Kurzinterview mit den Machern des Team Bananenflanke e.V.

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Stefan Plötz (1. v. li.), Ben Rückerl (1. v. re.) und BFL-Profi Tobias Kessel freuen sich über den Goldenen Stern des Sports. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Fußballwelt. 2012 haben Stefan Plötz und Ben Rückerl den Verein Team Bananenflanke e.V. gegründet. Der Club wurde speziell für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung geschaffen. Inzwischen gibt es sogar eine Bananenflankenliga, die in der internationalen Presse Aufmerksamkeit erlangte. Ich habe die beiden Macher getroffen und mit ihnen über die Entstehung ihrer Idee, ihr Konzept und ein paar Anekdoten gesprochen…

Ben und Stefan, wie habt ihr euch kennen gelernt?

Ben Rückerl: Wir sind beide staatlich anerkannte Heilerziehungspfleger und haben uns durch die Arbeit in einer Regensburger Einrichtung  kennen gelernt. Wir haben uns sofort verstanden, weil Stefan einen Clubschal getragen hat und ich auch Nürnbergfan bin. Da wusste ich gleich: Das ist mein „Bruder im Geiste“.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, das Team Bananenflanke zu gründen?

Stefan Plötz: Ben hatte einen jungen Erwachsenen in der Wohngruppe, Lukas, der Hobby-Journalismus betrieben hat. Er ist immer auf Amateurfußballplätze gefahren, hat sich die Spiele angeschaut, Fotos gemacht und kleinere Berichte geschrieben. Ende des Monats hat er immer eine kleine Zeitung herausgebracht, ein geheftetes DIN-A4-Blatt. Da stand zu jedem Spiel ein Zehnzeiler drin. Er selbst hatte Zerebralparese (Bewegungsstörung) und tat sich deshalb schwer beim Schreiben und Sprechen. Uns hat er auch mal interviewt. Als wir ihn gefragt haben, was er gerne mal werden möchte, hat er uns erzählt, dass er gerne Journalist geworden wäre, aber das nicht ginge. Lukas hat angemerkt, dass er gern mal einen Profi interviewen würde. Bald entstand die Idee, eine Pressekonferenz mit Jahnspielern und Kindern und Jugendlichen mit Behinderung zu organisieren. Der Vereinsname „Team Bananenflanke e.V.“ entstand bei einem Vorbereitungstreffen mit den Kindern. Die Pressekonferenz ist super gelaufen. Sowohl die Jugendlichen als auch die Spieler hatten vorher bedenken. Die Heranwachsenden wussten nicht, was auf sie zukommt, weil es ihre erste PK war. Die Spieler konnten vorher nicht einschätzen, wie die Kinder reagieren, wenn sie sie auf ihre Behinderungen ansprechen. Doch die Berührungsängste waren schnell verflogen und Begegnungen auf Augenhöhe sind entstanden. Das ist auch das, was das Team Bananenflanke auszeichnet.

Ben: Wir haben die Pressekonferenz von außen beobachtet. Es war ein ganz toller Moment, als wir gesehen haben, wie sich die Grenzen vermischen und zugleich war es der Kick-Off bzw. die Geburtsstunde des Team Bananenflanke (21.3.2011). Uns war und ist es wichtig, langsam und gesund zu wachsen.

Stefan: Nach der Aktion haben wir erstmal einige Monate gar nichts gemacht. Im Herbst 2011 sind wir mit den Kindern mit Behinderung zu einem U21-Spiel nach Ingolstadt gefahren – mit Presseausweisen. Zur PK am 21.3.11 und zum Ausflug nach Ingolstadt gab es Zeitungsartikel von Claus Wotruba. Diese waren und sind unser wertvollstes Gut.

Stefan: Von März 2011 bis August 2012, als wir dann ein Verein geworden sind, gab es drei Eckpfeiler. Die erste Aktion war die Pressekonferenz, die zweite die Fahrt nach Ingolstadt und als drittes gab es eine Charity-Aktion, bei der ein Trikot von Tobias und Bastian Schweinsteiger der Haupterlös war. Nach letzterer Aktion haben wir gemerkt, dass wir das eigenständig schaffen können. Wir wollten uns dort verwirklichen.

 

Vereinsmotto: „Fußball kennt keine Grenzen“

Wie haben die Eltern zu Beginn auf eure Idee reagiert?

Stefan: Anfangs waren die Eltern skeptisch, ob die Kinder das können. Das Problem ist folgendes: Ein Kind mit einer geistigen Behinderung kommt meist nicht richtig aus einer Einrichtung heraus. Es hat dort seinen Physiotherapeuten, seinen Arzt, seine Lehrer und Psychologen und ist immer an diese eine Einrichtung gebunden. Sogar die Freizeitangebote werden zum Teil von der Einrichtung organisiert. Das ist ja alles toll, aber dadurch ist das Kind immer in den selben Mauern und wird nach außen in gewisser Weise abgekapselt.

Wie habt ihr die Eltern von eurem Konzept überzeugt?

Stefan: Wir haben unsere Idee auf einem Elternabend beim Jahnwirt am Kaulbachweg vorgestellt und haben sie durch unseren Enthusiasmus eingefangen. Unser Konzept mussten wir dann zunächst ein bisschen zurückschrauben, weil wir uns für das erste Jahr zu viel vorgenommen hatten. Inzwischen konnten wir alles umsetzen, was wir damals geplant hatten.

 

„30 Stunden Ehrenamt pro Woche – MINIMUM“

Wie viele Stunden pro Woche arbeitet ihr ehrenamtlich?

Ben: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Wochen, da arbeiten wir 70:30, Banane zu normaler Arbeit. Man muss im Hinterkopf behalten: Wir müssen ja auch leben.

Stefan: Wenn man von einem normalen Arbeitnehmer ausgeht, dann arbeitet der 40 Wochenstunden. Vor kurzem hab ich zum Beispiel um 23 Uhr gesagt, ich höre jetzt auf, weil es nix mehr bringt. Das wäre ins Uferlose hineingegangen.

Ben: Man switcht ständig hin- und her, mindestens fünfmal am Tag. An den Wochenenden haben wir so gut wie nie frei.

Stefan: Insgesamt sind es mindestens dreißig Stunden, die wir beide jeweils pro Woche für das Team Bananenflanke ehrenamtlich arbeiten.

 

Normalität schaffen. Durch Normalität.

Ben: Was uns von anderen unterscheidet, ist eben unser Konzept. Das zielt eben nicht auf Inklusion, beim Team Bananenflanke sollen eben nicht Behinderte und Nicht-Behinderte zusammen Fußball spielen. Unser Grundgedanke ist, die Kinder, mit der Beeinträchtigung oder Behinderung, die sie haben, in die Gesellschaft zu bringen. Und dann findet Inklusion statt. Da hat es schon einige Kritiker gegeben. Aber wir kommen aus dem Bereich. Wir haben das extra deswegen so gemacht, weil wir das wussten. Als wir in einer Einrichtung Fußballturniere organisiert haben, gab es fünf Teams und bei der Siegerehrung dann fünf Sieger. Wenn der eine 100 Tore geschossen hat und der andere minus 80, dann ist das schon ein riesen Unterschied. Dennoch werden beide Sieger genannt. Wir wollen einen ehrlichen Wettkampf: Man muss lernen, mit Niederlagen umzugehen. Auch die behinderten Kinder müssen damit umgehen. Irgendwann sind die Eltern, ist die Oma weg, die sie jetzt noch in einen Wattebausch packen. Irgendwann werden sie mit Niederlagen konfrontiert, genauso wie du und ich, und auf einmal sind sie dann völlig vor den Kopf gestoßen, damit umzugehen. In dem Umfeld, das wir aufgebaut haben, lernen sie durch den Trainer und das pädagogische Betreuungspersonal, mit Niederlagen umzugehen. Natürlich weinen sie manchmal, aber solche Emotionen sind im Sport ja völlig normal.

Stefan: Im Prinzip schafft man Normalität durch Normalität.

Ben: Im schulischen Bereich ist das was anderes, wenn Kinder mit und Kinder ohne Behinderung zusammen sind. Aber im sportlichen Bereich wollen die Kinder mit Behinderung einen Wettkampf und zwar mit ihresgleichen. Wir sagen nicht, dass es falsch ist, was andere machen. Aber wir gehen eben den Weg, den wir für richtig halten. Jeder, der etwas im Inklusionsbereich macht, ist super.

Was sind die Ziele des Team Bananenflanke für die Kinder?

Stefan: An oberster Stelle steht das positive Selbstwertgefühl und der Spaß der Kinder. Das war eine unserer ersten Beobachtungen, dass dieser Effekt – wir nennen ihn Bananenflankeneffekt – erzielt werden konnte. Zudem ist uns die Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Hinzu kommt Sozialkompetenz. Der soziale Kontakt kann durch den Fußball vereinfacht vermittelt werden. Kinder mit Behinderung kommen durch den Fußball viel einfacher ins Gespräch mit anderen. Ein weiteres Ziel ist die Förderung des Teamgedankens.

Was kann man sich unter der Bananenflankenliga vorstellen?

Ben: Im Prinzip läuft das nicht anders als bei einem „normalen“ Verein ab. Wir haben Trainingseinheiten und Spieltage. Die Liga in Regensburg besteht aus sechs Teams, die drei Spieltage austragen. „Spieltag“ bedeutet, dass es drei Veranstaltungen gibt, bei denen Punktspiele ausgetragen werden. Dadurch, dass wir im Street-Soccer-Court spielen und das meist ca. 2×8 Minuten, können pro Tag mehrere Punktspiele stattfinden. Am letzten Tag wird dann abgerechnet. Wer Erster ist, ist Bananenflankenligameister und bekommt den BFL-Teampokal überreicht.

Was hat es mit dem Round Table auf sich?

Stefan: Ein Round Table ist ein Club für Männer unter 40. Wer eintritt, hilft bei Sozialprojekten mit. Der Club besteht aus zwanzig, dreißig Leuten vor Ort. Diese suchen sich dann je ein soziales Projekt aus, das sie unterstützen. In Regensburg wurde unser Verein, Team Bananenflanke e.V., vor drei Jahren ausgewählt und unterstützt. Das läuft folgendermaßen ab: Der Club erwirtschaftet durch verschiedene Aktionen Gelder und spendet diese dann an unseren Verein. Darüber hinaus packen die Mitglieder auch bei der einen oder anderen unserer Aktionen mit an.

Wie ist es dazu gekommen, dass nun quer durch Deutschland Bananenflankenligen eingeführt werden?

In Deutschland gibt es insgesamt 220 Tische und ein sogenanntes NSP, nationales Serviceprojekt. Das bedeutet, dass ein soziales Projekt ausgewählt wird, mit dem Ziel, es großflächig in Deutschland zu verbreiten. Hierfür haben wir uns beworben und wurden ausgewählt. Seit Sommer 2015 läuft das ganze nun. Wir haben gemeinsam einen Leitfaden entworfen, der an alle Tische herangetragen wurde. Jede Stadt konnte das Projekt dann selbst durchführen oder etwas dafür spenden. Viele Städte haben inzwischen eine Bananenflankenliga eingeführt. Wir beide fahren jetzt quer durch Deutschland und sind dort bei den Elternabenden und Kick-Off-Veranstaltungen dabei. Jede Stadt hat einen eigenen e.V. gegründet. Konzeptionelle Inhalte werden zu etwa neunzig Prozent von uns aus Regensburg übernommen, der Rest hängt vom jeweiligen Ort ab. In Berlin sind die Entfernungen zum Beispiel viel größer als in Regensburg. Insgesamt wurde in rund fünfzehn Städten ein Verein gegründet.

Was war euer schönster Moment mit dem Team Bananenflanke?

Beide: Der goldene Stern. Nicht nur der Sieg an sich, sondern der ganze Wettbewerb. Die Fahrt mit den Kindern nach Berlin.

Stefan: Wir haben im April 2014 einen Elternabend wegen des Wettbewerbs gemacht und hatten zu dem Zeitpunkt noch kein einziges Kind dafür begeistern können. Ein halbes Jahr später waren wir schon innerhalb Bayerns Erster. Das ist schon irre, wie nahe alles zusammenliegt.

Ben: Unsere Herzenswunscherfüllungen waren auch superschön. Als wir Lukas Schmid seinen Traum erfüllt haben, Per Mertesacker zu treffen. Lukas kannte ich schon sehr lange und das war wirklich ein wunderbares Erlebnis für uns alle.

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Tobias Schweinsteiger (li.) und BFL-Profi Florian Sperlich (re.) jubeln. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Wer unterstützt euren Verein?

Ben: Tobias Schweinsteiger ist als Botschafter der Bananenflankenliga goldwert für uns. Eine riesen Unterstützung von Anfang an hatten wir durch den SSV Jahn. Aus dem aktuellen Regionalligakader helfen uns vor allem Markus Ziereis, Thomas Kurz und Sebastian Nachreiner. Sie haben Patenschaften für die Mannschaften übernommen. Ansonsten unterstützen uns Mario Neunaber, Ronny Philp, Philipp Ziereis und Jim-Patrick Müller sehr aktiv.

Vielen Dank für das Interview.

Beide: Bitte, sehr gern.

 

Ihr wollt noch mehr über das Team Bananenflanke erfahren?

Dann lest am besten das ausführliche Interview (zunächst Teil I) oder schaut auf den Seiten des Vereins Team Bananenflanke e.V. vorbei:

Teil I: Interview mit Ben Rückerl und Stefan Plötz

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Ben Rückerl (1. v. li.) und Stefan Plötz (1. v. re.) sind die Macher des Team Bananenflanke e.V. und haben schon so manches Unmögliche möglich gemacht. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Fußballwelt. 2012 haben Stefan Plötz und Ben Rückerl den Verein Team Bananenflanke e.V. gegründet. Der Club wurde speziell für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung geschaffen. Inzwischen gibt es sogar eine Bananenflankenliga, die in der internationalen Presse Aufmerksamkeit erlangte. Ich habe die beiden Macher getroffen und mit ihnen über die Entstehung ihrer Idee, ihr Konzept und ein paar Anekdoten gesprochen…

Ben und Stefan, wie habt ihr euch kennen gelernt?

Ben Rückerl: Wir sind beide staatlich anerkannte Heilerziehungspfleger und haben uns durch die Arbeit in einer Regensburger Einrichtung  kennen gelernt. Wir haben uns sofort verstanden, weil Stefan einen Clubschal getragen hat und ich auch Nürnbergfan bin. Da wusste ich gleich: Das ist mein „Bruder im Geiste“. Weil wir beide fußballverrückt sind, haben wir die Turniere dort organisiert. Im Internat haben wir zudem schon lose Bande mit dem SSV Jahn, vor allem mit Harry Gfreiter (ehem. Spieler und heutiger Co-Trainer des SSV Jahn; Anm. von Lisa Schatz) geknüpft. Ohne ihn wären wir nie so weit gekommen. Durch ihn haben wir mehrere Kontakte beim SSV geknüpft und schließlich Kinder mit Behinderung zu den Spielen begleitet. Bevor wir gekommen sind, hatte der SSV Jahn überhaupt keine Behindertenarbeit. Im Jahnstadion an der Prüfeninger Straße gab es keinen festgelegten Bereich für Rollstuhlfahrer. Diese sind bei den Spielen irgendwo gestanden und das ist ja nicht normal. Da sieht man, dass – nicht nur damals bei Jahn, sondern auch oft in der Gesellschaft – das „Thema Menschen mit Behinderung“ immer ganz am Ende kommt. Da schaut man einfach nicht hin. Ich will niemandem etwas unterstellen, aber für Stefan und mich ist das unser Hauptaugenmerk und deshalb sehen wir, dass andere Menschen da wegschauen. Es hat bei einigen Vereinen eine Zeitlang gedauert, bis sie verstanden haben, dass das Menschen sind, die die gleichen Bedürfnisse haben und Fußball schauen wollen. Nur, weil sie im Rollstuhl sitzen oder eine Behinderung haben, darf keine Grenze gezogen werden.

Wie ist die Idee entstanden, das Team Bananenflanke zu gründen?

Stefan Plötz: Ben hatte einen jungen Erwachsenen in der Wohngruppe, Lukas, der Hobby-Journalismus betrieben hat. Er ist immer auf Amateurfußballplätze gefahren, hat sich die Spiele angeschaut, Fotos gemacht und kleinere Berichte geschrieben. Ende des Monats hat er immer eine kleine Zeitung herausgebracht, ein geheftetes DIN-A4-Blatt. Da stand zu jedem Spiel ein Zehnzeiler drin. Er selbst hatte Zerebralparese (Bewegungsstörung) und tat sich deshalb schwer beim Schreiben und Sprechen. Uns hat er auch mal interviewt. Als wir ihn gefragt haben, was er gerne mal werden möchte, hat er uns erzählt, dass er gerne Journalist geworden wäre, aber das nicht ginge. Lukas hat angemerkt, dass er gern mal einen Profi interviewen würde. Wir haben ihm gesagt, dass wir einen Jahnspieler recht gut kennen und wir diesen für ein Interview mit ihm gewinnen könnten. Von da an kam Lukas jeden Tag bei uns vorbei und wollte wissen, ob es diesbezüglich Neuigkeiten gebe. Ich hab den Jahnspieler, Jürgen Schmid, angerufen und wir haben einen Termin vereinbart. Er hat sich wenige Tage später nochmal gemeldet und gemeint, er würde den Michi Hofmann mitbringen. Das haben andere Kinder mitbekommen und so entstand die Idee, eine größere Gruppe und eine Pressekonferenz daraus zu machen. Wir haben eine Projektgruppe gegründet und uns jede Woche getroffen. Die Kinder haben Hausaufgaben bekommen. Sie sollten Daten zu den Spielern recherchieren und herausfinden, wie eine Pressekonferenz abläuft. Sie kannten das ja nur aus dem Fernsehen. Wir haben ihr Wohnzimmer in einen Presseraum umgebaut, um sie bestmöglich vorzubereiten. Während der Projekttage haben wir einen Namen gesucht. Alles Mögliche wurde in den Raum geworfen: Schwalbe, Ecke und eben Bananenflanke. Letzterer war für uns gleich der beste. Wir hatten ein sympathisches Symbol: eine Banane mit Gesicht. Dass sie krumm ist, passt auch, weil auch im Leben nicht immer alles geradlinig läuft. Den Namen find ich unbezahlbar geil. Die Pressekonferenz ist super gelaufen. Die Jugendlichen hatten einige Bedenken, weil es ihre erste PK war. Die Spieler wussten vorher nicht, wie die Kinder reagieren, wenn sie sie auf ihre Behinderungen ansprechen. Doch die Berührungsängste waren schnell verflogen und Begegnungen auf Augenhöhe sind entstanden. Das ist auch das, was das Team Bananenflanke auszeichnet.

Ben: Wir haben die Pressekonferenz von außen beobachtet. Es war ein ganz toller Moment, als wir gesehen haben, wie sich die Grenzen vermischen und zugleich war es der Kick-Off bzw. die Geburtsstunde des Team Bananenflanke (21.3.2011). Uns war und ist es wichtig, langsam und gesund zu wachsen.

Stefan: Nach der Aktion haben wir erstmal einige Monate gar nichts gemacht. Im Herbst 2011 sind wir mit den Kindern mit Behinderung zu einem U21-Spiel nach Ingolstadt gefahren – mit Presseausweisen. Zur PK am 21.3.11 und zum Ausflug nach Ingolstadt gab es Zeitungsartikel von Claus Wotruba. Diese waren und sind unser wertvollstes Gut.

Ben: Parallel dazu ist immer etwas mit dem SSV Jahn gelaufen. Als der Verein in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist, wurden wir beide gefragt, ob wir dort als Behindertenbeauftragte mitwirken wollen. Das war für uns eine tolle Geschichte, weil wir immer unsere Bananenflanke dabei hatten. Wir haben dem Jahn geholfen und der Jahn hat uns geholfen, das ist bis heute eine Win-Win-Situation für beide Vereine, weil am Ende immer die Kinder glücklich sind. Wenn man sieht, wie der SSV Jahn sozial inzwischen aufgestellt ist, ist das sensationell. Der Verein einige Ideen von uns übernommen: Zum Beispiel werden von zweien unserer Leute Stadionführungen für Menschen mit Behinderung angeboten.

Stefan: Von März 2011 bis August 2012, als wir dann ein Verein geworden sind, gab es drei Eckpfeiler. Die erste Aktion war die Pressekonferenz, die zweite die Fahrt nach Ingolstadt und als drittes gab es eine Charity-Aktion, bei der ein Trikot von Tobias und Bastian Schweinsteiger der Haupterlös war. Nach letzterer Aktion haben wir gemerkt, wie begeistert die Menschen vom Team Bananenflanke waren und dass wir das eigenständig schaffen können. Wir wollten uns dort verwirklichen.

Ben: Inzwischen arbeiten wir freiberuflich beim Jugendamt. Das ist natürlich ein Ritt auf der Rasierklinge. Das verstehen die meisten Leute nicht. Die, die unser Projekt nicht kennen, denken, dass wir alles rund ums Team Bananenflanke hauptberuflich machen. Sie sehen uns in der Zeitung, im Fernsehen und merken, dass wir professionell arbeiten. Aber alles, was wir rund um das Team Bananenflanke machen, ist ehrenamtlich.

 

Vereinsmotto: „Fußball kennt keine Grenzen“

Wie haben die Eltern zu Beginn auf eure Idee reagiert?

Ben: Wir haben mit zwanzig Kindern angefangen. Das ganze Projekt war Neuland.

Stefan: Zu Beginn waren die Eltern skeptisch, ob die Kinder das können. Das Problem ist folgendes: Ein Kind mit einer geistigen Behinderung kommt meist nicht richtig aus einer Einrichtung heraus. Es hat dort seinen Physiotherapeuten, seinen Arzt, seine Lehrer und Psychologen und ist immer an diese eine Einrichtung gebunden. Sogar die Freizeitangebote werden zum Teil von der Einrichtung organisiert. Das ist ja alles toll, aber dadurch ist das Kind immer in den selben Mauern und wird nach außen in gewisser Weise abgekapselt.

Ben: Im Endeffekt ist eine solche Einrichtung ein Wirtschaftsunternehmen. Dem Träger geht es darum, dass die Kinder vom Kindergartenalter bis ins hohe Alter bei ihm bleiben.

Stefan: Andererseits kann man auch sagen, dass die Einrichtungen das auffangen, was die Gesellschaft nicht bietet. So einen Verein wie wir es sind, könnte es auch in anderen Bereichen geben und davon viel mehr. Aber das gibt es eben nicht und dadurch ist das ganze sehr festgefahren. Das wollten wir ändern.

Wie habt ihr die Eltern von eurem Konzept überzeugt?

Stefan: Wir haben unsere Idee auf einem Elternabend beim Jahnwirt am Kaulbachweg vorgestellt und haben sie durch unseren Enthusiasmus eingefangen. Unser Konzept mussten wir dann zunächst ein bisschen zurückschrauben, weil wir uns für das erste Jahr zu viel vorgenommen hatten. Inzwischen konnten wir alles umsetzen, was wir damals geplant hatten.

 

„30 Stunden Ehrenamt pro Woche – MINIMUM“

Wie viele Stunden pro Woche arbeitet ihr ehrenamtlich?

Ben: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Wochen, da arbeiten wir 70:30, Banane zu normaler Arbeit. Man muss im Hinterkopf behalten: Wir müssen ja auch leben.

Stefan: Wenn man von einem normalen Arbeitnehmer ausgeht, dann arbeitet der 40 Wochenstunden. Vor kurzem hab ich zum Beispiel um 23 Uhr gesagt, ich höre jetzt auf, weil es nix mehr bringt. Das wäre ins Uferlose hineingegangen.

Ben: Man switcht ständig hin- und her, mindestens fünfmal am Tag. An den Wochenenden haben wir so gut wie nie frei.

Stefan: Insgesamt sind es mindestens dreißig Stunden, die wir beide jeweils pro Woche für das Team Bananenflanke ehrenamtlich arbeiten.

Ben: Das kann aber nur der Fußball. Er ist einfach die Sportart Nummer 1. Im Fußball hat man ganz viele verschiedene Schichten von Menschen: Du hast Politiker, Millionäre, ganz normale Arbeiter, normale Leute. Das ist für uns perfekt. Wir wollen in der Zukunft hauptamtlich für das Team Bananenflanke arbeiten. Die Menschen, die uns kennen, wissen, dass wir uns überhaupt nicht verändert haben. Nach dem, welche Ausmaße das ganze angenommen hat, ist es nur logisch, dass wir diesen Schritt gehen wollen.

Stefan: Wir arbeiten im Hauptjob nicht weniger, aber das Ehrenamt hat in den vergangenen Wochen und Monaten immer mehr Zeit in Anspruch genommen.

Was motiviert euch? Habt ihr Kritiker?

Ben: Man darf nicht vergessen: Nach unserer ursprünglichen Idee soll es für Kinder mit Behinderungen normal sein können, dass sie in einem Fußballverein spielen. Das hat noch keiner zuvor geschafft. Das hat auch der DFB nicht geschafft. Wenn es einmal so sein sollte, dass wir der Anschub sind, dass die Kinder ganz normal in ihren eigenen Verein gehen können. Das ist doch das Ziel, das ist unsere Vision und die treibt uns an. Und dann finde ich es ganz normal, wenn die Leute, die das auf die Beine stellen, partizipieren.

Stefan: Unabhängig vom finanziellen, das bei uns im Moment überhaupt nicht stattfindet, gibt es auch Kritiker. Diese sagen, dass das nicht zeitgemäß ist, dass Behinderte nicht mit Behinderten zusammen in einem eigenen Verein Fußball spielen sollten. Dass wir Inklusion betreiben sollten.

 

Normalität schaffen. Durch Normalität.

Ben: Was uns von anderen unterscheidet, ist eben unser Konzept. Das zielt eben nicht auf Inklusion, beim Team Bananenflanke sollen eben nicht Behinderte und Nicht-Behinderte zusammen Fußball spielen. Unser Grundgedanke ist, die Kinder, mit der Beeinträchtigung oder Behinderung, die sie haben, in die Gesellschaft zu bringen. Und dann findet Inklusion statt. Da hat es schon einige Kritiker gegeben. Aber wir kommen aus dem Bereich. Wir haben das extra deswegen so gemacht, weil wir das wussten. Als wir in einer Einrichtung Fußballturniere organisiert haben, gab es fünf Teams und bei der Siegerehrung dann fünf Sieger. Wenn der eine 100 Tore geschossen hat und der andere minus 80, dann ist das schon ein riesen Unterschied. Dennoch werden beide Sieger genannt. Wir wollen einen ehrlichen Wettkampf: Man muss lernen, mit Niederlagen umzugehen. Auch die behinderten Kinder müssen damit umgehen. Irgendwann sind die Eltern, ist die Oma weg, die sie jetzt noch in einen Wattebausch packen. Irgendwann werden sie mit Niederlagen konfrontiert, genauso wie du und ich, und auf einmal sind sie dann völlig vor den Kopf gestoßen, damit umzugehen. In dem Umfeld, das wir aufgebaut haben, lernen sie durch den Trainer und das pädagogische Betreuungspersonal, mit Niederlagen umzugehen. Natürlich weinen sie manchmal, aber solche Emotionen sind im Sport ja völlig normal.

Stefan: Im Prinzip schafft man Normalität durch Normalität.

Ben: Im schulischen Bereich ist das was anderes, wenn Kinder mit und Kinder ohne Behinderung zusammen sind. Aber im sportlichen Bereich wollen die Kinder mit Behinderung einen Wettkampf und zwar mit ihresgleichen. Wir sagen nicht, dass es falsch ist, was andere machen. Aber wir gehen eben den Weg, den wir für richtig halten. Jeder, der etwas im Inklusionsbereich macht, ist super.

Stefan: Der Weg, Kinder mit und Kinder ohne Behinderung im Trainingsbetrieb zusammenzubringen, ist auch nicht schlecht. Wir haben uns an den Bedürfnissen der Kinder orientiert und das ist das wichtigste.

-> Coming soon… Im zweiten Teil des Interviews (erscheint am 27.4.) sprechen Ben und Stefan über die Ziele ihres Vereins, über ihre schönsten Momente mit dem Team Bananenflanke e.V. und über die Hintergründe der Bananenflankenliga.

Ronny Philp. Sein Malocherverein, Mentaltraining und soziales Engagement.

Foto: 1. FC Heidenheim 1846 e. V.
Foto: 1. FC Heidenheim 1846 e. V.

Morgen (13.30 Uhr) tritt der DSC Arminia Bielefeld beim 1. FC Heidenheim an. Dort steht seit August 2015 Ex-Jahnspieler Ronny Philp unter Vertrag. Da es in diesem Blog hauptsächlich ums Querdenken geht, wollte ich von ihm weniger zum morgigen Spiel wissen. Vielmehr hat mich interessiert, weshalb es ihm in Heidenheim so gut gefällt, was ihn dazu motiviert, sich sozial so stark zu engagieren und was er von Mentaltraining hält. Aber lest am besten selbst…

Ronny, du bist jetzt seit rund einem halben Jahr in Heidenheim. Wie hast du dich eingelebt?

Ich habe mich ganz gut eingelebt. Wir haben am Rande von Heidenheim ein schönes Haus gefunden und da fühlen wir uns sehr wohl. Hier ist es sehr ruhig und beschaulich. Wir haben einen kleinen Sohn, deshalb passt das sehr gut.

Wie wurdest du vom Team aufgenommen? War es einfach für dich, dich einzuleben oder bist du der Meinung, dass die schwäbische Mentalität doch ein bisschen anders ist als die bayerische?

Nein. Die Mannschaft hier ist vom ersten bis zum letzten Spieler top, das muss man echt sagen. Und auch bei den Neuzugängen, die jetzt im Winter gekommen sind, ging das sehr schnell. Die Jungs sind menschlich alle super. Manche Spieler kannte ich auch noch vom gegeneinander spielen aus Regensburger Zeiten (z. B. Marc Schnatterer und Tim Göhlert; Anm. von Lisa Schatz) und von daher gab es da überhaupt keine Probleme.

Inwieweit bist du mit deiner bisherigen Saisonleistung und mit deinen Einsatzzeiten zufrieden?

Ich habe letztendlich in dieser Saison mehr gespielt als in den letzten drei Jahren zusammen. Das ist natürlich positiv. Aber ich weiß, dass ich noch bei Weitem nicht auf dem Niveau bin, auf dem ich mal war. Es gibt natürlich mehrere Faktoren. Ich habe diese Saison nicht immer 90 Minuten gespielt, aber ich habe eine gute Konkurrenz auf der Position, das muss man auch sehen. Ich genieße jede Minute, die ich spielen darf. Vor allem, nachdem ich in Augsburg nicht so zum Zug gekommen bin, wie ich es mir damals gewünscht habe. Auf Grund von Nationalspieler Paul Verhaegh, der auch jede Woche seine Leistung gebracht hat, war es da auch schwer zu spielen. Trotzdem habe ich viel in Augsburg gelernt. Heidenheim wollte mich im Sommer unbedingt haben und ich bin einfach dankbar dafür, dass ich hier auch so oft spielen durfte bzw. darf. Wenn du wirklich zwei, drei Jahre lang fast immer auf der Bank oder auf der Tribüne gesessen bist, dann ist das schon eine Umstellung. Dann muss man sich auch wieder daran gewöhnen, dass man jede Woche spielt.

Wenn du auf die Zeit beim SSV Jahn und beim FC Augsburg zurückblickst: Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen der Dritten Liga und der Bundesliga? Inwiefern hat dir deine Zeit beim FC Augsburg etwas für deine sportliche und persönliche Entwicklung gebracht?

Der Schritt von Regensburg zu Augsburg war enorm. Sehr enorm sogar. Sowohl, was die Infrastruktur im Verein angeht, also das Stadion, die Zuschauer, das Umfeld, als auch das Sportliche. Das war schon ein krasser Unterschied. Auch insofern, dass die Qualität von jedem einzelnen Spieler in der Bundesliga deutlich besser ist und dass viel mehr Tempo drin ist. In der Dritten und auch in der 2. Liga gibt es schon viele Zweikämpfe. In der Bundesliga ist es meistens so, dass so schnell gespielt wird, dass man gar nicht in die Zweikämpfe reinkommt. Und zu den Offensivspielern, zur Ballannahme, zu den Dribblings und zum Tempo, das war schon ein deutlicher Unterschied zwischen der Dritten Liga und der Bundesliga. Den Schritt würde ich jederzeit wieder tun. Klar ist es ein großer Sprung, aber wann hat man schon mal das Angebot, von der Dritten Liga in die Bundesliga zu wechseln? Es gibt nicht viele Spieler, die das tun können. Deswegen bereue ich es nicht und hätte es jederzeit wieder gemacht. Die Erlebnisse, jedes einzelne Bundesligaspiel – auch, wenn es am Ende nur vierzehn waren – das waren Highlights und die werde ich auch nie wieder vergessen.

 

DER 1. FC HEIDENHEIM – EIN VEREIN DER MALOCHER

Zurück zum 1. FC Heidenheim. Welche Ziele habt ihr mit dem 1. FCH? Was ist das offizielle Ziel der Saison?

Man muss die Kirche schon im Dorf lassen. Der Verein ist jetzt das zweite Jahr in der 2. Liga und hier wächst etwas. Hier hat sich auch richtig, richtig viel getan in den letzten Jahren und es entwickelt sich auch immer weiter. Im Moment wird eine neue Geschäftsstelle gebaut und wir bekommen neue Plätze. Da tut sich sehr viel. Aber, wie gesagt, wir sind jetzt das zweite Jahr in der 2. Bundesliga und wir sind kein RB Leipzig, der da einfach durchmarschieren will. Wir sind letztes Jahr Achter geworden. Jetzt sind wir Elfter, von der Punkteausbeute so ziemlich gleich wie letztes Jahr. Wenn wir das dieses Jahr wiederholen können, dann wäre das auch ein riesen Erfolg in der zweiten Liga. Erstmal heißt es das jetzt zu stabilisieren und dann werden wir sehen, wohin es geht. Aber jetzt zu sagen 1. Bundesliga, also dafür ist es viel zu früh. Wir wollen zuerst die Liga halten, sicher im Mittelfeld, sodass wir alle eine ruhige Saison haben.

Was gefällt dir am Verein 1. FCH? Gibt es etwas, das die Fanszene, das Umfeld, besonders auszeichnet?

Im Verein ist es sehr ruhig, sehr familiär. Ich vergleiche es hier immer mit Regensburg. Der 1. FC Heidenheim ist nur auf einem höheren Niveau. Es ist alles viel moderner und noch ein bisschen neuer und größer. Aber von der familiären Stimmung her ist es ähnlich, man kennt jeden aus der Geschäftsstelle. Man ist einfach auch nah an den Mitarbeitern dran, auch an den Fans, und das ist schon schön. Die Medienpräsenz ist auch eher geringer. Das finde ich angenehmer als Spieler, weil man hier ruhig arbeiten kann. Wir haben einen Trainer, der hier seit acht oder neun Jahren Trainer ist und bis 2020 einen Vertrag hat. Das ist nicht wie bei anderen Vereinen, die zwei-, dreimal im Jahr den Trainer wechseln. Hier ist schon Konstanz drin und es macht auch Spaß. Klar, Heidenheim steht für die zwei großen Sponsoren, Voith und Hartmann. Aber ansonsten ist der 1. FCH schon interessant für die Fans und für die Stadt und das merkt man auch. Überall hängen Plakate und man sieht die Leute in der Stadt oft mit Heidenheimsachen herumlaufen. Das zeigt, dass der Verein in der Stadt viel Wertschätzung genießt und das Stadion ist jede Woche auch noch zu 90% voll. Das merkt man schon, dass die Stadt – auch, wenn sie jetzt nicht so groß ist – für den Verein lebt. Auf jeden Fall.

Wie gefällt dir die Stadt an sich?

Auf jeden Fall. Es ist wirklich ruhig und nett und überschaubar. Ansonsten kann ich jetzt nicht viel zur Innenstadt oder zum Partyleben sagen. Ich habe hier jetzt mein Familienleben am Rande von Heidenheim und genieße das zurzeit.

Dann zum Verein selbst und zur Mentalität im Verein. Mit Frank Schmidt hat sich der 1. FCH innerhalb von sechs Jahren von der Oberliga Baden-Württemberg in die 2. Bundesliga hochgerackert. Dabei ist der Kern des Teams gleich geblieben. Hast du das Gefühl, dass du das merkst, dass sich viele der Jungs und der Trainer schon sehr lange kennen und so viel zusammen erlebt haben oder ist das wie in jeder anderen Mannschaft auch?

Nein. Man merkt hier schon, dass der Verein oder auch der Trainer auf die Spieler baut. Oder eine Mannschaft hat, die immer jeden Tag 100 Prozent im Training gibt, die immer an ihre Grenzen geht und nur so kommt man auch weiter. Wenn man jeden Tag wirklich an die Grenzen geht, auf jeden Fall immer das Maximum rausholt und immer mehr erreichen will als das, was man hat. Und das lebt der Trainer vor, das muss man echt sagen. Und was man noch sagen muss: Es kommt nicht von irgendwoher, wenn man von der Landesliga oder Oberliga in den paar Jahren hoch in die zweite Liga kommt und im ersten Jahr gleich den achten Platz erreicht. Die Mentalität hier ist schon: Malocher. Jeder, egal, ob es der Spieler auf dem Platz ist, ob das der Trainer ist oder die Mitarbeiter der Geschäftsstelle, jeder macht da seinen Job zu 100 Prozent und das fordert der Verein auch. Und wenn das jeder macht, dann kommt auch das dabei heraus, was in den letzten Jahren hier entstanden ist. Wie gesagt, es ist schon so, dass die Mentalität hier dafür steht, dass harte Arbeit auch belohnt wird. Meistens.

 

 SPORTPSYCHOLOGIE, MENTALTRAINING UND DRUCK IM PROFIFUßBALL

Jetzt würde ich gerne auf einen speziellen Themenbereich eingehen, Sportpsychologie. Arbeitet ihr mit einem Sportpsychologen zusammen?

Nein, also offiziell nicht. Das habe ich aber auch mal in Fürth erlebt, dass ein Sportpsychologe fest angestellt war. Ansonsten ist es jedem Spieler selbst überlassen, ob er privat zum Sportpsychologen geht oder nicht. Aber von Vereinsseite aus ist jetzt keiner offiziell angestellt.

Was hältst du persönlich von Mentaltraining und Ähnlichem? Findest du, dass das wichtig ist und etwas bringt oder sagst du, „nee, das ist überflüssig“?

Ich halte sehr, sehr viel davon. Klar ist jeder Spieler anders. Jeder Spieler geht mit Situationen, mit Druck anders um. Aber es ist schon so, dass sehr viel im Sport – oder auch anderswo – im Kopf entschieden wird. Es gibt Spieler, die gehen mit Druck extrem um, manchen ist es komplett egal, die gehen rein, spielen vor 80.000 Zuschauern, das ist denen egal und sie spielen einfach befreit auch. Es gibt auch den anderen Teil, Spieler, die sich selbst unter Druck setzen. Ich selbst finde es wichtig, weil es für mich einfach auch dazugehört wie gute Ernährung oder ein privater Physiotherapeut. Aber das muss letztendlich jeder selbst entscheiden, ob er das machen will.

Wo liegt deines Erachtens bei euch Profis der größte Druck? Findest du, dass er eher aus der Öffentlichkeit heraus entsteht oder machen eher die Medien Druck? Oder ist der interne Konkurrenzdruck sehr groß?

In Bezug auf die Medien ist es bei jedem Spieler anders. Der eine liest vielleicht mehr Zeitung, der andere liest gar keine Zeitung, den interessiert das gar nicht. Der eine liest die Kicker-Noten, der andere liest sie nicht. Der eine nimmt es ernster, was der Trainer sagt, der andere nimmt es vielleicht nicht so ernst. Letztendlich sind es meines Erachtens viele kleine Faktoren. Schon die Medien. Bezüglich Trainer ist es vielleicht die Tabellensituation. Ich habe es in meinem letzten Halbjahr in Fürth erlebt, wie es ist, wenn du vor dem Abstieg stehst und es heißt, die Mitarbeiter werden bei Abstieg gekündigt. Dann ist es ja schon auch eine Drucksituation, die du dir selbst machst. Das ist dann auch nicht so cool. Deshalb kann ich sagen, von den Medien, vom Trainer etc., es ist von allem ein bisschen was. Manche Spieler machen sich gar keinen Druck, denen ist es nicht egal, aber sie lassen es nicht an sich herankommen, sie spielen die ganze Zeit auf. Aber ich finde, dass wir von verschiedenen Seiten Druck haben. Den meisten macht man sich immer selbst.

Bist du der Ansicht, dass sich der Druck in den vergangenen Jahren verstärkt hat?

Ja. Was ich jetzt so mitbekommen habe, ist, dass man inzwischen immer mehr Fälle hat: jetzt als Beispiele Robert Enke, oder Andreas Biermann von St. Pauli. Dass man immer wieder Fälle beobachtet hat, bei denen Depressionen entstanden sind, die sogar zum Selbstmord geführt haben. Es ist schon so, dass der Fußball immer schneller wird und dass er sehr populär ist. Ja, und überall in der Zeitung und im Fernsehen. Fußball siehst du immer, du kannst 24 Stunden etwas über Fußball lesen und hören. Es geht schon in die Richtung, dass der Druck immer größer wird. Wie vielleicht andere Leute sagen, verdienen wir genug Geld. Aber letztendlich sind wir auch nur Menschen. Aber, wie gesagt, der eine geht krasser damit um, der andere lässt das nicht so an sich heran. Da ist jeder Spieler individuell. Deswegen bin ich der Meinung, wenn ein Spieler die Hilfe braucht, dann soll er sie beanspruchen und wenn es jemandem ganz egal ist und er es ganz ausschalten und abschalten kann, dann braucht er sie halt nicht. Aber die Tendenz ist auch so. Jetzt fällt mir gerade noch ein Beispiel ein: Rafati, der Schiedsrichter. Dass es immer mehr Menschen, immer mehr Fälle gibt, die nicht mit den Drucksituationen umgehen können. Ich meine, letztendlich ist es auch nur Fußball. Klar, für viele ist es Lebensexistenz, das ist mir schon klar. Aber letztendlich ist es nur Fußball. Es gibt auch wichtigere Sachen als das, das muss man sich schon vor Augen halten.

 

SOZIALES ENGAGEMENT

Nun noch einmal ein Themenwechsel. Wenn ich an deine Zeit als Spieler beim SSV Jahn Regensburg denke, war dir soziales Engagement immer sehr wichtig. Vor allem Fans mit Behinderungen, begleitet von Ben Rückerl und Stefan Plötz (inzwischen beide Gründer des „Team Bananenflanke“), wurden von dir stark unterstützt. Inwiefern bist du derzeit sozial engagiert? Was motiviert dich dazu und was hat dich dazu motiviert?

Beim Team Bananenflanke bin ich immer noch mit dabei, gemeinsam mit Philipp Ziereis vom FC St. Pauli, Tobi Schweinsteiger, der jetzt U17-Co-Trainer beim FC Bayern ist und Jimi Müller, der bei Dynamo Dresden spielt. Die Jungs haben wir zu Regensburger Zeiten kennengelernt und was die da entwickelt haben, ist der Wahnsinn. Es ist für mich selbstverständlich, dass ich dieses Projekt unterstütze, weil es Leute mit einer Behinderung nicht so einfach haben, diese Leute aber trotzdem kämpfen und alles dafür tun, dass sie ein schönes Leben haben. Und ich als Profifußballer habe eine Vorbildfunktion. Ich will das unterstützen mit allem, was ich habe. Das, was Ben und Stefan da aufgebaut haben, ist allen Respekt wert. Wenn die Jungs meine Hilfe brauchen oder wenn ich ihnen mit Trikots eine Freude machen kann, dann helfe ich gerne. Oder wenn sie zum Spiel kommen und zuschauen wollen, dann stelle ich natürlich auch Karten zur Verfügung. Dann bin ich dabei und unterstütze das natürlich.

 

QUERGEFRAGT

Nun noch drei Entscheidungsfragen an dich…

Kaffee oder Tee? Tee.

Süßes oder Herzhaftes? Süßes.

Big City Life oder Landleben? Big City Life.

 

Zum Schluss bitte ich dich, folgende Sätze zu vervollständigen:

Mein Motto lautet… When you feel like quitting think about why you started.

Auf eine einsame Insel nehme ich folgende drei Menschen/Dinge mit… Meinen Sohn, meine Frau und meinen Hund.

Urlaub mache ich am liebsten in… Im Süden. Am liebsten irgendwo am Meer.

Wenn ich an Arminia Bielefeld denke, denke ich…an die Alm.

Das Spiel am Sonntag gegen den DSC Arminia Bielefeld endet…2:0 für uns.

 

Vielen Dank für das Interview.

Danke, kein Problem.