich jeder Einzelne im Verein alles für diesen gibt. Da gibt’s eine ganz klare Hierarchie, die niemand bricht. Wenn sie jemand brechen würde, wäre das Thema für denjenigen erledigt, dann wäre er gleich raus. Und deswegen funktioniert das da auch. Es ist ein wirklich kleiner Verein und eine kleine Stadt, aber was die Menschen da auf die Beine stellen, das zollt absolut hohen Respekt. Das sage ich ganz ehrlich. Für mich war’s definitiv eine tolle Zeit dort.

Warum Sportpsychologen Rouven eher verwirrten…

Jetzt möchte ich auf das Thema Mentaltraining zu sprechen kommen. Wie sind dahingehend deine Erfahrungen, wie war das hier und auch bei deinen früheren Vereinen? In welchen Clubs hast du mit Sportpsychologen zusammengearbeitet?

Beim FC Bayern hatten wir damals den Philipp Laux. Aber er hat mich als jungen Spieler, wenn er mich angesprochen hat, ein bisschen verwirrt. Ich dachte halt: „Jetzt macht er einen auf Psycho“. Wenn das jetzt der Fall wäre, würde ich ganz anders darüber denken. Dann wäre ich viel relaxter und würde einfach mal über meine aktuelle Situation reden, fertig, aus. Aber damals fragte ich mich: „Stimmt jetzt irgendetwas nicht mit mir oder was passt jetzt nicht?“. In dem Moment hat es mich echt verwirrt. Ich bin aus dem Gespräch herausgekommen und habe mir Gedanken gemacht. Aber je älter man wird (lacht)… Ich glaube, je früher man mit der Thematik in Kontakt kommt, umso mehr ist man daran gewöhnt. Für mich war das damals das allererste Mal. Ich hatte noch nie zuvor mit einem Psychologen Kontakt.

Ich würde das jetzt nicht nur auf Psychologen reduzieren. Wenn du an Elfmeter denkst: Die kannst du ja nicht richtig gut trainieren, aber man kann ja mit Mentaltraining arbeiten…

Ich find’s sehr schwer, einen Spieler dahingehend zu ändern. Vielleicht gibt’s da einen Trick, aber da kenn ich mich wirklich zu wenig aus…

Ich habe mal gelesen, wie das funktioniert mit dem Mentaltraining. Es heißt, wenn man die Augen schließt und an eine saure Zitrone denkt, hat man den Geschmack im Mund. Probier’s mal aus (Rouven schließt kurz die Augen und verzieht das Gesicht; Anm. von LS). Und, schmeckst du’s, dass es sauer ist?

Ja, so leicht (lacht). Aber gut, das machen ja viele. Oder allgemein viele Spieler sprechen davon, dass sie visualisieren. Was wir oft hatten: Also, ich hatte die und die Spielszene schon mal im Kopf. Das gibt’s natürlich schon. Aber wenn man es dann erzwingt, weiß ich es auch nicht. Also, ich glaube, das ist ein ganz, ganz schwieriges Feld im Fußball. Wie gesagt, mich hat es damals eher ein wenig verwirrt (lacht).

In Heidenheim und Stuttgart hatten wir so etwas gar nicht. Es war auch nicht so, dass es geheißen hätte: „Ja, jetzt kommt ein Mentaltrainer für zwei Wochen“. Ich finde, dass das nochmal mehr verwirrt. Dann wird man umso mehr daran erinnert: „Oh, jetzt läuft da irgendetwas schief“, oder: „Wir machen irgendetwas falsch“. Wenn man es gewohnt ist, also vielleicht die jungen Spieler, die jetzt in der U18 oder U19 bei größeren Vereinen spielen, ist das anders. Ich glaube schon, dass der Kopf viel beeinflusst. Man merkt auch bei sich selbst: Man hat eine gute Fähigkeit oder fühlt sich sogar besser als vor zwei, drei Wochen und auf einmal läuft’s nicht: „Ja, warum?“. Dann denkt man: „Hä, ich fühl‘ mich körperlich besser, ich habe doch auch mehr trainiert. Warum läuft’s nicht? Wie ist das möglich?“. Es kann ja nur der Kopf sein, der da entscheidet. Und da die richtige Stellschraube zu finden ist glaub ich echt schwer.

Zukunftspläne

Was hast du für die Zeit nach deiner aktiven Karriere geplant? Hast du einen „Plan B“, studierst du?

Ich hatte ein Fernstudium begonnen und abgebrochen. Bei der Euro-FH. Europäische Betriebswirtschaftslehre. Aber das war wirklich zu krass. Allein das Problem: Ok, ich gehe morgens in die Uni, setze mich von 8 Uhr bis mittags hinein und haue dann ab zum Training. Aber wenn man sich morgens hinsetzt und anfängt, schreibe die ersten Teamkameraden: „Was machst du? Gehen wir Kaffee trinken? Komm früher, gehen wir in den Kraftraum…“. Dann war das Thema durch. Zudem bestand das Problem mit den Prüfungen. Diese waren immer in Duisburg und die offiziellen fanden sogar samstags statt. Es gab Ersatztermine, aber ich hatte genau da zum Teil Spiele. Dann war ich mit dem Lernstoff fertig und musste warten, bis ich den Test schreiben konnte. Ich fing mit dem zweiten Lernstoff an und vergaß wieder einen Teil des ersten. Während meiner Zeit in Heidenheim habe ich entschieden, dass das nicht geht: „Jetzt aktuell ist es unmöglich, da irgendetwas zu machen, um offen und ehrlich zu sein“.

Was planst du für danach oder hast du noch keine konkrete Idee?

Ich strecke meine Fühler ein bisschen aus. Ich lege mich nicht auf den Fußball fest, halte meine Augen und Ohren für alles offen. Es wäre vermessen zu sagen: „Ja, ich werde Trainer“. Wenn man sieht, wie es da läuft… Wenn ich denken würde: „Ach, der nimmt mich dann schon mit, wenn er geht“. Darauf kann man sich nicht verlassen. Wenn es dann passiert, ja, gut. Aktuell könnte ich mir nicht vorstellen, auf die Schnelle einen Trainerschein zu machen.

Danke für die interessanten Ausführungen, Rouven.

Gerne.

Celia Šašić: Ex-Profi, Mutter, Studentin und sozial engagierte Frau

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Celia Šašić (Mitte; damals 1. FFC Frankfurt) lässt Milla Fischer vom VfL Wolfsburg hinter sich. Foto: imago

Sie spielte für Bad Neuenahr und für den 1. FFC Frankfurt, gewann den DFB-Pokal, die Champions-League sowie die Olympische Bronzemedaille: Celia Šašić. Doch was sich leicht liest, war harte Arbeit. Als weiblicher Fußballprofi war es für sie selbstverständlich, neben ihrer sportliche Karriere zu arbeiten – oder, wie sie sagt: „Ich wollte eine Ausbildung machen und nebenbei noch Fußball spielen“. Nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation hat Europas Fußballerin des Jahres 2015 ein Studium der Kulturwissenschaft begonnen, das sie demnächst abschließen möchte. Bevor sie jedoch ihre Bachelorarbeit anmeldet, ist sie rund um die Uhr für ihre kleine Tochter Mila da. Im Interview erzählt Celia Šašić, warum sie sich für ein Studium entschieden hat, weshalb sie sich sozial so stark engagiert und was sie fußballbegeisterten Mädchen mit auf den Weg geben möchte…

Frau Šašić, zunächst zwei Fragen zu Ihnen und Ihrem Kind. Wie geht es Ihnen und Ihrer Tochter und wie genießen Sie den Alltag?

Uns geht’s wunderbar und der Alltag ist vollkommen anders als zuvor, aber sehr sehr schön und mit sehr viel Spaß verbunden. Es ist einfach ein ganz anderes Leben, wunderschön.

Wächst Mila mehrsprachig auf?

Ja, ich spreche deutsch und französisch mit ihr und mein Mann spricht kroatisch und deutsch mit ihr.

 

Ausbildung, Studium und Fußball

Nun zu Ihrem Werdegang. Sie haben parallel zu Ihrer Karriere als Fußballspielerin eine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation absolviert und ein Studium der Kulturwissenschaft begonnen. Wie bekommt man das alles unter einen Hut?

In erster Linie war es wichtig, einen sportlerfreundlichen Arbeitgeber zu haben. Auch in der Uni war es bedeutend, Unterstützung zu erhalten: Zum Beispiel, dass ich die Prüfungen an anderen Terminen nachschreiben konnte. Als in meiner Ausbildungszeit größere Turniere anstanden, habe ich ohne Probleme frei bekommen. Man muss schon auch im Vorfeld mit dem Arbeitgeber klären, ob das alles so machbar ist oder nicht. Man braucht jemanden, der einen unterstützt, weil das sonst so in der Form nicht möglich wäre.

Wie sind Sie darauf gekommen, eine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation zu absolvieren?

In der Schulzeit wissen viele nicht: Was soll ich machen, in welche Richtung soll es gehen? Ich habe mich immer für Marketing interessiert und wollte wissen, wie es in dem Bereich ist. Bei Lotto Rheinland-Pfalz, das damals Sponsor in Bad Neuenahr war, habe ich dann die Chance bekommen, diese Ausbildung zu machen. Diese habe ich dankend angenommen, um einen Einblick in dieses Berufsfeld zu erhalten und zu schauen, was das wirklich ist.

Nach Ihrer Ausbildung haben Sie ein Studium der Kulturwissenschaft begonnen. Was genau hat Sie dazu motiviert?

Ich habe mich für den Studiengang entschieden, weil er mich wirklich vom Thema her interessiert hat. Vom Inhalt her wollte ich meinen Horizont erweitern. Ich habe das Studium nicht begonnen, um dann einen bestimmten Beruf zu ergreifen, sondern es war wirklich für mich für meinen Kopf, für meinen Geist, für mein Interesse.

Wie gefällt Ihnen das Studium und welche Inhalte haben Ihnen besonders viel Spaß gemacht?

Mir gefällt das Studium sehr gut, weil es für mich ein Ausgleich zum Fußball war. Mir fehlt jetzt nur noch die Abschlussarbeit. Für mich war das Inhaltliche, vor allem der Themenbereich „antike Philosophie“, am spannendsten. Ansonsten finde ich es gut, dass das Studium sehr breitgefächert ist. Auf eine gewisse Art und Weise gehört ja alles zur Kultur. Da war alles mit dabei: Medienwissenschaft, Ethnologie, Philosophie.

Sie sprechen mehrere Sprachen. Waren diese im Studium wichtig?

Das meiste war auf Deutsch. Ab und an gab es mal Texte auf Englisch, aber man musste keine zwei, drei Sprachen sprechen, um dort voranzukommen.

Worüber werden Sie voraussichtlich Ihre Bachelorarbeit schreiben? In einem Interview hatten Sie mal erwähnt, Platon aufgreifen zu wollen.

Ich habe mir in den vergangenen Wochen keine Gedanken darüber gemacht, weil ich erstmal mit meinem Kind ausgelastet bin. Aber das Thema hat mich sehr stark interessiert und deshalb werde ich es auch in der Abschlussarbeit thematisieren, denk ich mal.

 

„Wenn man verletzt ist, unterstützt einen niemand“

Dann zum Thema „Plan B – Karriere neben bzw. nach dem Profifußball“. Wie unterscheidet sich in der Hinsicht der Männerfußball vom Frauenfußball? Meiner Meinung nach zollt es höchsten Respekt, was die weiblichen Profis leisten, was Sie geleistet haben. Ohne Ausbildung oder Studium neben dem Job geht es bei den meisten gar nicht. Vielleicht können Sie ein bisschen beschreiben, was Sie von den Männern mitbekommen? Ob diese für „ein Leben nach dem Profifußball“ planen oder das komplett außer Acht lassen?

Grundsätzlich ist es schon schwierig. Im Frauenfußball sind nicht alle Profis, sag ich mal so. Klar, wenn man für die Nationalmannschaft und auch in einem „richtigen Verein“ spielt, dann kann man auch schon so viel verdienen, dass man sozusagen „Profi“ ist. Aber trotzdem muss man – oder ich sage mal – sollte man eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium haben oder zumindest beginnen, weil man nicht weiß, wie lange die Karriere im Fußball dauert. Wenn man verletzt ist, dann unterstützt einen niemand. Was klar ist, ist, dass man nach der Karriere nicht so ausgesorgt hat wie es bei einigen Männern der Fall ist.

Wird man von den Vereinen speziell gefördert? Sagen die Trainerinnen und Trainer auch mal, dass man Wert auf eine Ausbildung oder ein Studium legen soll oder ist es völlig legitim für die Spielerinnen, dass sie dahingehend etwas tun?

Das unterscheidet sich natürlich von Verein zu Verein, da werden die Schwerpunkte sehr unterschiedlich gesetzt. Irgendwie ist es im Frauenfußball selbstverständlich, eine Ausbildung zu absolvieren oder zu studieren, da es noch nicht so lange den weiblichen wirklichen Profifußball gibt. Also, als ich mit dem Fußball spielen angefangen habe: Ich weiß nicht, wie viele bzw. wenige damals nur vom Fußball gelebt haben. Da gab es sehr, sehr wenige, – wenn überhaupt. Die haben alle nebenbei noch gearbeitet. Da wurde eben nach der Arbeit noch trainiert. Man hat gespielt und ist praktisch vom Spiel heraus wieder zur Arbeit gegangen. Das war selbstverständlich. Jetzt ist es so, dass die jungen Mädels direkt von der Schule in dieses „Profi sein“ hineinkommen. Aber grundsätzlich ist es, ich sag mal in der „Szene“, selbstverständlich, weil jede weiß: Ohne Ausbildung oder Studium geht’s nicht. Man steht sonst blöd da, wenn man verletzt ist, aufhören muss und die Karriere beendet ist, ohne sagen zu können: „So, jetzt hab ich so viel verdient, das hat sich gelohnt“.

Ist Ihnen das noch einmal mehr bewusst geworden, als Sie auf Grund eines Schienbeinbruchs ein Jahr lang pausieren mussten? Redet man dann mehr mit den Kolleginnen über die Thematik „Plan B“?

Für mich war es eine Selbstverständlichkeit zu arbeiten, deswegen hat mich die Verletzung nicht bestärkt zu arbeiten. Für mich war das ganz normal: Ok, ich mache meine Ausbildung und dann mein Studium. Es war nicht so, dass ich gesagt hätte, ich müsse nebenher noch etwas Vernünftiges machen, sondern es war so, dass ich mir dachte: Ich mache eine Ausbildung und spiele nebenbei noch Fußball. Ich konnte so gut Fußball spielen, dass es zu meinem Beruf geworden ist, aber ich habe mich nicht für den Beruf Fußballprofi entschieden. Es hat sich einfach so entwickelt.

Jetzt möchte ich einen großen Sprung machen. Sie sind seit mittlerweile über zehn Jahren DFB-Integrationsbotschafterin. Welche Aufgaben haben Sie als solche?

Vor allem versuche ich Mädchen zu motivieren, Fußball zu spielen. Ich mache ganz viel Vielfältiges. Berichten, unterrichten, in die vielen verschiedenen Verein zu gehen und vielleicht auch zu Schulen zu fahren und sie dazu zu motivieren, die Projekte weiterzumachen, die sie gestartet haben. Auch die Integrationspreisverleihung gehört zu meinem Aufgabengebiet. Im Moment habe ich nichts auf der Agenda stehen. Ich werde immer wieder angefragt und muss derzeit gucken, wie es sich mit meiner Tochter vereinbaren lässt. Ich denke mal, dass da auch in Zukunft noch viel passiert.

 

Celia Šašićs soziales Engagement

Sie setzen sich auch für die Theo-Zwanziger-Stiftung und das Projekt „Girls for Hope“ ein. Was genau steckt dahinter?

Grundsätzlich habe ich viele Projekte unterstützt: Gerade für Projekte für Kinder bin ich immer sehr leicht zu haben, weil ich Kinder einfach sehr gerne hab. Deshalb habe ich mich in vielerlei Hinsicht für solche eingesetzt. Meine Einsätze gehen nie über einen längeren Zeitraum, sondern sind immer projektbezogen.

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Celia Šašić spielte über zehn Jahre für die deutsche Nationalmannschaft. Foto: DFB

Dann zur Nationalmannschaft. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Teamkameradinnen?
Ich habe noch Kontakt zu einigen Spielerinnen, wir haben ja viel Zeit miteinander verbracht. Ich verfolge das Ganze noch vom Fernsehen aus und freue mich, wie es bei dem Team gerade läuft.

 

„Ich würde gerne im Sportbereich bleiben“

Sie hatten in einem Interview angeführt, dass Sie sich auch vorstellen könnten, als Managerin im Frauenfußball zu arbeiten, um das Ganze besser strukturieren zu können. Ist das mittelfristig Ihr Ziel oder sagen Sie, Sie konzentrieren sich jetzt erstmal auf die gemeinsame Zeit mit Ihrem Kind und schauen spontan, was kommt?

Aktuell kümmere ich mich um das Kind. Ich kann mir vorstellen, danach irgendwo hineinzuschnuppern. Ich habe mein Leben lang Fußball gespielt und hatte dadurch nie Zeit, Praktika zu machen, um herauszufinden, was für mich in Frage kommt. Zunächst möchte ich etwas ausprobieren und gucken, in welche Richtung es für mich in Zukunft gehen soll. Ich würde gerne im Sportbereich bleiben. Ob es dann in einer Managerposition ist oder in irgendeiner anderen Art mit Fußball zu tun hat, wäre schön, da ich dann in dem Bereich arbeiten könnte, den ich gerne mag.

Könnten Sie sich auch vorstellen, als Trainerin tätig zu sein?

Das, was ich mir im Moment nicht unbedingt vorstellen kann, ist es, Trainerin im Seniorenbereich zu sein. Aber ausschließen, dass sich das in den nächsten Jahren ändert, würde ich es nicht. Was ich mir schon eher vorstellen könnte ist, als Trainerin im Kinder- und Jugendbereich zu arbeiten. Ich weiß nicht, ob sich das in zwei, drei Jahren ändert. Grundsätzlich möchte ich mich erstmal ein wenig ausprobieren.

Haben Sie in Ihrer aktiven Profizeit einen Hype wahrgenommen, dass nach der WM 2003 oder 2007 deutlich mehr Mädchen und Frauen Fußball spielen wollten?

Von dem Zeitpunkt, als ich angefangen habe in der Bundesliga zu spielen bis heute, hat sich der Frauenfußball sehr rasant entwickelt. Es kam schnell vom Hobby- zum Profitum. Auch die Präsenz und die Wahrnehmung der Nationalmannschaft hat sich deutlich gesteigert. Natürlich ist man nicht dort, wo der Männerfußball ist. Das wird der Frauenfußball auch nie sein. Natürlich ist auch noch Luft nach oben. Aber, wenn man die Zeitspanne betrachtet, ist diese Entwicklung schon enorm. Da ist auf jeden Fall einiges passiert.

Nehmen wir mal an, Sie würden in zwei, drei Jahren Managerin eines Frauenfußballteams werden. Welche wären die ersten Punkte, die Sie ändern und verbessern wollen würden?

Es kommt natürlich auf den Verein an, in dem man arbeitet. Darauf, welche Bedingungen man dort vorfindet. Es wäre schon wichtig, Strukturen zu schaffen, die im Männerfußball einfach gegeben sind, im Frauenfußball aber in einigen Vereinen noch nicht existieren.

Was würden Sie jungen Spielerinnen mit auf den Weg geben, wenn Sie in die Nationalmannschaft möchten? Welche Charaktereigenschaften sollten Sie mitbringen?

Man sollte das ganze machen, weil es einem sehr, sehr viel Spaß macht. Ganz egal, wie schwer und wie hart es ist: Man sollte versuchen, besser zu werden. Es ist außerdem immer sehr wichtig zu wissen, was man für ein Glück hat, wenn man in der Nationalmannschaft spielen kann. Die Mädchen sollten einfach ihr Ziel verfolgen, ohne dass sie dabei den Weg vergessen. Sie sollten immer daran denken, dass Fußball ein Mannschaftssport ist. Man kommt nicht voran, wenn man die anderen nicht im Team hat!

Vielen Dank für das Interview, Frau Šašić.

Bitte, gerne.

Sportmanagerin und Spielerberaterin Samira Samii: Eine Frau mit Fachkompetenz und der richtigen Balance zwischen Nähe und Distanz

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Samira Samii ist international als Sportmanagerin und Spielerberaterin tätig. Foto: Sportives

Internationale Spielerberatung. Samira Samii hat Ihren MBA in Sportmanagement mit Auszeichnung abgeschlossen und arbeitet heute als international renommierte Sportmanagerin und Spielerberaterin in ihrer eigenen Agentur. Auf Grund ihres familiären Hintergrunds (sie stammt aus einer Königsfamilie; Anm. von Lisa Schatz) hätte sie die Füße hochlegen können und nie arbeiten müssen. Doch das passt nicht zu ihr, das wollte sie nicht. Sie hat hart gearbeitet, wollte von Anfang an auf eigenen Beinen stehen und das Business von der Pike auf lernen. So hat sie sich nach und nach Respekt in der Welt des Profifußballs verschafft. Sie hat ihre Karriere als Marketing Managerin beim FC Ingolstadt begonnen, der damals noch in der Regionalliga Süd spielte. Heute kooperiert sie mit internationalen Stars und Top-Clubs. Zu ihren Mandanten zählen Stars wie Giovane Elber und zu ihren Gesprächspartnern gehören Weltmeister wie Zinédine Zidane und der frühere Bundestrainer Berti Vogts. Im Interview hat mir Samira Samii verraten, wie sie zum Fußball gekommen ist, mit welchen Schwierigkeiten sie in ihrem Beruf zu kämpfen hat, was sie motiviert und welche Tipps sie für diejenigen hat, die Spielerberater/-in werden möchten…

 

Frau Samii, zunächst bitte ich Sie, Ihren Beruf kurz zu beschreiben.

Es ist ein toller Job mit vielen Emotionen und Gefühlen. Egal, um welche Kultur, welches Land oder welche Gesellschaftsschicht es geht, alle feuern ihre Mannschaft an. Als Spielerberaterin und Sportmanagerin arbeitet man dort, wo Fans gerne sein würden und man hat mit vielen interessanten Menschen zu tun. Aber natürlich ist es auch sehr stressig. Ich muss viel reisen und rund um die Uhr erreichbar sein. Die Transferperioden sind im Sommer und im Winter in der Haupturlaubszeit, in diesen Monaten muss ich die ganze Zeit arbeiten und mache das gerne. Der Stress ist für mich positiver Stress. Ich liebe diesen Stress, daher liebe ich meinen Job.

 

„SpielerberaterInnen kümmern sich nicht nur um Verträge!“

Welche sind Ihre wichtigsten Aufgaben? Bitte konkretisieren Sie Ihre Ausführungen.

Es gibt viele Menschen, die denken, dass es bei der Arbeit von Spielerberater/-innen bloß um das Erstellen von Verträgen geht und darum, dass wir die Spieler nur von Verein zu Verein transferieren oder uns um Vertragsverlängerungen kümmern. Aber es ist ein vielseitigeres Aufgabengebiet: Es geht um die Abwicklung von Spielertransfers, die rechtliche Betreuung und unsere Aufgaben reichen von der PR- und Marketingberatung bis hin zum Alltagsleben meiner Mandanten. Ich betreue nicht nur aktuell aktive Profis, sondern in anderen Bereichen, zum Beispiel in Bezug auf Werbeaufträge, auch ehemalige Profis. Ich versuche immer das Bestmögliche für meine Mandanten herauszuholen. Egal, ob es um die Verträge geht oder um Marketing-, Sponsoring- und Werbe-Aufträge. Das Ganze hat nicht immer nur mit Geld zu tun, sondern auch mit dem persönlichen Glück meiner Mandanten. Das Wichtigste zwischen einem Profifußballer und uns ist eine vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit, sodass sich der Spieler immer gut aufgehoben fühlt. Ich meine, viele renommierte Unternehmen suchen bekannte Werbepartner aus dem Sportbereich. Hier suche ich stets nach der idealen Vermarktung meiner Mandanten. Nicht zu vergessen ist aber auch die persönliche Unterstützung. Wenn ein Spieler beispielsweise aus dem Ausland nach Deutschland wechselt, kümmere ich mich um seine Familie und um die Organisation des Alltagslebens, damit er sich erstmal auf seine Aufgaben und auf seine Leistungen konzentrieren kann. Zudem versuche ich, für alle meine Mandanten eine persönliche Stütze zu sein. Wenn sie private oder karrierebezogene Probleme haben, bin ich für sie da. Hans Meyer, von dem ich viel gelernt habe, hat mir einmal gesagt: „Samira, wenn ein Spieler den Kopf frei hat, kann er sich am besten konzentrieren und die beste Leistung im Training und im Spiel abrufen“, und damit hat er recht. Die von uns betreuten Spieler sollen, wenn sie abends ins Bett gehen, beruhigt mit dem Gedanken einschlafen können, dass alles außerhalb des Fußballplatzes von uns zu ihrer vollsten Zufriedenheit geregelt wird. Wir glauben, dass nur bei einer solch umfassenden Betreuung eine optimale Leistungsfähigkeit des Spielers erreicht werden kann.

Ich bin in allen Lebenslagen für meine Spieler da. Meine Spieler sollen glücklich sein, jedoch sollte die sportliche Perspektive auch stimmen. Zusammen mit meinen Scouts bin ich jedes Wochenende im Stadion, um Präsenz zu zeigen, Spieler zu beobachten und um zu schauen, welchen Bedarf die Clubs haben. Eine gute Beobachtungsgabe ist sehr wichtig, um Vereine einschätzen zu können und die Stärken sowie Schwächen der Mannschaften beurteilen zu können. Es geht darum, dass eine Karriere gut geplant ist, entwickelt wird und Vermarktungsmöglichkeiten im Bereich Sponsoring erschlossen und genutzt werden. Ebenso sollten mit guter PR das Image und die Präsenz des Spielers entwickelt werden, um mögliche Werbeverträge abzuschließen. Eine weitere Aufgabe von uns ist die Vorbereitung auf ein Leben nach der Karriere. Am Ende einer Profilaufbahn fallen Fußballspieler nicht selten in ein (finanzielles) Loch. Eine weitere wichtige Aufgabe entsteht, wenn ein Spieler beispielsweise von einem Land in ein anderes wechselt. In diesem Fall kümmere ich mich um seine Familie und um die Organisation des Alltagslebens, damit er sich erstmal auf seine Aufgaben und Leistungen konzentrieren kann. Bei einem plötzlichen und schnellen Wechsel muss z.B. innerhalb weniger Stunden ein kompletter Umzug organisiert werden. Die Telefonabmeldung, das Ausräumen der Wohnung und das Einbeziehen eines Steuerberaters sind nur einige Punkte, die umgehend abgewickelt werden müssen. Ein Spieler, der vor drei Tagen noch nicht gewusst hat, dass er morgen in einem ganz anderen Land ist, hat keine Zeit, seine Sachen zu ordnen. Wir machen hier einen Rundumservice, der 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr da ist, sodass sich der Spieler voll und ganz auf seinen Sport konzentrieren kann.

Worin liegen die größten Herausforderungen in Ihrem Beruf?

Die größte Herausforderung ist für mich, Win-Win-Lösungen zu erarbeiten. Ich möchte meine Spieler glücklich machen aber natürlich auch die Vereine! Wenn wir das schaffen, bin ich auch glücklich.

Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Seit meiner Kindheit haben wir in unserem Heimkino häufig mit meiner Familie und mit Freunden Fußballspiele, vor allem wichtige und internationale Spiele – EM, WM, Champions League – angeschaut. Danach haben wir oft diskutiert und so hatte ich schon lange ein großes Interesse an Fußball. Mein Vater ist einer der bekanntesten Augenchirurgen und es wurden immer schon viele Fußballstars in seiner Augenklinik behandelt, dadurch habe ich schon früh viele dieser Stars persönlich kennengelernt, zu welchen wir heute noch gute Kontakte haben. Das war ein weiterer Gesichtspunkt, durch den ich immer wieder etwas mit Fußball zu tun hatte. Einer der Patienten ist Ali Daei, der unter anderem beim FC Bayern München gespielt hat. Er ist eine iranische Fußball-Legende, eine Art „Franz Beckenbauer des Iran“. Für mich ist er wie ein Bruder, ich hole mir oft Rat von ihm. Viele inländische und europäische Spiele haben mich schon in der Kindheit interessiert: Diese extremen Emotionen haben mich begeistert. Die Emotionen der Fans und der Vereine, sowohl im Glück, als auch in der Trauer.

Haben Sie schon einmal selbst Fußball gespielt?

Nein, ich habe noch nie selbst Fußball gespielt. Das ist mein Nachteil gegenüber vieler meiner männlichen Kollegen, aber ich habe dafür zwei Hochschulstudien abgeschlossen (Internationaler MBA, Abschluss mit Auszeichnung, sechs Sprachen fließend; Anm. von Lisa Schatz) und das ist mein Vorteil. Außerdem gehört mir die Aufmerksamkeit, wenn ich mit 14 Zentimeter-High-Heels auf dem Fußballplatz oder auf Veranstaltungen einen Ball zurückspiele (lacht).

Was gefällt Ihnen am Fußballsport an sich?

Die Emotionen der Spieler, der Trainer, der Verantwortlichen und natürlich auch die der Fans. Für mich sind sie sehr wichtig. Sie sind unabhängig von Bildung, vom gesellschaftlichen Status und von Geld. Ich mag diese Momente, in denen man die Freude mit dem eigenen Club, der Mannschaft teilt. Egal, welche Bildung man hat, egal, welche Gesellschaft um einen herum ist, egal, wie viel Geld man auf dem Konto hat. In diesem Moment sind alle Menschen auf der gleichen Ebene und es zählt nur die eigene Mannschaft. Das gefällt mir am Fußball.

 

Die Entstehung der Idee, Spielerberaterin zu werden

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Spielerberaterin zu werden?

Durch mein Sportmanagement-Studium. Meinen ersten Job hatte ich als Marketingmanagerin beim FC Ingolstadt 04. Und wie der konkrete Einfall kam? Das war während der WM 2006, beim Spiel Deutschland gegen Italien. Das habe ich auf Premiere gesehen und gemeint: „Das gibt’s gar nicht. Es gibt keine einzige Frau in dieser Branche“. Heute sieht man, wie viele Frauen als Moderatorinnen bei Sky arbeiten. Man sieht, wie viele Frauen als Zuschauerinnen in den Stadion sind. Natürlich hat es mich als Frau gereizt und ich habe gesagt: „Ich will dabei sein, ich werde in den Fußball mit einsteigen. Frauen können das gleiche, was die Männer können“. Das war meine Idee. Damals hat man keine einzige Frau in diesem Berufsfeld gesehen.

Welche Eigenschaften sollte man als SpielerberaterIn mitbringen?

Man braucht natürlich ein gutes Know-how. Ein fundiertes Fachwissen und gute Kontakte sind sehr wichtig. Zudem sollte man eine gute Netzwerkerin sein und seine Kontakte regelmäßig pflegen. Natürlich sollte man diszipliniert sein. Ich verstehe überhaupt keinen Spaß im Job. Man sollte direkt sein, transparent arbeiten und in gewisser Weise auch Künstler sein. Es ist eine Kunst, die richtige Balance zwischen den Geschäftspartnern und Mandanten sowie zwischen Nähe und Distanz zu finden. In Verhandlungen bin ich sehr hartnäckig und selbstbewusst. Ich denke, dass es sehr bedeutend ist, dass man ein bestimmtes Selbstbewusstsein beim eigenen Auftreten hat. Meiner Meinung nach bin ich in Verhandlungen wirklich äußerst hart, härter als männliche Kollegen. Der gegenseitige Respekt gegenüber Geschäftspartnern und Mandanten ist mir sehr, sehr wichtig.

Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrem Beruf?

Ich arbeite mit vielen interessanten Menschen zusammen, das gefällt mir. Jeder Mandant ist individuell und möchte auch individuell beraten werden. Ich finde, dass mein Job sehr international ist und auch deshalb macht er mir viel Spaß. Ich arbeite mit zahlreichen unterschiedlichen Kulturen zusammen. Darum wird es nie langweilig. Über Fußball kann man sich mit jedem unterhalten – selbst, wenn man die Sprache des anderen nicht versteht. Über Fußball kann man sich immer austauschen. Es ist nur ein Ball mit 32 Flecken, aber trotzdem kann man pausenlos darüber sprechen. Ganz besonders viel Freude macht mir die Zusammenarbeit mit jungen Spielern. Sie sind für mich wie eine Familie und es ist toll zu sehen, wie sie für ihren Traum alles geben.

Welches war Ihr bislang tollstes Erlebnis in Ihrer Zeit als Spielerberaterin?

Jeder Aufstieg und Titel eines Vereins, in welchem Mandanten aktiv waren, war ein super Erlebnis für mich. Unabhängig vom Land und von der Liga. Der Höhepunkt aller Erlebnisse in meiner Beratungszeit war für mich die Weltmeisterschaft 2014. Ich hatte das große Glück live dabei zu sein, als Deutschland in Rio Weltmeister wurde. Dies war ein historischer Sieg, als erste europäische Mannschaft in Südamerika.

 

„Als Frau muss man sich den Respekt hart erarbeiten“

Welchen Schwierigkeiten und Problemen begegnen Sie am meisten in Ihrem Beruf?

Ich meine, dass es in jedem Beruf und in jeder Branche Schwierigkeiten gibt. Wie auch im normalen Leben. Ich denke, ohne Probleme wäre es vielleicht auch ein bisschen langweilig. Natürlich muss man sich als Frau in einer Männerdomäne ständig beweisen und darf sich als solche keine Fehler erlauben. Ab und zu kommt es auch vor, dass man angemacht wird. Ich kann mich an den Anfang meiner Karriere erinnern, als ich überhaupt nicht ernst genommen wurde. Ich bin kein Mensch, der mit Turnschuhen und Jogginghose herumläuft. Ich mag es, mich elegant zu kleiden und bin auch so erzogen worden. Meiner Meinung nach gehören ein gepflegtes, klassisches Outfit und ein selbstbewusstes Auftreten zu einer Business-Lady. Heute begegnen mir meine Geschäftspartner auf Augenhöhe und respektieren meine Leistungen. Natürlich gibt es auch heute noch Macho-Sprüche, aber ich habe gelernt diese zu ignorieren. Was wichtig ist als Frau: Man muss sich seinen Respekt mit Ausdauer und Fachkompetenz hart erarbeiten.

Wo grenzt sich Ihr Job nochmal speziell von SportpsychologInnen und SportmentorInnen ab?

Wir unterscheiden uns sehr von ihnen. Ich finde, eine Psychologin oder eine Mentorin arbeitet rein mental, wenn ich das mit uns vergleiche. Ich berate meine Mandanten, verhandle Verträge, entwickle Karrieren und unterstütze Spieler mental, wenn ich glaube, sie hierbei unterstützen zu können. Wie ich vorher gesagt habe, ist diese Nähe und Distanz wichtig.

 

Zu den Problemen der Nachwuchsspieler

Sie betreuen unter anderem Nachwuchsprofis. Werden diese Ihres Erachtens ganzheitlich von den Vereinen unterstützt oder denken Sie, dass es da noch Besserungsbedarf gibt – z. B. in dem Bereich, dass sie nochmal zusätzlich SportpsychologInnen oder SportmentorInnen als Ansprechpersonen haben? Es gibt ja inzwischen eine Studie, dass Fußballer öfter psychische Probleme haben als die durchschnittliche Bevölkerung.

Ich finde, dass die Vereine der deutschen Bundesliga sehr professionelle Nachwuchsarbeit leisten. In Clubs wie Leverkusen, Bayern, Dortmund, Schalke und einigen anderen Vereinen wird hochprofessionell gearbeitet. Das Ziel dieser Nachwuchsleistungszentren ist eine ganzheitliche Betreuung. Sie haben qualifizierte Sportpsychologen und Mentaltrainer in ihren Reihen. Die jungen Spieler haben im Wesentlichen zwei Aufgaben: Sie sollen trainieren und in die Schule gehen, um Leistung zu bringen. Sicherlich kann diese Doppelbelastung manchmal zu groß werden, sodass die Jugendlichen einen Ausgleich benötigen und mental betreut werden müssen. Dadurch werden sie natürlich auch auf den hohen Druck im professionellen Bereich vorbereitet. Nachdem, was ich erlebt habe, werden die Nachwuchsspieler in den Nachwuchsleistungszentren gut betreut.

Wo sehen Sie die größten Probleme, die Nachwuchsprofis haben? Würden Sie sagen, dass es wirklich der Stress und der Druck ist? Oder ist es eher der Aspekt, Schule und Fußball gut unter einen Hut zu bekommen?

Die Erwartungen an die jungen Spieler sind unendlich hoch. Der Druck kommt von den Eltern, den Trainern und den Spielern selbst. Man erwartet immer, dass ein U19-Spieler sofort im Profibereich in der Bundesliga Fuß fassen kann. Manchmal denke ich, dass es gut wäre, diese Talente zunächst über eine U21-Mannschaft oder U23-Mannschaft aufzubauen und erst dann in den Kader des Profibereichs zu integrieren.

 

Samira Samii über ihre Ziele und darüber, was Glück für sie bedeutet

Nun zu Ihrer Person. Welche Ziele haben Sie beruflich und privat?

Jeder Mensch hat Ziele und ohne Ziele würde jegliche Motivation fehlen. „Wer sein Leben nicht plant, der plant zu scheitern“, lautet ein altes Sprichwort. In meinem Leben habe ich immer Ziele gehabt, versuche diese zu erreichen und habe sie nie aus den Augen verloren. Ich bin stolz auf das, was ich bisher geschafft habe. Ich bin kein Mensch, der aufgibt, bin sehr positiv eingestellt und versuche, immer meine Wege zu gehen. Noch sehe ich mich nicht am Ende meiner Karriere. Vielleicht schaffe ich es eines Tages als erste Frau, einen Profiverein zu managen. Das ist ein Ziel von mir. Persönlich bin ich ganz glücklich, ich bin genau dort, wo ich sein will. Privat bin ich glücklich und zufrieden und ich hoffe, dass das auch so bleibt.

Was bedeutet Glück für Sie?

Glück ist für mich in erster Linie Gesundheit. Glück ist für mich Familie, Zufriedenheit und Liebe. Meiner Meinung nach ist Glück auch völlig unabhängig von wirtschaftlichem Erfolg und Geld. Für mich bedeutet Glück auch, anderen Menschen helfen zu können. Ich denke da an meine Mandanten, aber auch ganz besonders an meine Charity-Projekte für Kinder. Schon Albert Schweitzer hat gesagt: „Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Meine Familie ist für mich das Wichtigste. Sie ist immer für mich da, sie gibt mir immer Halt und unterstützt mich, egal wann, wie und wo. Deshalb ist sie für mich das Wichtigste, das es gibt.

 

Empfehlungen an zukünftige SpielerberaterInnen

Welche Tipps haben Sie für Frauen und Männer, die Spielerberaterin bzw. Spielerberater werden möchten?

Wichtig für diesen Beruf ist ein gutes Fachwissen und, wie in jeder Branche, das Lernen von der Pike auf. Das gilt ganz speziell für Frauen in unserem Beruf, in welchem man immer um den Respekt kämpfen muss. Als SpielerberaterIn sollte man gut im Netzwerken sein, eine gute Menschenkenntnis besitzen und immer seriös auftreten und arbeiten. Denn in jedem Beruf gibt es schwarze Schafe. Man sollte transparent arbeiten und direkt kommunizieren. Ich lege viel Wert auf direkte Kommunikation. Zudem ist – wie schon erwähnt – die richtige Balance von Nähe und Distanz sehr, sehr wichtig. Die Nähe zwischen Spieler und Manager/-in ist wichtig für eine gute, offene Kommunikation und um bei Problemen helfen zu können sowie den Spieler ideal beraten zu können. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass die geschäftliche Distanz zwischen Spielerberater/-in und Mandant gewahrt bleibt und respektvoll miteinander umgegangen wird. Für diesen Balanceakt ist ein gutes Fingerspitzengefühl sehr hilfreich. Auf keinen Fall sollte man nur das Geld vor Augen haben, sondern die Priorität auf die Karriere und den Erfolg der Mandanten legen. Der Schlüssel zum Erfolg in diesem Beruf, und vielleicht auch in vielen anderen, ist: „Liebe deinen Job, arbeite mit Leidenschaft und Hingabe und denke immer zuerst an das Glück und den Erfolg deiner Mandanten“.

Mit welchen bekannten Spielern und Trainern arbeiten Sie zusammen?

Mein Team und ich arbeiten mit vielen nationalen und internationalen Profis zusammen, welche wir während und nach ihren Karrieren betreuen. Die Liste reicht dabei von jungen, hoffnungsvollen Talenten über aktuelle Bundesliga-Stars bis hin zu Weltmeistern, welche wir nach ihren Karrieren im Bereich Marketing und PR betreuen. Meine Einstellung ist, dass ich mich nicht mit den Namen meiner Mandanten schmücken möchte.

 

Reaktionen anderer Menschen und „eine schöne Geschichte aus dem Leben einer Sportmanagerin“

Wie hat Ihr Umfeld aus der High Society reagiert, als Sie begonnen haben, als Tochter einer Adelsfamilie als Sportmanagerin in der Fußballwelt zu arbeiten?

Natürlich hat jeder geschaut, als ich in den Fußballbereich eingestiegen bin und gefragt: „Was macht sie im Fußball? Warum geht sie in diese Branche?“ Ich kann nicht beeinflussen, was andere über mich sagen und denken, aber ich kann entscheiden, ob es mich interessiert oder nicht. Ich gehe meinen Weg und ich glaube an mich. Es war mein Ziel, diesen Weg zu gehen. Nur Du selbst kannst Dir eine Vorstellung davon machen, wo Du hin willst und wie der Weg dorthin aussehen könnte. Ebenfalls hatte ich das Glück, dass meine Eltern immer hinter mir standen und mich voll unterstützt haben. „I am tough, ambitious and I know exactly what I want and this makes me a successful Sport Manager!“.

Gibt es noch etwas, das Sie den LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?

Wie gesagt gibt es viele berühmte Persönlichkeiten im Fußball, mit denen ich zusammenarbeite. Dazu möchte ich eine nette Geschichte erzählen, an die ich mich gerne erinnere. Ich hatte einen Fernsehauftritt und saß danach mit einem meiner Mandanten und anderen Herrschaften aus dem Profifußball zusammen. Einer davon war anfangs skeptisch, hat mich von oben bis unten gescannt und schob mich wahrscheinlich in die Schublade „Lady aus der Modebranche“. Das konnte ich genau an seinem überraschten Gesichtsausdruck erkennen. Später saßen wir alle in einer Lounge und haben uns ein Spiel angeschaut. Ich sagte plötzlich: „Ich verstehe nicht, warum der Trainer heute nicht im 4-2-3-1-System spielen lässt“. Daraufhin haben alle Anwesenden überrascht zu mir geschaut und mussten mir zustimmen. Eine Woche später erhielt ich eine E-Mail mit folgendem Inhalt von ihm: „Liebe Samira, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Ich habe viel über Sie, Ihren Job und Ihre Familie gehört. Wow, was Sie im Fußball aufgebaut haben und das als Frau!“. Er war und ist eine sehr bekannte Persönlichkeit und noch immer im Fußball aktiv. Mittlerweile arbeiten wir zusammen. Aber wenn ich zurückdenke, dann passte seine anfängliche Bemerkung genau in dieses Macho-Klischee, obwohl er gar nicht der Typ dafür ist. Wenn man sich dann unterhält und wenn ich seinen Lebenslauf anschaue, denke ich mir: „Es ist unglaublich und es macht mich ein wenig stolz, dass diese Person sich bei mir entschuldigt hat“. Viele Menschen, die mit bekannten Persönlichkeiten im Fußball zusammensitzen, denken vielleicht: „Oh Gott, darf ich überhaupt meine Meinung sagen?“. Aber ich habe meine Meinung gesagt und das war richtig so. Ich empfehle allen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten, denn dies bedeutet zu führen und führen zu können. Nur Menschen, die eine eigene Meinung entwickeln, sind Führungspersönlichkeiten und verkörpern Stärke.

Vielen Dank, dass Sie sich so viel Zeit für das Interview genommen haben, Frau Samii.

Bitte, sehr gerne.