Interview mit Kim Krämer und Uli Hofmann vom FC Bayern-Fanclub Rollwagerl 93 e.V.

In der aktuellen Ausgabe des BBAG-Magazins habe ich einen Artikel über den Rollwagerl 93 e.V. veröffentlicht. Da die Themen „behindertenfreundliche Stadionausstattung“ und „Tickets für Fans mit Behinderung“ sehr bedeutend und vielseitig sind, habe ich mich entschieden, noch ein ausführliches Interview mit dem aktuellen und ehemaligen Fanclub-Vorsitzenden Kim Krämer und Uli Hofmann zu führen. Im Folgenden erfahrt ihr also noch mehr über den Rollwagerl 93 e.V….

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Kim Krämer (l.) und Uli Hofmann sprachen mit mir über den Rollwagerl 93 e.V. und darüber, was andere Bundesligisten bzgl. ihrer behindertengerechten Stadioneinrichtung noch verbessern können. Foto: Lisa Schatz

Lisa Schatz: Servus Kim und Uli, in eurem zweiten Zuhause, der Allianz Arena. Bitte beschreibt zunächst einmal euren Fanclub. Was zeichnet den Rollwagerl 93 e.V. aus?

Kim Krämer: Unser Fanclub ist wie eine Familie. Man ist mittendrin statt nur dabei. Bei uns ist es so: Wenn jemand etwas machen will, dann versuchen wir, denjenigen ins Boot zu holen. Ersen Tekin, unser TV-Melder, wollte etwas machen. Wir haben also eine Seite auf unserem Internetauftritt installiert, auf der er eingeben kann, wann und wo die Spiele des FC Bayern bzw. deren Zusammenfassungen übertragen werden. Zudem sind wir einer der zwei größten Behinderten-Fußballfanclubs in Europa. Der MUDSA (Manchester United Disabled Supporters‘ Association) hat aktuell (Stand: 10.02.2019) auch ca. 900 Mitglieder.

Uli Hofmann: Der Rollwagerl 93 e.V. ist eine wichtige Ergänzung in der Fanszene und für den FC Bayern an sich, weil die Damen und Herren dort nicht wissen können, worauf es ankommt. Wenn irgendetwas gemacht werden muss, was die Rollstuhlfahrer betrifft, kannst du fragen, wen du willst beim FC Bayern: Jeder verweist mittlerweile auf uns. Da halten sie sich komplett raus. Das ist ein guter Vertrauensbeweis.

Lisa Schatz: Könntest du bitte ein konkretes Beispiel nennen, um das den Leser*innen genauer zu verdeutlichen, Uli?

Uli Hofmann: Bis hin zum Klopapier haben wir uns um alles gekümmert. Diese Haltebügel links und rechts an den Behindertentoiletten mit dem angebauten Klorollenhalter haben den Vorteil, dass sie mit einer einzigen Hand bedient werden können, ohne dass das Papier herunterfällt und wegrollt. Diese Klorollenhalter wurden angebracht, da manche Menschen mit Behinderung Einschränkungen in der Fingerfunktion haben. Zwischendurch wurden große „Turborollen“ verwendet, wie sie auf den Standard-Toiletten üblich sind. Diese zeichnen sich jedoch durch einen großen Durchmesser und passen nicht auf diese speziellen Klorollenhalter. Diese Rollen kann man auf den gängigen Toiletten hernehmen, nicht aber auf den Behindertentoiletten. Die zuständigen Bediensteten haben anfangs gefühlte sieben Kilometer abgerollt, bis die jeweilige Rolle zunächst darauf passte. Das nutzte aber nichts, weil die inliegende Papprolle einen größeren Durchmesser hatte als die Steckvorrichtung. Somit konnten die Menschen mit der entsprechenden Einschränkung das Klopapier nicht einhändig abrollen. Außerdem fiel die Rolle mangels Halt ständig auf den Boden. Wir haben dann erfolgreich das Gespräch mit den Entscheidungsträgern gesucht. Heute wird nur noch geeignetes Klopapier (d.h. Standard-Rollen) dafür verwendet.

Lisa Schatz: Wie ist es mit den anderen Stadien?

Kim Krämer: Mit der „Toilette für alle“ sind in Deutschland nur die Allianz Arena, die Wirsol Rhein-Neckar-Arena und die Mercedes-Benz Arena ausgestattet. Wichtig für uns ist natürlich auch die Sicht aufs Spielfeld und die Anzahl der Plätze. In Hoffenheim beispielsweise wäre eigentlich alles in Ordnung, aber dort sitzen Menschen direkt vor dir. Sie stehen oft auf und dann sieht man nichts mehr. Ein großes Problem ist zudem: Wenn bei Auswärtsfahrten die zehn-Prozent-Regel gilt, dann stünden uns in Hoffenheim nur vier Tickets zu. Deshalb müssen wir immer mit dem jeweiligen Behindertenfanbeauftragten sprechen, ob man nicht noch Tickets dazu nehmen kann. Es wäre schließlich schwierig, eine Fahrt mit einem Reisebus zu machen, und nur vier oder fünf Rollifahrer mitnehmen zu können. Da ist Berlin natürlich erste Sahne. Im dortigen Olympiastadion sind alle Rollstuhlfahrerplätze im Block der Gastmannschaft. Das heißt, da bekommt Bayern dann an die 30. Berlin ist für uns also immer ganz toll. Dorthin haben wir schon Fahrten mit zwei Reisebussen gemacht. Die Planung ist immer enorm aufwendig für vier Tage. Auch finanziell, wo wir inzwischen ein super Netzwerk zu Sponsoren und zum Sozialreferat aufgebaut haben. Der FC Bayern und die Allianz Arena sowie der AUDI-Fanclub FC Bayern und Rehability sponsern uns. Zudem zahlt unser langjährigster und größter Unterstützer Raimond Aumann auch noch einen Bus. In einen Bus passen zehn bis elf Rollifahrer, je nachdem, wie er ausgestattet ist.

Uli Hofmann: In Bezug auf die Sicht aufs Feld sind wir in München wirklich Vorreiter.

Wenn man nach Dortmund blickt: Dort wurde immer wieder nachgerüstet. Zum Beispiel für die WM 2006. Damals wurden neue VIP-Zonen und eine neue Ebene für die Presseplätze errichtet. Aber für Rollstuhlfahrer ist immer alles gleich geblieben. Das Stadion hat 81.000 Sitzplätze, davon sind 72 Rolliplätze. Das sind weniger als 0,1 Prozent. Ein Armutszeugnis.

Oder auch Schalke. Das Stadion in Gelsenkirchen ist noch relativ neu. Darin sieht ein Rollifahrer aber nichts, wenn die Fans vor ihm aufspringen. Es herrscht nach wie vor sehr viel Nachholbedarf, egal, wohin man blickt.

Lisa Schatz: Wie sieht es mit Hoffenheim aus?

Uli Hofmann:. Dort ist die Situation ähnlich wie in Berlin. Obwohl Dietmar Hopp sozial engagiert ist und auch eine Stiftung hat, wurde beim Neubau des Stadions einiges versäumt: Man sieht auch hier nichts vom Spielgeschehen, wenn die Zuschauer vor einem kollektiv aufspringen! Bei unserer ersten Auswärtsfahrt dorthin habe ich nichts vom Tor gesehen. Wenn da ein Tor gefallen ist, und die Fans vor mir aufgesprungen sind, habe ich nur den Jubel gehört. Ich war total frustriert. Beim nächsten Mal hat deren Behindertenbeauftragter persönlich mit den Fans in der Reihe vor uns Kontakt aufgenommen und sie gebeten, sitzen zu bleiben, damit wir etwas sehen. Das hat sehr gut funktioniert.

Lisa Schatz: Lasst uns zu eurem Fanclub kommen. Wer kann bei euch Mitglied werden und wie funktioniert das?

Kim Krämer: Bei uns kann jeder Mitglied werden, inzwischen sogar online. Man kann eine Online-Maske ausfüllen und ist dann direkt im System registriert. Im Anschluss erhält man eine Benachrichtigung per E-Mail.

Lisa Schatz: Nun zu eurem Ticketingsystem. Wie wurden die Tickets früher vergeben und wie hat sich das Ganze entwickelt?

Kim Krämer: Unser Fanclub wurde ja auf Grund der schlechten Kartenverteilung gegründet. Das erste Ticketingsystem von Peter Czogalla war rein telefonisch. Das war eine Katastrophe für seine Frau, weil das Telefon den ganzen Tag klingelte. 2005 hat Uli Hofmann den Vereinsvorsitz und das Ticketing übernommen. Er hat eingeführt, dass die Bestellung der Tickets nur noch per Anrufbeantworter, Fax, E-Mail und Post läuft. Ich habe das Ganze dann 2008 fortgeführt. Zunächst habe ich nichts verändert,  dann jedoch an einem Konzept gearbeitet, dass wir online und automatisiert Tickets anbieten können. Das steht jetzt. Wir sind nun der erste Fanclub eines Bundesligisten, der Online-Ticketing speziell für Menschen mit Behinderung anbietet. Auch keiner der Bundesligavereine selbst macht dies.

Lisa Schatz: Wie läuft euer Online-Ticketing im Detail ab?

Kim Krämer: Die Bestellfrist startet einen Monat vor dem Spieltag und endet zwei Wochen vor dem Spieltag. In diesen zwei Wochen kann man sich online bewerben.  Wer Mitglied ist, muss einfach auf unsere Ticketingseite gehen, dort seinen Namen und seine Mitgliedsnummer eingeben. Wenn man seine Bestellung abgeschickt hat, erhält man direkt im Browser eine Nachricht: „Ihre Auftragsnummer ist XY. Sie werden rechtzeitig informiert“. Der Kunde sitzt am PC, schickt seine Bewerbung ab, und wir haben zeitgleich die Anfrage als Kundenauftrag im System. In dem Ticketingsystem „add on“ von SAP Business One, das 5.500 € gekostet hat, sind alle Heimspiele verzeichnet mit jeweils 50 Tickets auf der Ost- und auf der Westseite in der Allianz Arena. Ich kann diese dann zuweisen und sehe direkt, ob jemand die letzten drei Heimspiele schon gesehen hat, oder zwei davon. Umso mehr jemand von den vergangenen drei Heimspielen gesehen hat, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass derjenige eine Absage für das folgende bekommt. Hat man im vergangenen Spiel eine Absage erhalten, ist es in der Regel so, dass man für das darauf folgende Spiel wieder eine Zusage bekommt. Es sei denn, es geht auf das Ende des Jahres zu, und Dortmund und Real Madrid spielen beispielsweise hintereinander in der Allianz Arena. Die Karten für diese Gegner sind sehr gefragt. Dann kann es passieren, dass jemand zwei Absagen hintereinander erhält. Das System wird sehr gut angenommen: Aktuell kommen noch ca. fünf Bestellungen pro Spiel per E-Mail, der Rest macht alles online.

Lisa Schatz: Wie viele Anfragen habt ihr in etwa pro Spiel vorliegen und wie viele Plätze könnt ihr vergeben?

Kim Krämer: Wir sind immer ausgebucht. Sollten einmal nicht alle Tickets an unsere Mitglieder vergeben worden sein, so stehen wir mit Einrichtungen in Kontakt, von deren Seite Interesse besteht, und an die wir die Tickets dann verteilen. Insgesamt gibt es in der Allianz Arena 227 Plätze für Menschen mit Behinderung. Davon hat der Rollwagerl-Fanclub 100. Den Rest verwaltet der FC Bayern.

Lisa Schatz: Unternehmt ihr auch Fahrten zu Auswärtsspielen?

Kim Krämer: Wir versuchen immer, wenn es finanziell machbar ist, mehrtägige Auswärtsfahrten zu machen und im Rahmen der Reisen ein Kulturprogramm anzubieten. Das ist uns sehr wichtig: Nicht nur Fußball, sondern auch Kultur. Wir haben Mitglieder, die im Heim wohnen, in der Lebenshilfe. Für sie sind die Fahrten von großer Bedeutung, um aus ihrem Alltag und der Isolation herauszukommen, und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Auf den Fahrten können sie sich gemeinsam freuen und auch zusammen trauern. Das ist zudem ein prägender Punkt hinsichtlich unserer Gemeinnützigkeit. Allein durch die Vergabe von Heimspieltickets wird man nicht gemeinnützig, sondern wegen solchen Auswärtsfahrten.

Lisa Schatz: Wo wart ihr bislang und wie lief das Ganze ab?

Kim Krämer: Unsere erste inklusive Auswärtsfahrt haben wir nach Hoffenheim gemacht. Zuvor hatte ich eine Schulung zum Thema „Kompetent für Inklusion“ begonnen und wir hatten den Auftrag, eine Projektarbeit zu machen. Hier entstand die Idee. Wir hatten schon Erfahrung mit Auswärtsfahrten, aber noch nicht mit inklusiven. Bei dieser Fahrt hatten wir Gehörlose dabei und eine syrische Familie – ein ganz schwerer Fall – mit Folter. Für die Gehörlosen hatten wir eine Dolmetscherin, die immer abends zu unserer Gesprächsrunde ins Hotel kam. Wir waren auch im Technikmuseum in Sinsheim und hatten zudem ein Treffen mit dem integrativen Fanclub der TSG Hoffenheim im alten Dietmar-Hopp-Stadion. Daran haben auch Raimond Aumann und zwei Profis von Hoffenheim teilgenommen. Seitdem machen wir ausnahmslos inklusive Auswärtsfahrten. Unser nächstes Ziel ist Düsseldorf.

Lisa Schatz: Wie viele Auswärtsfahrten macht ihr pro Saison?

Kim Krämer: In der Regel zwei. Auf Grund der Softwareeinführung haben wir jetzt zwei Jahre hintereinander jeweils nur eine gemacht und eine Tagesfahrt. Die Tagesfahrten sind immer abhängig von Stuttgart und Nürnberg. Wenn die nicht in der Liga sind, können wir keine Tagesfahrten machen.

Lisa Schatz: Welche Schwierigkeiten oder Hürden sind bisher hinsichtlich eurer Auswärtsfahrten aufgetreten?

Kim Krämer: Bei uns ist immer alles ins Detail geplant. Während den Fahrten ist meist alles in Ordnung. Jedoch gestaltet sich die Planung als schwierig: Man muss sich direkt an dem Tag, an dem der Spielplan herauskommt, die Spiele heraussuchen, zu denen man auswärts fahren will. Dann wird gleich das Hotel angefragt. Damit ist der Großteil erledigt. Anschließend werden die Einladungen verschickt, die Rückmeldungen ausgewertet und die jeweiligen Zu- und Absagen versandt. Daraufhin werden das Essen bzw. die Restaurants organisiert oder reserviert. Im Anschluss stelle ich das Programm zusammen. Was auch wichtig ist: Zu prüfen, ob an dem Spieltag eine Messe in der Stadt stattfindet. Wichtig sind vor allem auch unsere 20 bis 25 ehrenamtlichen Helfer, die uns auch bei den Auswärtsfahrten, beim Einkaufen und Brötchen schmieren für die Busfahrt usw. unterstützen.

Lisa Schatz: Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem FC Bayern, wie sieht die Unterstützung durch den Bundesligisten aus?

Kim Krämer: Vor dem Bau der Allianz Arena wurden wir auf unsere Nachfrage hin zu einem runden Tisch eingeladen. Damals haben wir gemeinsam mit Peter Czogalla, Uli Hofmann und Jürgen Muth, dem Geschäftsführer der Allianz Arena, eine Begehung gemacht. Wir haben die Plätze begutachtet und Tipps gegeben, dass man hier doch investieren sollte und darauf achtet, dass die Rollis freie Sicht aufs Spielfeld haben, auch wenn die Fans vor ihnen aufstehen.

Bezüglich der Sicht ist Folgendes zu sagen: Auf unserer Seite im Westen befinden sich die Presseplätze. Die Journalisten stehen sowieso nicht auf, da gibt es kein Problem. Aber im Osten wurden zwei Sitzplatzreihen herausgebaut und ein L-Block gebildet. Das heißt: Wenn die Fans in der Reihe vor den Rollifahrern aufstehen, sind deren Köpfe auf Höhe der Füße der Rollifahrer. Ohne diese Maßnahme gäbe es dort zwei Reihen mehr: Das sind auf 10 Jahre gerechnet Einnahmen in der Höhe von ca. 10 Millionen Euro, auf die der FC Bayern verzichtet, damit die Rollstuhlfahrer freie Sicht haben.

Bezüglich unserer Auswärtsfahrten haben wir mit dem FC Bayern vereinbart, dass wir immer das volle Kontingent an Rolli-Tickets bekommen, dazu 4 Tickets zusätzlich für Begleitpersonen. Das klappt seit Jahren sehr gut.

Lisa Schatz: Gibt es noch eine Geschichte, die du erzählen möchtest, Kim?

Kim Krämer: Unser Mitglied Martin Bauer habe ich auf der Auswärtsfahrt nach Hannover kennen gelernt. Wir waren zweimal in einer Autobahnraststätte beim Pause machen – auf der Hin- und auf der Rückfahrt, in der gleichen wie Martin. Wir sind ins Gespräch gekommen. Eine Woche später kam Martin in den Rollwagerl Shop und wurde Mitglied. Er unterstützt uns finanziell, unseren Soli. Das ist bei uns sozusagen das „Sozialticket“. Denjenigen, die sich keine Tickets bzw. Auswärtsfahrten leisten können, werden die Fahrten und Karten durch unseren sog. Solitopf ermöglicht. Normalerweise liegt der Eigenanteil an Auswärtsfahrten bei 80 € – Fahrt, Ticket für das jeweilige Spiel und Übernachtungskosten inbegriffen. Martin unterstützt uns immer und hinterlegt auch ArenaCards, damit sich die Mitglieder, die es sich sonst nicht leisten können, auch hier etwas zu essen und zu trinken kaufen können. Bei uns ist das Sozialticket ein fester Bestandteil. Maximal dreißig Mitglieder nehmen es in Anspruch. Auch dreißig Tickets werden aus dem Solitopf bezahlt. Zudem gibt es ermäßigte Beiträge für die Mitgliedschaft. Diese Gruppe zahlt den halben Preis, um Mitglied zu sein. Früher waren die Auswärtsfahrten „Jugendherberge und McDonalds“, ohne Kultur. Jetzt übernachten wir in barrierefreien Hotels und haben ein Kulturprogramm. Uns war es wichtig, das alles zu verbessern. Die Sponsoren sollen auch sehen, dass wir eine gute Arbeit leisten. Das hat irgendwann eine Eigendynamik entwickelt. Uns ist Zuverlässigkeit absolut wichtig.

Lisa Schatz: Vielen Dank, dass ihr euch so viel Zeit für das Interview genommen habt.

Kim Krämer und Uli Hofmann: Natürlich gerne.

Weitere Informationen für einen barrierefreien Stadionbesuch sind – auch in leichter Sprache und mit Hörservice – unter https://www.barrierefrei-ins-stadion.de/ zu finden.

Fußballbuch-Update Nr. 3: Von Bjarne Goldbaek zu Moritz Volz

Liebe Fußballfans!

Das Fußballbuch ist nun in Köln in die Hände des Arsenal-Scouts Moritz Volz gelangt. Dieser schreibt nach Bjarne Goldbaek in das Buch. Und er hat auch schon eine Idee, welche Geschichte er dort verewigen will…

Moritz Volz: „Das Hauptthema ist ja Fußball und wie der Fußball die Menschen auf der ganzen Welt begeistert und verbindet. Eine Story, an die ich spontan denke, ist, wie ich als Fan 2006 die Weltmeisterschaft in Deutschland verfolgt habe, nachdem ich mein persönlich Ziel mitzuspielen, nicht erreicht habe. Da bin ich einfach nochmal in meine Heimat zurückgegangen als leidenschaftlicher Fußballfan der Nationalmannschaft, des Fußballs generell. Während dieser zwei Wochen, in denen ich unterwegs war, hatte ich wirklich tolle Erlebnisse. Mit Menschen aus der ganzen Welt. Beim Check-In am Hamburger Flughafen habe ich einen Äypter kennengelernt, der im Auftrag von Coca Cola da war. Mit ihm bin ich ins Gespräch gekommen. Wir haben herausgefunden, dass wir in der nächsten Zeit einige Stationen gemeinsam haben und so habe ich ihn kurzum mit nach Köln eingeladen. Dort haben wir uns nochmal besser kennengelernt. Wir wurden von meinem Kindergartenfreund, der zu der Zeit in Köln wohnte, abgeholt. Mit einer richtigen Studentenmöhre! Selbst die zehn Kilometer vom Flughafen in die Innenstadt hinein waren ein absolutes Erlebnis, und ich glaube, dass mein ägyptischer Freund schon vieles gewohnt war aus Kairo, was zusammengeflickte Autos angeht, aber ich denke, das hat selbst ihn überrascht. Nicht nur das: Auch kulinarisch wollte ich ihn einweisen – etwas naiv. Mit einer schönen Curry Schranke. Ich hatte vollkommen vergessen, dass das jetzt in Ägypten für Moslems definitiv nicht das beste Essen ist. Er hat das aber nicht so eng genommen. Es war glaube ich nicht nur die Tatsache, dass das Schweinefleisch war, was ihm an der Currywurst nicht gefallen hat… Das war einfach etwas, was auch meiner Erfahrung nach vielen Leuten ganz schwer fällt: Sich das als Leckerbissen vorzustellen. So ging das eigentlich weiter: Wir sind in Kontakt geblieben. Ich habe dann auch eine Reise nach Ägypten, Kairo, gemacht. Und ich denke, dass ich über diese Geschichte, diese entstandene Freundschaft zu Khaled, berichten werde, und von Kairo.“

Lasst uns gespannt sein, wohin das Buch als Nächstes reist!

Sportliche Grüße

Lisa Blue

Fußballbuch-Update Nr. 2: Von Lutz Pfannenstiel zu Bjarne Goldbaek

Liebe Fußballbegeisterte!

 

„Schreib doch hier mal was rein – wir müssen zusehen, dass das Ding um die Welt kommt“

Die Reise geht weiter… Inzwischen wurde das Fußballbuch (mehr zum Projekt findet ihr hier) durch Lutz Pfannenstiel an Bjarne Goldbaek, Schalker Ex-Profi, weitergegeben. Letzterer beschrieb mir, in welchem Rahmen er das Buch erhalten hat: „Ich habe Lutz Pfannenstiel beim Fernsehen getroffen, weil wir beide für den gleichen Sender arbeiten. Er drückte mir das Buch in die Hand und meinte: ‚Schreib doch hier mal was rein – wir müssen zusehen, dass das Ding um die Welt kommt!‘“ Daraufhin habe der gebürtige Däne „einen Blick in das Buch geworfen“, sofort mit „ja, klar, alles klar“ geantwortet, und fortan seine „Geschichte hineingeschrieben.“

Am Telefon wollte ich von ihm wissen, weshalb er von dem Projekt überzeugt ist und ein Teil davon sein wollte. Er antwortete: „Ich habe selbst durch den Fußball einen viel breiteren Blickwinkel bekommen. Man kommt mit anderen Nationalitäten, mit sehr vielen Menschen, zusammen. Und das bedingt einfach, dass man besser auf andere Menschen zugehen kann und anderen Kulturen verständnisvoller begegnet. Das hat mir der Fußball gegeben und das ist ja auch das, was das Buch zeigen will: Dass Fußball verbindet und Verständnis erzeugt.“

In seinem Text hat Bjarne Goldbaek seine Erlebnisse rund um die Fußball-WM 1998, das gemeinsame Feiern der Menschen verschiedener Kulturen und Nationen, aufgegriffen. Er schrieb u. a.: „Das Schönste am Turnier war aber ganz klar die Stimmung rund um die Spiele. Obwohl ich in der Bundesliga und der Premier League gespielt habe – wo die Stimmung schon extrem gut ist – war die Stimmung und das friedliche Miteinander unter den verschiedensten Nationalitäten so beeindruckend!“

Mich hat interessiert, ob er sofort wusste, was er ins Buch schreiben möchte. Er entgegnete mir: „Wenn ich die Frage danach, was in meiner Karriere am beeindruckendsten gewesen ist, schnell beantworten hätte müssen, hätte ich vielleicht etwas anderes geschrieben. Ich habe das Ganze eine Zeit lang sacken lassen. Das, was ich geschrieben habe, gibt wohl das am besten wider, was ich im Fußball Großes erlebt habe, was der Fußball so zurückgeben kann in vielen Jahren. Das andere wäre so, ja, dass ich das und das erlebt habe, da Meister wurde und dort Tore geschossen habe. Aber das, was ich geschrieben habe, ist das Größte, was ich vom Fußball bekommen habe.“

Am Ende seines schriftlichen Beitrags formulierte er: „Es ist immer wieder sehr schön zu erleben wie neugierig, offenherzig die Fans verschiedenster Nationen mit sehr unterschiedlicher Religionszugehörigkeit, Erziehung, Bildungsniveau etc. miteinander umgehen und sich gegenseitig schätzen.“

Vielen Dank meinerseits nochmal an Bjarne für diese tollen Worte!

Und jetzt lasst uns gespannt sein, wer als Nächstes in das Buch schreibt und wohin die Reise geht…

Sportliche Grüße

Lisa Blue