Teil III. Unglaublich: „629 Spiele hintereinander haben wir entweder gewonnen, unentschieden gespielt oder mit nur einem Tor Unterschied verloren“

Lassen Sie uns zu einem anderen Thema kommen. Sie haben so viele Erfahrungen gesammelt. Die Weltmeisterschaft 1991 und so weiter… Was war für Sie das schönste Erlebnis weltweit? Es ist ziemlich schwer, nur eines herauszugreifen, aber vielleicht können Sie es versuchen… Auf welches Erreichte sind sie am meisten stolz?

Ehrlich gesagt ist die Weltmeisterschaft 1991 einer der Höhepunkte, denn das gefällt mir natürlich am besten: Wir haben die Welt in ihrem eigenen Spiel geschlagen. Das ist wunderbar. Und wir haben es früh geschafft: Wir haben es bei der ersten Weltmeisterschaft geschafft. Für mich war das also ein wunderbar befriedigender Moment. Aber es gibt noch andere Dinge, über die ich mich freue. Wir haben vorhin über den Competitive Cauldron gesprochen. Ich bin sehr stolz darauf, und ich denke, das ist eine wahre Aussage. Ich glaube, in 629 aufeinander folgenden Spielen mit meiner College-Mannschaft haben wir entweder gewonnen, unentschieden gespielt oder mit nur einem Tor Unterschied verloren. Also 629 Spiele hintereinander…

Das ist unglaublich…

Anson Dorrance beobachtet seine Mannschaft. Der Trainer hat viele Ideen, wie man das Fußballspiel an sich positiv verändern kann.
Foto: Athletic Department, University of North Carolina

Das heißt, wir haben in jedem Spiel bis zur letzten Sekunde gekämpft. Was ich an dieser Statistik liebe, ist: Sie zeigt, dass man Wettkampfhärte trainieren kann. Immer wenn ich mit meinen Spielerinnen über neun verschiedene Qualitäten spreche, spreche ich über Selbstdisziplin, über Kampfgeist, über Selbstvertrauen, über die Liebe zum Ball, über die Liebe zum Spiel, zum Zuschauen, über Einsatzbereitschaft, über Trainierbarkeit und über Verbundenheit. Und Verbundenheit ist – wie beantwortest du das – ob du deine Mitspieler liebst und ob sie dich lieben. Und das Wichtigste ist bei all diesen Diskussionen in diesen neun verschiedenen Kategorien: Der Ring, der sie alle beherrscht, ist das Feuer des Wettbewerbs. Und das, worauf ich am meisten stolz bin, ist die Tatsache, dass wir 629 Spiele in Folge entweder gewonnen, unentschieden gespielt oder nur mit einem Tor Unterschied verloren haben. Das zeigt, dass wir mithalten können, denn natürlich gibt es Tage, an denen wir nicht gut gespielt haben, aber trotzdem haben wir durchgehalten. Es gab Tage, da spielten wir gegen Teams, die besser sind. Aber sie konnten nicht gegen uns in Führung gehen, und das ist für mich eine außergewöhnliche Statistik. Ich würde also sagen, die Weltmeisterschaft und diese Serie.

Im Jahr 2012 hatte meine Frau ein Autoimmunproblem und lag sozusagen im Sterben. Das Team hat sich zusammengetan, um für sie zu spielen. In den Vereinigten Staaten bekommt man natürlich einen Ring, wenn man eine nationale Meisterschaft auf Collegeniveau, aber auch auf Profiebene, gewinnt. Ich habe also 22 nationale Meisterschaften gewonnen, aber ich trage nur einen Ring: Der Ring, den ich trage, ist der Ring, den das Team für erspielt hat. (strahlt über das ganze Gesicht und zeigt mir den Ring) Auf der Innenseite des Rings steht: „Dieser Ring ist für dich, M’Liss“, denn auf dem Band, das jede Spielerin um das Handgelenk trug, stand M’Liss‘ Name drauf. Die Mannschaft kam vor dem Halbfinalspiel zu mir und sagte mir, dass sie ihr die diesjährige Meisterschaft widmen würden. Dann haben wir das Halbfinale und schließlich das Finale gewonnen. Das bedeutete für mich einfach die Welt. Ich trage also einen Meisterschaftsring. Es war der Ring, den das Team für meine kranke Frau erspielt hat. Sie hat sich erholt. Sie hatte eine Nierentransplantation und es geht ihr jetzt viel besser. Aber im Grunde würde ich sagen, die Weltmeisterschaft, die nationale Meisterschaft 2012 und dann diese Reihe von Spielen, die wir entweder gewonnen, unentschieden gespielt oder nur mit einem Tor Unterschied verloren haben.

Wow, tolle Geschichte und tolle Geste von Ihrem Team.

Internationale Eindrücke

Sie haben mir erzählt, dass Sie von Land zu Land gezogen sind. Wenn Sie über Fußball nachdenken: Gab es einen Eindruck von den Unterschieden zwischen den Kulturen, der Sie sehr stark gesprägt hat?

Ja, ich denke, was mich beeindruckt hat, ist: Ich liebe die Menschen in jedem Land, in dem wir gelebt haben. Es ist irgendwie interessant, weil ich als Katholik geboren und aufgewachsen bin. Also war ich überall, wo ich gelebt habe, auf katholischen Schulen. Die Schule, die ich in Fribourg in der Schweiz besuchte, war eine Marienschule. Die Brüder und Schwestern von Maria. Meine Erzieher, meine Professoren waren also wunderbar. Sie waren im Grunde Brüder und Priester der Gesellschaft Marias. Ich habe in meinem Leben nur zwei akademische Preise gewonnen. Der eine Preis war der Englischpreis an der St. Joseph’s Schule in Addis Abeba in Äthiopien. Das lag daran, dass ich das einzige Kind in der Klasse war, das zu Hause Englisch sprach. Es war eine katholische Schule, aber eine afrikanische Schule, und es wurde auf Englisch unterrichtet. Ich habe also den Englischpreis gewonnen. Und warum? Weil ich natürlich Englisch gesprochen habe. (wir lachen) Das Beste an diesem Preis war, dass der Mann, der mir den Preis überreichte, Haile Selassie war, der „Lion of Judah“. Für mich war es also eine außergewöhnliche Auszeichnung, die ich gewonnen hatte.

Immer, wenn mein Vater die Geschichte erzählte, wurde sie als Scherz erzählt. (lacht) Ich habe den Preis nicht gewonnen, weil ich ein besonders guter Schüler war. Sondern nur, weil ich zu Hause Englisch gesprochen habe. Also, ja, ich sprach ziemlich fließend Englisch. Der einzige andere akademische Preis, den ich gewonnen habe, war der Religionspreis der Villa St. Jean [Privatschule; Anm. von LS] in Fribourg, Schweiz. Und das war wirklich interessant: Als ich an dieser Schule war, wurde ich für das Priesteramt rekrutiert. Und was dazu gehörte: Ich führte heftige Debatten mit meinen Religionslehrern und all diesen Religionsklassen. Dabei ging es immer darum, wie man in der katholischen Kirche gerettet werden kann. Denke daran, das war in den späten 60er Jahren. Man musste irgendwie zum Katholizismus konvertieren oder – du weißt schon – seine Liebe zu Jesus Christus bekennen. Für mich war das absolut schwer zu begreifen. Denn wie sollte ein Mensch in Äquatorialafrika jemals einem Missionar begegnen, der ihn bekehren würde? Was sie mir also sagen wollten, war: Jeder, der nicht mit unserer Kirche in Berührung kommt, ist dann verdammt. Ich hatte also diese wütenden Debatten. Und es war nicht nur Äquatorialafrika. Ich meine, der Äquator trifft fast die Insel Singapur. Und die Bevölkerung von Singapur besteht im Wesentlichen aus Chinesen, Malaien und Indern.

Ich habe dort ein paar Monate gelebt und kenne Singapur sehr gut. 

Du weißt also, wovon ich spreche. Sie alle verurteilten die Person, und ich konnte es einfach nicht glauben. Und ganz plötzlich: Dieser Missionar aus der Gegend von Chapel Hill besuchte mich und meine Frau. Ich hörte mir ihre Lektionen an. Plötzlich fingen sie an, mit mir über die Taufe für den Tod zu sprechen. Und was mir am mormonischen Glauben gefiel: Sie verurteilen niemanden. Denn sie nehmen die Tatsache an. Es kann sein, dass man mit Jesus Christus oder irgendetwas anderem nicht in Berührung gekommen ist. Deshalb gibt es in unserer Kirche die Zeremonie, in der wir den Tod taufen. Man hat die Möglichkeit, sich für Christus zu entscheiden. Damit war dieses Problem für mich gelöst, über das ich früher heftige Debatten geführt hatte.

Ich habe den Religionspreis in La Villa de St. Jean gewonnen. Wie auch den Englischpreis an der St. Joseph’s School in Addis Abeba in Äthiopien. Den Religionspreis habe ich als bester Verfechter gewonnen. Was ich an meinen Religionslehrern wirklich schätzte, war folgendes: Ich weiß, dass ich in ihrem Unterricht eine absolute Nervensäge war. Sie wussten, dass ich diese Debatten und Diskussionen mit ihnen voller Leidenschaft führte. Dementsprechend war ich im Religionsunterricht stets engagiert und diskutierte die meiste Zeit mit ihnen. Und ich war gewiss nicht schüchtern und widersprach bei allem, was sie sagten und womit ich nicht einverstanden war. Dadurch lernte ich sehr viel über alle Strömungen unseres Glaubens. Aber dann konvertierte ich zur „Church of Jesus Christ of Latter-day Saints”, weil es hier einen kleinen Grundsatz gibt, nämlich dass niemand verdammt wird. Das ist der Standpunkt, den wir meiner Meinung nach in jeder aktuellen Religion einnehmen müssen. Denn du kannst sicher nachvollziehen, dass eine andere Religion, die dich verurteilt, wenn du ihr nicht angehörst, außerordentlich unzusammenhängend oder unaufrichtig ist. Kann es noch lächerlicher werden als das? 

Deshalb bin ich an die UNC [University of North Carolina; Anm. von LS] gekommen, um Philosophie zu studieren, denn für mich sind diese Debatten entscheidend. Und anders als in meinem Grundstudium in Englisch und Philosophie. Diese Elemente waren für mich also sehr wichtig, als ich aufgewachsen bin. Wie du sehen kannst, respektiere ich die Grundwerte und lehre junge Männer und Frauen, ein Leben zu führen, das von Prinzipien geprägt ist. Für mich ist das unsere Mission. Das ist unsere Aufgabe als menschliche Wesen: Einander dabei zu helfen, dass wir alle ein Leben führen, das von Prinzipien geprägt ist.

Ich bin nur beeindruckt, weil die Einflüsse aus so vielen verschiedenen Ländern wie Äthiopien und Singapur so breit gefächert sind. Wenn ich das nur vergleiche, ist es verrückt.

Gibt es auch eine lustige Geschichte, die Sie durch den Fußball erlebt haben? Vielleicht während einer Ihrer Auslandsreisen?

Normalerweise ist es eine lustige Geschichte auf Kosten eines Spielers. Ich glaube, meine Lieblingsgeschichte, als ich die Männer trainierte, ist: Natürlich ist das ein Kontaktsport. Was ich an der EPL [Premier League; Anm. von LS] im Moment hasse, ist: Jedes Mal, wenn jemand im Strafraum angeschossen wird, fällt er um, als hätte ihn ein Scharfschütze getroffen, und ich hasse die Leistung in diesen Spielen. Denn um Fußball zu spielen, muss man sehr zäh sein, und man muss ständig treffen und trainieren, und diese Leute, die im Training getroffen werden, rollen nicht sechs oder sieben Mal weiter. Um sechs oder sieben Mal eine Rolle zu machen, braucht man übrigens unglaublich viel Kraft. Glaub‘ mir also, wenn man wirklich schwer verletzt ist, macht man nicht sechs oder sieben Umdrehungen. Man rollt nur einmal und dann hört man auf. Und das ist das Problem. Was ich also nicht mag, ist, all diesen Spielern dabei zuzusehen, wie sie über den Platz rollen. Das macht mich verrückt.

Anson Dorrance’ Ideen, wie das Spiel positiv verändert werden könnte

Das kommt viel öfter bei Fußballspielen der Männer vor, oder? Das ist mein Eindruck. Frauen stehen sofort wieder auf, auch teilweise, wenn sie im Zweikampf direkt mit den Köpfen zusammengestoßen sind. Und die Männer bleiben oft am Boden liegen, obwohl nichts passiert ist. Unglaublich!

Es ist unglaublich und du hast Recht. Aber das Spiel der Frauen ist – naja, wir spielen nicht so viel wie die Männer. Das Spiel der Frauen ist ein ehrenhafteres Spiel. Ich stimme dir wirklich zu, denn ich bin angewidert von der Entwicklung des Fußballs der Männer. Ich denke, wir sollten anfangen, die Regeln zu ändern. Ich meine, wir sollten die Sündenbank einführen. Die Sündenbank ist das, was im Eishockey passiert, wenn ein gewalttätiger Spieler für zwei Minuten vom Eis genommen wird, weil er zu aggressiv war. Ich denke, wir müssen unseren Schiedsrichtern mehr Möglichkeiten geben, und wir müssen auch die Regeln für die Strafbank ändern. Denn wenn ein Spieler, der vom Tor wegdribbelt, von jemandem am Fuß erwischt wird und in der hinteren Ecke des Strafraums zusammenbricht, während er vom Tor wegdribbelt, dann gibt es einen Strafstoß. Das ist ein Elfmeter. Wollt ihr mich verarschen? Da war keine Gerechtigkeit im Spiel! Ich bin der Meinung: Damit es zu einem Elfmeter kommt, muss es eine Torchance gegeben haben. Und es muss eine Absicht des Verteidigers vorliegen!

Wie lautet Ihre Meinung zum VAR (Video Assistant Referee) in der Bundesliga?

Ich denke, er kommt der Wahrheit auf die Spur. Also, ich habe kein Problem mit dem VAR. Aber was mich stört ist die Anzahl der Elfmeter, die gegeben werden. Das sind richtige Strafstöße, die werden gewertet. Es gibt keine echte Torchance. Ich denke, das ist ein Problem für mich. Aber wir geben den Schiedsrichtern auch nicht genügend Instrumente an die Hand. Der Schiedsrichter muss in der Lage sein, einen Spieler vom Platz zu verweisen. Und er kann den Spieler aus allen möglichen Gründen vom Feld verweisen. Meiner Meinung nach ist das ein wichtiger Punkt: Der Trainer muss darüber nachdenken, was zu tun ist, und die Spieler müssen das auch tun. Jetzt sind sie also ein Mann weniger. Wie kann man das ausnutzen? Ich liebe das alles. Ich hasse Elfmeterschießen, die das Spiel entscheiden. Ich denke, wenn man in die Verlängerung gehen will, gefällt mir vor allem die amerikanische Lösung: Golden Goal. Sobald man ein Tor schießt, ist das Spiel vorbei. Man muss also nicht 30 Minuten nachspielen, um zu sehen, wer der Sieger ist. Und wenn es dann immer noch unentschieden steht, gibt es ein Elfmeterschießen – nein! Jemand schießt ein Tor, BANG, das Spiel ist vorbei. Aber ich denke auch, dass man alle fünf Minuten einen Spieler vom Feld nehmen sollte. Bei beiden Mannschaften. Und sobald die Nachspielzeit beginnt, sollte das Abseits abgeschafft werden. Nach fünf Minuten steht es dann 10 gegen 10. Nach zehn Minuten heißt es 9 gegen 9. Nach fünfzehn Minuten heißt es 8 gegen 8. Und weil das so interessant ist, würde mir Folgendes gefallen: Als Trainer würde ich gerne entscheiden, wen ich aus dem Spiel nehme und wen ich im Spiel lasse und wie meine Formationen aussehen werden, denn denk daran… Kein Abseits mehr!

Das wäre sehr interessant, ganz anders.

Das wäre ein unglaubliches Spiel, denn es geht um die Räume!

Und auch für die Zuschauenden interessant, die Trainer zu beobachten, wie sie dann entscheiden. Denn man hat den Druck. Man hat nicht viel Zeit, sich zu entscheiden!

Ja! (begeistert) Die Zuschauenden werden es lieben und sie alle werden anderer Meinung sein als der Coach. Die Kommentierenden werden sich nach dem Spiel über die Entscheidungen, die die Trainer*innen getroffen haben, auslassen. Aber auch das Spiel endet mit dem Ergebnis. Man sollte das Abseits abschaffen und es würde ein frühes Tor geben. Man sollte Spieler*innen herausnehmen, denn ich hasse Elfmeter. Ich habe so viel Zeit damit verbracht, eine arme, liebe junge Frau zu schützen, die dafür gesorgt hat, dass wir eine nationale Meisterschaft verloren haben, weil sie das Tor verfehlt hat. Es ist nicht ihre Schuld. Lasst uns einen anderen Weg finden, bei dem das Team verliert, nicht eine Spielerin. Ich hasse es einfach. Aber ich mag auch die Anzahl der Strafen nicht, die derzeit verhängt werden. Das ist lächerlich! Keine Torchance. Ich mag den Schiedsrichter, weil er der Wahrheit auf den Grund geht. Und wenn der Schiedsrichter sagt, dass der Spieler eine Schwalbe gemacht hat, möchte ich, dass er vom Platz gestellt wird, weil ich das System der gelben Karten nicht mag.

Man muss die Karten immer nachzählen. Hat der Spieler jetzt fünf Karten?

Stimmt. Denn im Grunde ist die erste gelbe Karte keine Strafe. Oder ein anderer Spieler muss aufpassen. Wenn der Spieler ein grobes Foul begeht, muss man ihn bestrafen: Schmeißt ihn vom Feld! Also ja, eine gelbe Karte bedeutet, ihn für 20 Minuten vom Feld zu nehmen.

Haben Sie schon mit dem Fußballverband gesprochen und Ihre Ideen vorgeschlagen?

Die ganze Zeit. Ich habe mit allen gesprochen, auch mit den Journalisten, und sie sind einfach anderer Meinung als ich. Sie sind altmodisch. Ich hasse das. Wir sollten die Strafbank einführen! Den Schiedsrichtern mehr Möglichkeiten geben!

Oder einfach ein Pilotprojekt machen, um es auszuprobieren und ihnen die Vorteile zu zeigen?

Nun, ich leite jeden Sommer ein Fußballcamp. Dort waren Kinder, die alle zu uns gekommen sind, und wir haben natürlich Camp-Turniere veranstaltet. Im letzten Spiel des Camps spielen sie um den 1. Platz, den 3. Platz, den 5. Platz usw. usw. Wenn es am Ende eines Spiels unentschieden stand, spielten wir in der Verlängerung ohne Abseits und mussten sofort alle fünf Minuten eine*n Spieler*in vom Platz stellen. Und wenn es dann 5 gegen 5 stand, gab es in der Regel schon ein Ergebnis.

Was haben die Spieler*innen gesagt?

Sie lieben es! Und die Eltern lieben es, denn die Spannung ist unglaublich! Kein Abseits! Keiner schreit wegen Abseits oder wegen irgendetwas anderem. Und wen lässt man auf dem Spielfeld zurück? Dann ist es wie bei den Gladiatoren. Wer sind deine Gladiatoren? Ich liebe es. Schließlich bleiben zwei Spieler*innen übrig, eine*r von jedem Team. Wer ist der Gladiator? Das sind Dinge, über die wir alle reden können. Und für mich ist es eine so einfache Lösung. Und sie beendet alles. Es ist wie beim Drei-Punkte-Wurf im amerikanischen Basketball. Der war eine großartige Ergänzung zum Basketball. Und so, ja, lasst uns den Fußball immer spannender machen. Hören wir also mit dem Elfmeterschießen auf, reden wir über den langweiligsten und schrecklichsten Moment im Spiel. Das ist furchtbar. Es macht keinen Spaß, zuzusehen. Es ist peinlich anzuschauen. Und die einzigen, die zufrieden aus dem Elfmeterschießen herausgehen, sind die, die gewinnen. Niemand freut sich über den Zweiten.

Nein, es ist furchtbar für sie.

Es ist schrecklich für sie, aber auch für die/den arme*n Spieler*in, der verschossen hat.

Ich denke da nur an Bastian Schweinsteiger im Champions-League-Finale, als sie 2012 in München verloren haben. Er sagte, dass er sehr lange darüber nachgedacht hätte.

Ich hasse das. Denn ich mag meine Spielerinnen und ich möchte nicht, dass sie dadurch eingeschüchtert werden.

Ich verstehe das. In meinen Augen ist es eine gute Idee, es auszuprobieren.

Es gibt so viel über Fußball zu reden, die ganze Zeit.

Ich stimme voll und ganz zu, dass dieses Spiel ein wunderbares Spiel ist, an dem man teilhaben kann.

Wissen Sie schon, an wen Sie das Buch weiterreichen möchten?

Ich habe das Buch bereits Madi Pry gegeben. Der Grund, warum ich es Madi gegeben habe, ist, dass Madi wegen ständiger Verletzungen nicht mehr für uns gespielt hat. Also habe ich es ihr gegeben, weil sie so schön schreibt und ich sie wirklich respektiere, und sie wird es innerhalb unseres Teams weitergeben.

Das ist großartig. Vielen Dank für Ihre Zeit.

Ich danke dir, Lisa. Ich bin begeistert von diesem Gespräch. Viel Glück für dich.

Fußball grenzenlos: Das Team Bananenflanke

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Ben Rückerl (li.) und Stefan Plötz (re.) sind die Macher des Vereins Team Bananenflanke e.V.. Alles, was sie in diesem Rahmen aufgebaut haben und machen, ist ehrenamtlich. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Regensburg. Stefan Plötz und Ben Rückerl haben ein einzigartiges Projekt auf die Beine gestellt, mit dem sie 2014 den Goldenen Stern des Sports gewonnen haben. Eine Geschichte über die Verbindung zwischen den beiden fußballbegeisterten Heilerziehungspflegern, einer Banane und Kindern und Jugendlichen mit Behinderung…

 

Die Entstehung des Vereins Team Bananenflanke e.V.

Plötz und Rückerl lernten sich durch ihre Arbeit in einer Regensburger Einrichtung kennen. Als sie einem Kind mit Behinderung ein Interview mit Ex-Jahnprofi Jürgen Schmid ermöglichen wollten, entstand die Idee, eine Pressekonferenz für Kinder und Jugendliche mit Behinderung zu organisieren. Diese lief sehr gut, weshalb weitere Aktionen dieser Art folgten. Schließlich entstand bei den beiden Engagierten der Gedanke, einen Fußballverein für junge Menschen mit Behinderung zu gründen. Auf der Suche nach einem geeigneten Namen fanden sie den Vorschlag „Bananenflanke“ am passendsten. Schließlich „läuft ja im Leben auch nicht immer alles geradlinig“, so Plötz. Seit August 2012 heißt der Verein nun „Team Bananenflanke e.V.“. Hier stehen das positive Selbstwertgefühl und der Spaß der Kinder im Vordergrund. Unter dem Motto „Fußball kennt keine Grenzen“ kommen die Kids beim Training mit anderen Kindern mit Behinderung ins Gespräch, anstatt in ihren Einrichtungen abgekapselt zu werden.

 

National am Wachsen: Die Bananenflankenliga

Doch eine Mannschaft war den beiden Fußballverrückten nicht genug. Denn bei ihrer Arbeit hatten sie mitbekommen, dass die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung einen Wettkampf wollten – und das mit ihresgleichen. Also starteten Plötz und Rückerl in Regensburg die Bananenflankenliga. Hier spielen sechs Teams an drei Spieltagen um die Meisterschaft. Gekickt wird auf einem mobilen SoccerCourt. Da Fußball keine Grenzen kennt, ist jede*r Zuschauer*in Willkommen. Die beiden Macher legen Wert darauf, dass die Spielerinnen und Spieler nicht von der Öffentlichkeit abgeschirmt werden. Am Medientag unterzeichnen die Kinder und Jugendlichen deshalb ihre Profiverträge im Presseraum der Continental Arena (der SSV Jahn kooperiert mit dem Team Bananenflanke; siehe unten). Am Ende der Saison findet ein Championsday statt, an welchem die Fußballerinnen und Fußballer im Autocorso durch die Innenstadt fahren und anschließend gemeinsam mit dem Trainer- und Betreuerteam sowie den Sponsoren feiern.

Was in Regensburg auf die Beine gestellt wurde, hat sich schnell herumgesprochen. 2014 hat der Team Bananenflanke e.V. den goldenen Stern des Sports gewonnen – und so auch die mediale Aufmerksamkeit der ganzen Nation. Diese erhält das Projekt nun abermals verstärkt, da es durch den Round Table Deutschland (siehe Interview mit Ben Rückerl und Stefan Plötz) ausgewählt und nun von verschiedenen Städten in ganz Deutschland gefördert bzw. dort in ähnlicher Form aufgebaut wird. Das bedeutet, dass es nun landesweit um die fünfzehn Vereine gibt, die sich „Team Bananenflanke“ nennen – mit dem Zusatz „Berlin“ oder „Lübeck“ etc.. Da Plötz und Rückerl die Ideen nicht ausgehen, besteht auch der (Noch-)Traum einer bundesweiten Bananenflankenliga…

 

Kooperation mit Fußballprofis

Was für die Profis der Bananenflankenliga besonders ist: Jedes Team hat einen Profifußballer als Paten. In diesem Rahmen kooperiert das Team Bananenflanke mit dem SSV Jahn. Jahnprofi Markus Ziereis, Paten-Neuzugang, ist begeistert von dem Projekt: „Für die Kids ist das natürlich eine tolle Sache.“ Er ergänzt: „Die Kinder sollen in der bestmöglichen Umgebung aufwachsen. Sie sind ja auch ganz normale Kinder, so, wie ich es früher war und wie es alle anderen Kinder sind. Das ist auch der Hauptgedanke. Das Team Bananenflanke schafft die Voraussetzungen dafür, dass sich die Kinder auch normal fühlen.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen…

 

Stimmen

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Luisa Waltner (li.) engagiert sich ehrenamtlich beim Team Bananenflanke e.V.. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Luisa Waltner (sie selbst ist Volunteer beim Team Bananenflanke, ihr Bruder Niki ist BFL-Profi) über Nikis Entwicklung als Bananenflanker: „Wir sind seit 2014 dabei. Der Nicki hat Trisomie 21. Er hat bei uns im Dorf angefangen Fußball zu spielen, das ging aber gar nicht, weil er nicht so viel Kraft hatte wie die anderen Kinder. Beim Team Bananenflanke spielt er mit Kindern zusammen, die er von der Schule her kennt. Durch den Verein ist er reifer geworden und er hat dadurch gelernt, dass es nur Miteinander geht. Dass man nicht nur aufs Tor ballert und hofft zu treffen, sondern, dass es ums Zuspielen geht.“

 

Evi Glaser (ihr Sohn Florian ist BFL-Profi) über die Kontaktaufnahme zu Ben Rückerl und Stefan Plötz sowie über Florians Start im Team Bananenflanke: „Das war überhaupt kein Problem, nachdem Ben und Stefan so unkompliziert auf die Jungs zugehen und er ja sehr, sehr viele Kinder schon von der Schule her kannte und ich viele Eltern aus der Elternrunde Down-Syndrom. Florian freut sich immer riesig, wenn er seine Freunde trifft.“

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Thomas Kurz (li.) und Philipp Ziereis (re.) unterstützen das Team Bananenflanke. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Thomas Kurz (Profi des SSV Jahn Regensburg) über Stefan Plötz und Ben Rückerl: „Ben und Stefan sind mit Herzblut dabei, sie wissen genau was sie machen und das kommt einfach verdammt gut an. Ich find’s super, mit welchem Engagement und Eifer sie das machen und die Leute wirklich immer wieder aufs Neue überraschen. Das ist einfach eine gute Geschichte und ich denke, das sind einfach die zwei richtigen für dieses Projekt.“

Thomas Kurz über das Projekt: „Ben und Stefan kenne ich seit 2011. Ich war von Anfang an begeistert davon, was die beiden auf die Beine stellen. Zum einen sehe ich beim Training, wie viel Spaß die Kids haben und zum anderen auch, wenn wir Aktionen wie zum Beispiel Stadionführungen für sie machen.“

Korbinian
BFL-Spieler Korbinian Körbl freut sich über den Gewinn des BFL-Teampokals. Foto: Herbert Körbl

Herbert Körbl (Vater von BFL-Profi Korbinian) über den Verein: „Ich sage ‚Hut ab‘ zu dem, was Stefan und Ben da aufgebaut haben. Wir sind wie eine Familie. Es ist sensationell, wie sich Korbinian durch das Team Bananenflanke weiterentwickelt hat. Vorher war er sehr schüchtern, das hat sich inzwischen geändert. Einmal durfte er im Jahnstadion auf den Rasen, das war für ihn eine riesen Sache. Neben dem Fußball sind wir auch immer sehr gerne im Bananenkistl (vereinseigene Kreativwerkstatt).“

Markus Ziereis über das Team Bananenflanke: „Das ist natürlich schon beeindruckend. Ben und Stefan hatten die Idee und haben das einfach alles durchgezogen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Zeit die beiden in das Projekt investieren. Es ist klasse, wie sie sich weiterentwickeln, wie gut sie organisiert sind und wie sie das Projekt und den Grundgedanken mittlerweile in ganz Deutschland verbreiten.“

-> Im Interview geben Rückerl und Plötz einen genaueren Einblick über das Projekt…

  • Das Kurzinterview könnt ihr hier lesen.
  • Wer sich genauer für die Hintergründe des Team Bananenflanke e.V. interessiert, findet das ausführliche Interview (Teil I) unter diesem Link.

-> Hier findet ihr genauere Informationen zum Team Bananenflanke e.V.:

Kurzinterview mit den Machern des Team Bananenflanke e.V.

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Stefan Plötz (1. v. li.), Ben Rückerl (1. v. re.) und BFL-Profi Tobias Kessel freuen sich über den Goldenen Stern des Sports. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Fußballwelt. 2012 haben Stefan Plötz und Ben Rückerl den Verein Team Bananenflanke e.V. gegründet. Der Club wurde speziell für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung geschaffen. Inzwischen gibt es sogar eine Bananenflankenliga, die in der internationalen Presse Aufmerksamkeit erlangte. Ich habe die beiden Macher getroffen und mit ihnen über die Entstehung ihrer Idee, ihr Konzept und ein paar Anekdoten gesprochen…

Ben und Stefan, wie habt ihr euch kennen gelernt?

Ben Rückerl: Wir sind beide staatlich anerkannte Heilerziehungspfleger und haben uns durch die Arbeit in einer Regensburger Einrichtung  kennen gelernt. Wir haben uns sofort verstanden, weil Stefan einen Clubschal getragen hat und ich auch Nürnbergfan bin. Da wusste ich gleich: Das ist mein „Bruder im Geiste“.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, das Team Bananenflanke zu gründen?

Stefan Plötz: Ben hatte einen jungen Erwachsenen in der Wohngruppe, Lukas, der Hobby-Journalismus betrieben hat. Er ist immer auf Amateurfußballplätze gefahren, hat sich die Spiele angeschaut, Fotos gemacht und kleinere Berichte geschrieben. Ende des Monats hat er immer eine kleine Zeitung herausgebracht, ein geheftetes DIN-A4-Blatt. Da stand zu jedem Spiel ein Zehnzeiler drin. Er selbst hatte Zerebralparese (Bewegungsstörung) und tat sich deshalb schwer beim Schreiben und Sprechen. Uns hat er auch mal interviewt. Als wir ihn gefragt haben, was er gerne mal werden möchte, hat er uns erzählt, dass er gerne Journalist geworden wäre, aber das nicht ginge. Lukas hat angemerkt, dass er gern mal einen Profi interviewen würde. Bald entstand die Idee, eine Pressekonferenz mit Jahnspielern und Kindern und Jugendlichen mit Behinderung zu organisieren. Der Vereinsname „Team Bananenflanke e.V.“ entstand bei einem Vorbereitungstreffen mit den Kindern. Die Pressekonferenz ist super gelaufen. Sowohl die Jugendlichen als auch die Spieler hatten vorher bedenken. Die Heranwachsenden wussten nicht, was auf sie zukommt, weil es ihre erste PK war. Die Spieler konnten vorher nicht einschätzen, wie die Kinder reagieren, wenn sie sie auf ihre Behinderungen ansprechen. Doch die Berührungsängste waren schnell verflogen und Begegnungen auf Augenhöhe sind entstanden. Das ist auch das, was das Team Bananenflanke auszeichnet.

Ben: Wir haben die Pressekonferenz von außen beobachtet. Es war ein ganz toller Moment, als wir gesehen haben, wie sich die Grenzen vermischen und zugleich war es der Kick-Off bzw. die Geburtsstunde des Team Bananenflanke (21.3.2011). Uns war und ist es wichtig, langsam und gesund zu wachsen.

Stefan: Nach der Aktion haben wir erstmal einige Monate gar nichts gemacht. Im Herbst 2011 sind wir mit den Kindern mit Behinderung zu einem U21-Spiel nach Ingolstadt gefahren – mit Presseausweisen. Zur PK am 21.3.11 und zum Ausflug nach Ingolstadt gab es Zeitungsartikel von Claus Wotruba. Diese waren und sind unser wertvollstes Gut.

Stefan: Von März 2011 bis August 2012, als wir dann ein Verein geworden sind, gab es drei Eckpfeiler. Die erste Aktion war die Pressekonferenz, die zweite die Fahrt nach Ingolstadt und als drittes gab es eine Charity-Aktion, bei der ein Trikot von Tobias und Bastian Schweinsteiger der Haupterlös war. Nach letzterer Aktion haben wir gemerkt, dass wir das eigenständig schaffen können. Wir wollten uns dort verwirklichen.

 

Vereinsmotto: „Fußball kennt keine Grenzen“

Wie haben die Eltern zu Beginn auf eure Idee reagiert?

Stefan: Anfangs waren die Eltern skeptisch, ob die Kinder das können. Das Problem ist folgendes: Ein Kind mit einer geistigen Behinderung kommt meist nicht richtig aus einer Einrichtung heraus. Es hat dort seinen Physiotherapeuten, seinen Arzt, seine Lehrer und Psychologen und ist immer an diese eine Einrichtung gebunden. Sogar die Freizeitangebote werden zum Teil von der Einrichtung organisiert. Das ist ja alles toll, aber dadurch ist das Kind immer in den selben Mauern und wird nach außen in gewisser Weise abgekapselt.

Wie habt ihr die Eltern von eurem Konzept überzeugt?

Stefan: Wir haben unsere Idee auf einem Elternabend beim Jahnwirt am Kaulbachweg vorgestellt und haben sie durch unseren Enthusiasmus eingefangen. Unser Konzept mussten wir dann zunächst ein bisschen zurückschrauben, weil wir uns für das erste Jahr zu viel vorgenommen hatten. Inzwischen konnten wir alles umsetzen, was wir damals geplant hatten.

 

„30 Stunden Ehrenamt pro Woche – MINIMUM“

Wie viele Stunden pro Woche arbeitet ihr ehrenamtlich?

Ben: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Wochen, da arbeiten wir 70:30, Banane zu normaler Arbeit. Man muss im Hinterkopf behalten: Wir müssen ja auch leben.

Stefan: Wenn man von einem normalen Arbeitnehmer ausgeht, dann arbeitet der 40 Wochenstunden. Vor kurzem hab ich zum Beispiel um 23 Uhr gesagt, ich höre jetzt auf, weil es nix mehr bringt. Das wäre ins Uferlose hineingegangen.

Ben: Man switcht ständig hin- und her, mindestens fünfmal am Tag. An den Wochenenden haben wir so gut wie nie frei.

Stefan: Insgesamt sind es mindestens dreißig Stunden, die wir beide jeweils pro Woche für das Team Bananenflanke ehrenamtlich arbeiten.

 

Normalität schaffen. Durch Normalität.

Ben: Was uns von anderen unterscheidet, ist eben unser Konzept. Das zielt eben nicht auf Inklusion, beim Team Bananenflanke sollen eben nicht Behinderte und Nicht-Behinderte zusammen Fußball spielen. Unser Grundgedanke ist, die Kinder, mit der Beeinträchtigung oder Behinderung, die sie haben, in die Gesellschaft zu bringen. Und dann findet Inklusion statt. Da hat es schon einige Kritiker gegeben. Aber wir kommen aus dem Bereich. Wir haben das extra deswegen so gemacht, weil wir das wussten. Als wir in einer Einrichtung Fußballturniere organisiert haben, gab es fünf Teams und bei der Siegerehrung dann fünf Sieger. Wenn der eine 100 Tore geschossen hat und der andere minus 80, dann ist das schon ein riesen Unterschied. Dennoch werden beide Sieger genannt. Wir wollen einen ehrlichen Wettkampf: Man muss lernen, mit Niederlagen umzugehen. Auch die behinderten Kinder müssen damit umgehen. Irgendwann sind die Eltern, ist die Oma weg, die sie jetzt noch in einen Wattebausch packen. Irgendwann werden sie mit Niederlagen konfrontiert, genauso wie du und ich, und auf einmal sind sie dann völlig vor den Kopf gestoßen, damit umzugehen. In dem Umfeld, das wir aufgebaut haben, lernen sie durch den Trainer und das pädagogische Betreuungspersonal, mit Niederlagen umzugehen. Natürlich weinen sie manchmal, aber solche Emotionen sind im Sport ja völlig normal.

Stefan: Im Prinzip schafft man Normalität durch Normalität.

Ben: Im schulischen Bereich ist das was anderes, wenn Kinder mit und Kinder ohne Behinderung zusammen sind. Aber im sportlichen Bereich wollen die Kinder mit Behinderung einen Wettkampf und zwar mit ihresgleichen. Wir sagen nicht, dass es falsch ist, was andere machen. Aber wir gehen eben den Weg, den wir für richtig halten. Jeder, der etwas im Inklusionsbereich macht, ist super.

Was sind die Ziele des Team Bananenflanke für die Kinder?

Stefan: An oberster Stelle steht das positive Selbstwertgefühl und der Spaß der Kinder. Das war eine unserer ersten Beobachtungen, dass dieser Effekt – wir nennen ihn Bananenflankeneffekt – erzielt werden konnte. Zudem ist uns die Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Hinzu kommt Sozialkompetenz. Der soziale Kontakt kann durch den Fußball vereinfacht vermittelt werden. Kinder mit Behinderung kommen durch den Fußball viel einfacher ins Gespräch mit anderen. Ein weiteres Ziel ist die Förderung des Teamgedankens.

Was kann man sich unter der Bananenflankenliga vorstellen?

Ben: Im Prinzip läuft das nicht anders als bei einem „normalen“ Verein ab. Wir haben Trainingseinheiten und Spieltage. Die Liga in Regensburg besteht aus sechs Teams, die drei Spieltage austragen. „Spieltag“ bedeutet, dass es drei Veranstaltungen gibt, bei denen Punktspiele ausgetragen werden. Dadurch, dass wir im Street-Soccer-Court spielen und das meist ca. 2×8 Minuten, können pro Tag mehrere Punktspiele stattfinden. Am letzten Tag wird dann abgerechnet. Wer Erster ist, ist Bananenflankenligameister und bekommt den BFL-Teampokal überreicht.

Was hat es mit dem Round Table auf sich?

Stefan: Ein Round Table ist ein Club für Männer unter 40. Wer eintritt, hilft bei Sozialprojekten mit. Der Club besteht aus zwanzig, dreißig Leuten vor Ort. Diese suchen sich dann je ein soziales Projekt aus, das sie unterstützen. In Regensburg wurde unser Verein, Team Bananenflanke e.V., vor drei Jahren ausgewählt und unterstützt. Das läuft folgendermaßen ab: Der Club erwirtschaftet durch verschiedene Aktionen Gelder und spendet diese dann an unseren Verein. Darüber hinaus packen die Mitglieder auch bei der einen oder anderen unserer Aktionen mit an.

Wie ist es dazu gekommen, dass nun quer durch Deutschland Bananenflankenligen eingeführt werden?

In Deutschland gibt es insgesamt 220 Tische und ein sogenanntes NSP, nationales Serviceprojekt. Das bedeutet, dass ein soziales Projekt ausgewählt wird, mit dem Ziel, es großflächig in Deutschland zu verbreiten. Hierfür haben wir uns beworben und wurden ausgewählt. Seit Sommer 2015 läuft das ganze nun. Wir haben gemeinsam einen Leitfaden entworfen, der an alle Tische herangetragen wurde. Jede Stadt konnte das Projekt dann selbst durchführen oder etwas dafür spenden. Viele Städte haben inzwischen eine Bananenflankenliga eingeführt. Wir beide fahren jetzt quer durch Deutschland und sind dort bei den Elternabenden und Kick-Off-Veranstaltungen dabei. Jede Stadt hat einen eigenen e.V. gegründet. Konzeptionelle Inhalte werden zu etwa neunzig Prozent von uns aus Regensburg übernommen, der Rest hängt vom jeweiligen Ort ab. In Berlin sind die Entfernungen zum Beispiel viel größer als in Regensburg. Insgesamt wurde in rund fünfzehn Städten ein Verein gegründet.

Was war euer schönster Moment mit dem Team Bananenflanke?

Beide: Der goldene Stern. Nicht nur der Sieg an sich, sondern der ganze Wettbewerb. Die Fahrt mit den Kindern nach Berlin.

Stefan: Wir haben im April 2014 einen Elternabend wegen des Wettbewerbs gemacht und hatten zu dem Zeitpunkt noch kein einziges Kind dafür begeistern können. Ein halbes Jahr später waren wir schon innerhalb Bayerns Erster. Das ist schon irre, wie nahe alles zusammenliegt.

Ben: Unsere Herzenswunscherfüllungen waren auch superschön. Als wir Lukas Schmid seinen Traum erfüllt haben, Per Mertesacker zu treffen. Lukas kannte ich schon sehr lange und das war wirklich ein wunderbares Erlebnis für uns alle.

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Tobias Schweinsteiger (li.) und BFL-Profi Florian Sperlich (re.) jubeln. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Wer unterstützt euren Verein?

Ben: Tobias Schweinsteiger ist als Botschafter der Bananenflankenliga goldwert für uns. Eine riesen Unterstützung von Anfang an hatten wir durch den SSV Jahn. Aus dem aktuellen Regionalligakader helfen uns vor allem Markus Ziereis, Thomas Kurz und Sebastian Nachreiner. Sie haben Patenschaften für die Mannschaften übernommen. Ansonsten unterstützen uns Mario Neunaber, Ronny Philp, Philipp Ziereis und Jim-Patrick Müller sehr aktiv.

Vielen Dank für das Interview.

Beide: Bitte, sehr gern.

 

Ihr wollt noch mehr über das Team Bananenflanke erfahren?

Dann lest am besten das ausführliche Interview (zunächst Teil I) oder schaut auf den Seiten des Vereins Team Bananenflanke e.V. vorbei: