Benefizspiel in Schwarzenfeld

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Die erste Auflage von „TEAM BANANENFLANKE meets FRIENDS“ war ein Tag mit vielen tollen Begegnungen. Das Spiel in Schwarzenfeld soll – wie im vergangenen Jahr in Vilzing – ein „voller Erfolg“ (Stefan Plötz) werden. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Guter Zweck. Am Samstag, 11. Juni, spielt eine Mannschaft Prominenter um 15 Uhr für das Team Bananenflanke gegen den 1. FC Schwarzenfeld. Das Team um Mario Neunaber, Tobias Schweinsteiger, Tobias Rau, Michael Hofmann & Co. tritt unter der Leitung von Ex-Nationalspieler Hans Dorfner in Schwarzenfeld an. Sämtliche Einnahmen kommen dem Verein Team Bananenflanke e.V.  zu Gute.

 

Wie aus einem „Ich ruf da einfach mal an“ ein Benefizspiel wurde

Die Veranstaltungsreihe „Team Bananenflanke meets friends“ geht in die zweite Runde. Im vergangenen Jahr trat ein Team, bestehend aus zahlreichen Ex-Profis, gegen die DJK Vilzing an. In diesem Jahr findet das Benefizspiel für die BFL-Profis im oberpfälzischen Schwarzenfeld statt. Wie es dazu gekommen ist? Bernhard Heinisch, Spieler des 1. FC Schwarzenfeld, hatte die Idee. Er hat längere Zeit als Co-Trainer der U19 beim SSV Jahn gearbeitet. Dabei hatte er mitbekommen, dass nach seinem Training das Team Bananenflanke den Platz belegte. Da er durch die Medien bereits einiges über den Verein gehört hatte und „sehr beeindruckt von dem Engagement von Ben Rückerl und Stefan Plötz war“, nahm er über seinen guten Freund Tobias Schweinsteiger Kontakt zu den beiden auf. „Ich wollte das Projekt unbedingt unterstützen und dachte, ich ruf da einfach mal an“. Aus seiner Idee, mit seinem Verein ein Benefizspiel auszurichten, wird am kommenden Samstag Wirklichkeit.

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Ex-Profi Mario Neunaber stellte in diesem Jahr wieder das Prominententeam zusammen. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Nicht nur Bernhard Heinisch, sondern auch Mario Neunaber freut sich sehr auf die Partie und auf die „leuchtenden Kinderaugen“. Er hat die Spieler des Prominententeams kontaktiert, alles koordiniert und schließlich die Mannschaft zusammengestellt. Neunaber bleibt bescheiden und meint: „Das, was ich mache, ist wirklich nur ein geringer Teil im Gegensatz zu dem, was Ben und Stefan alles leisten“. Ben Rückerl spielt den Pass zurück und betont: „Mario gebührt Respekt und Anerkennung für die Zusammenstellung des diesjährigen Kaders. Er ist einer, der sich nicht gerne ins Rampenlicht stellt. Wir möchten uns dennoch auf diesem Wege nochmal ganz herzlich dafür bei ihm bedanken, dass wir wieder eine supertolle Truppe zusammenbekommen haben“.

 

„Begegnungen schaffen und Barrieren abbauen“ im Rahmenprogramm

Natürlich hat sich das Organisationsteam auch rund um das Spiel so einiges ausgedacht. Vor dem Spiel  wird es die Möglichkeit geben, bei einer Autogrammstunde mit den Profis Wolfgang Hesl (Arminia Bielefeld) und Patrick Erras (1. FC Nürnberg) ins Gespräch zu kommen. Da beide aus der Region stammen, freuen sie sich sicherlich über den Austausch mit Fans aus der Heimat. In der Halbzeitpause wird sich eine Tanzgruppe des 1. FC Schwarzenfeld präsentieren. Nach dem Spiel werden die Spieler des Prominententeams zusammen im VIP-Bereich essen. Dieser wird laut Rückerl jedoch für alle offen sein, weil es „darum geht, Barrieren abzubauen, Begegnungen zu schaffen, die Kinderherzen höher springen zu lassen sowie Normalität zu schaffen“. Des Weiteren betont der Mitorganisator, dass Wert darauf gelegt werde, dass die Fußballfans an diesem Tag Kontakt zu den Profis haben können. Damit sich „alle (Ex-)Profis wie zuhause fühlen, möchten wir sie zurück zu den  zu den Wurzeln bringen. Das heißt, dass es Blasmusik und Bratwurstsemmeln (Hochdeutsch: Brötchen; Anm. von Lisa Schatz) geben wird. Alles wird relativ geerdet sein, weil wir denken, dass dieses ,Back to the roots‘ auch toll für die Spieler ist in dem Sinne, dass sie an ihre Anfänge im Fußball erinnert werden“. Darüber hinaus werden alle Fußballbegeisterten die Möglichkeit haben, gemeinsam die EM-Spiele zu gucken. Ein Teil der Spieler wird sich schließlich noch in den Regensburger Club Gatsby aufmachen, um dort den Abend ausklingen zu lassen.

 

Große Vorfreude im Organisations- und Promiteam

Rückerl selbst blickt mit tierischer Vorfreude „auf das Spiel in Schwarzenfeld, weil ich zum einen viele Leute vom vergangenen Benefizspiel wieder treffe. Zum anderen kommen neue Spieler dazu, die alle eines gemeinsam haben: Sie spielen für die gute Sache und kassieren dabei kein Geld. Die Jungs wollen wirklich den Kindern helfen und dabei eine Message weitergeben“. Stefan Plötz, Vorstand des Vereins Team Bananenflanke e.V., findet es klasse, dass die BFL-Profis den „persönlichen Kontakt zu Fußballprofis herstellen können, die für sie mit ihrem Teamnamen Fußball spielen“. Er fügt hinzu, dass die BFL-Profis an diesem Tag „einlaufen dürfen und daraus viel für ihr Selbstwertgefühl gewinnen werden. Zudem werden sie an dem Tag im Mittelpunkt stehen und können sich in der Gesellschaft anerkannt und angenommen fühlen“.

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Tobias Schweinsteiger blickt voller Vorfreude auf das Spiel in Schwarzenfeld. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Ex-Profi Tobias Schweinsteiger, Botschafter des Vereins Team Bananenflanke e.V., findet es „überragend, dass den Kindern das Gefühl gegeben wird, etwas Besonderes zu sein und dass sie sich wie kleine Fußballprofis fühlen können. Auch das ganze Drumherum ist top professionell“. Am meisten freut er sich darauf, den „Kids ein Lachen ins Gesicht zaubern zu können und darauf, dass wir mit einem coolen Fußballspiel die Zuschauer unterhalten werden“. Mit den positiven Erinnerungen an die letzten Jahre hebt er hervor, dass er sich bei den Events des Vereins „immer wie Zuhause und familiär aufgehoben fühlt“ und dass es ihm „immer riesig Spaß macht, die Jungs und Mädels zu treffen. Es ist schön, Botschafter eines solchen Vereins zu sein, der sich so toll entwickelt hat“. Als solcher hat er auch noch eine direkte Botschafter an alle Leser*innen dieses Artikels…

„An alle Fußballfans: Kommt nach Schwarzenfeld! Ihr werdet einen unvergesslichen Tag erleben, ihr werdet Freude in den Gesichtern der Zuschauer sehen. Es wird einfach ein toller Tag mit vielen Erlebnissen und für einige wird er unvergesslich!“

 

 Wo Entfernung keine Rolle spielt und der Fußball keine Grenzen kennt

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„Begegnungen schaffen“, so lautet eines der Ziele für das Benefizspiel in Schwarzenfeld. Foto: Team Bananenflanke e.V.

Neben Schweinsteiger hat Tobias Rau, ehemaliger Profi beim DSC Arminia Bielefeld, trotz der weiten Strecke von Ostwestfalen nach Schwarzenfeld „spontan zugesagt“. Er habe „jetzt ein Jahr lang an einer Förderschule für körperlich und geistig behinderte Kinder gearbeitet“. Die Arbeit fand er wirklich „schön. Da geht einem das Herz auf – gerade in Verbindung mit Sport, wenn man sieht, wie die Schülerinnen und Schüler aufblühen, obwohl sie große Lasten zu schleppen haben. Deshalb war meine Entscheidung sofort klar. Das Team Bananenflanke kenne ich bisher nur aus Erzählungen. Ich habe viel positives darüber gehört und freue mich deshalb umso mehr, das Team Bananenflanke kennenzulernen, das alles hautnah mitzuerleben, Fußball zu spielen und alte Weggefährten zu treffen“. Michael Hofmann hingegen unterstützt das soziale Projekt schon seit langer Zeit. Er war „von Anfang an mit dabei und fasziniert davon, was da in Regensburg auf die Beine gestellt wurde. Ich hatte während meiner Profikarriere sehr viel Freizeit und fand es sehr wichtig und schön, mich darin auch für dieses wirklich tolle Projekt einzusetzen. Man bekommt so viel zurück und ich freue mich jedes Mal, wenn ich die Kinder lachen sehe“.

Doch nicht nur Ex-Profis kicken in der Promielf für den guten Zweck. Auch Stefan Dömsödi, Fußballfan, und vielen als „Trommler von Illertissen“ bekannt, setzt sich für die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung ein. „Für mich ist das Spiel etwas sehr besonderes, weil ich als kleines Licht bei den Großen mitspielen darf“, sagt er und gibt zu, „schon ein bisschen aufgeregt“ zu sein. Aber natürlich ist er auch „sehr stolz, dass ich beim Benefizspiel mitwirken darf“. Für ihn ist der Einsatz „eine Herzensangelegenheit und absolut wichtig, weil ich das Ganze für eine wirklich gute Sache halte“.

 

„Dieses Benefizspiel ist keine Selbstverständlichkeit“

Stefan Plötz war von der Einladung des 1. FC Schwarzenfeld begeistert, weil es „nicht selbstverständlich ist, dass ein Verein einfach mal so ein Benefizspiel ausrichtet“. Er selbst „werde ein ganz tolles Gemeinschaftsgefühl mitnehmen – in dem Sinne, wenn ich darauf zurückblicke, wie wir angefangen haben. Die Kinder und Profis werden von Anfang an super miteinander harmonieren. Es ist schon unglaublich, dass jetzt Profis für unsere Sache spielen“. Er ist sich sicher: „Wer den Fußball liebt, der kommt am Samstag nach Schwarzenfeld“. Wer noch darüber nachdenkt, sich das Spiel anzusehen, dem gibt er folgende Worte mit auf dem Weg:

„Kommt alle nach Schwarzenfeld, feiert mit uns ein Fußballspiel der besonderen Art und lasst uns einfach gemeinsam zeigen, dass der Fußball keine Grenzen kennt!“

-> Wer den Tag live miterleben möchte und nicht weiß, wie er zum Sportpark des 1. FC Schwarzenfeld kommt, der findet hier einen Routenplaner.

Teil II des Interviews mit Nico Kempf

Chancen für und durch Inklusionsteams

Welche Chancen liegen – aus Spielersicht – in Inklusionsmannschaften?

Letztendlich bieten die Inklusionsteams den Spielern ohne Handicap große Chancen, weil sie soziale Kompetenzen gewinnen können. Sie lernen mit den Stärken und Schwächen des anderen umzugehen. Natürlich können sie dort auch Fußball spielen. Manchmal ist es so, dass Kinder ohne Handicap lieber in Inklusionsteams aktiv sind, weil sie dort regelmäßig zum Einsatz kommen. In herkömmlichen Teams wären sie vielleicht sogenannte Bankdrücker, wenn sie nicht so gut spielen. Es gibt aber auch das Motiv, dass Kinder ohne Handicap einfach ohne Leistungsdruck spielen möchten. Darüber hinaus gibt es Spieler, die gerne in Inklusionsteams kicken möchten, weil sie dort eine Führungsposition übernehmen können und so Verantwortungsbewusstsein erlernen. Für die Kinder mit Handicap sind Inklusionsmannschaften eine tolle Möglichkeit, Fußball zu spielen, ihrem Hobby nachzugehen. Sie nehmen zusätzlich sehr viel für ihr Alltagsleben mit. Die Vermittlung von Werten, wie Teamgeist oder Disziplin, spielt hierbei eine große Rolle. Ein Kind mit Down-Syndrom ist manchmal vielleicht sehr schnell eingeschnappt, weil es ggf. sehr feinfühlig ist. Aber es lernt durch den Fußball auch mit Misserfolgen umzugehen. Durch Inklusionsmannschaften können vielfältige Chancen für beide Seiten generiert werden.

Welche positiven Auswirkungen haben Inklusionsmannschaften auf das Vereinsleben?

Zunächst mal kann sich ein Verein über ein Inklusionsteam von anderen Vereinen differenzieren. Verein X beispielsweise spielt in der Kreisklasse und engagiert sich nicht im sozialen Bereich. Verein Y spielt auch in der Kreisklasse und engagiert sich im Bereich Behindertenfußball. Verein Y wird sicherlich viele positive Auswirkungen spüren. Die Fußballer mit Handicap werden das Vereinsleben bereichern. Alle Mitglieder werden sich ein Stück weit weiterentwickeln können durch neue Begegnungsmöglichkeiten, die ihren Horizont erweitern. Es ist die Vielfalt des Vereins. Zudem besteht die Chance, neue Mitglieder zu akquirieren. Vielleicht gewinnt er auch indirekt neue Mitglieder. Oft ist es bei Inklusionsteams der Fall, dass sich die Eltern der Kinder mit Behinderung aktiv im Verein engagieren, weil sie sehr dankbar sind, dass ihr Kind dort seinem Hobby nachgehen kann. Auch die Gewinnung von Sponsoren aufgrund des Engagements im Bereich Handicap-Fußball für den Gesamtverein ist keine Seltenheit. Die Chancen sind also immens. Man kann sie aktiv nutzen als Verein. Da spricht nichts dagegen, wenn es eine Win-Win-Situation für beide Parteien darstellt. Das Wohl und der Wille der Spieler sollte aber immer im Vordergrund stehen.

Wie schnell gewöhnen sich Menschen mit und ohne Handicap an ein Zusammenspiel?

Am Anfang gibt es manchmal Unsicherheiten. Sobald aber nach den ersten Trainingseinheiten ein paar Reibereien entstehen, dann ist es nicht mehr wie ein „mit Samthandschuhen anfassen“. Dann ist es wirklich Fußball. Es gelingt wirklich schneller, als man denkt. Das ist eigentlich das Wichtigste: Diese Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, es auszuprobieren. Man macht sich als Erwachsener, als Außenstehender, meist mehr Gedanken als die Kinder und Jugendlichen selbst. Diese haben oft gar keine Berührungsängste. Deshalb ist es umso wichtiger, möglichst früh mit diesen Spielformen anzufangen. Denn ein Kind hat noch überhaupt keine Vorurteile, da ist alles ganz „normal“ in dem Sinne.

 

Auf‘m Platz: Eigene Erfahrungen mit Handicap-Fußball

Welche Arten von Handicap-Fußball haben Sie schon selbst ausprobiert?

Ich habe alle verschiedenen Formen mitgemacht, weil ich es wichtig finde, dass man das einfach auch selbst mal gespielt hat und in die andere Perspektive eingetaucht ist. Kürzlich habe ich Gehörlosenfußball ausprobiert. Es war insbesondere in Anbetracht der einzigartigen Kommunikation ein sehr interessantes Erlebnis. Man arbeitet mit Händen und Füßen und bemerkt sofort diese verbindende Sprache, diese Fußballsprache. Für mich war es eine spannende Erfahrung. Facetten, die ich bisher noch nicht spielen konnte, sind die die Formen des Rollstuhlfußballs, wie Wheel-Soccer oder E-Rolli-Fußball.

Wie ging es Ihnen, als Sie mit beim Blindenfußball mit Augenbinde gespielt haben?

Das war schon eine riesen Umstellung. Wenn man das selbst ausprobiert, merkt man, welch starke Leistung die Spieler bringen und welchen Respekt sie verdienen. Nach einer gewissen Zeit erkennt man kleine Fortschritte. Aber es ist natürlich schon schwierig. Vor allem, wenn man in die Zweikämpfe geht, dann kommt die Angst dazu. Man muss sich das erstmal trauen und den Mut haben, da einfach loszustürmen, wenn vor einem ein Abwehrspieler steht und quasi auf der Suche nach dem Ball auf dich eindrischt und dir auch mal gegen das Schienbein tritt. Man muss schon robust sein und das ganze aushalten können. Da kracht man schon mal gegen die Banden. Es ist ein äußerst körperbetontes Spiel.

Worin liegt der Unterschied zwischen Blindenfußball und Sehbehindertenfußball?

Zunächst mal muss ich dazu sagen, dass Sehbehindertenfußball noch ziemlich unpopulär in Deutschland ist. Beim Blindenfußball werden die Augen der Spieler komplett abgedunkelt, auch, wenn sie einen sehr geringen Sehrest haben. Sie spielen mit einem Ball, der rasselt und orientieren sich so anhand ihres Gehörsinns. Beim Sehbehindertenfußball hingegen werden die Augen nicht verbunden. Der Ball rasselt nicht und ist einfach farbig – so, wie man sich einen Ball vorstellt, mit dem im Winter im Schnee gespielt wird. Im Blindenfußball gibt es eine Bundesliga. Gespielt wird hier 2 x 25 Minuten auf einem Feld mit Banden. Es gibt 4+1 Spieler und der Torwart ist sehend. Er hat nur einen kleinen Strafraum, in welchem er bleiben muss. Der Torhüter ist sehr, sehr wichtig, weil er die Abwehr dirigiert. Zudem gibt es sogenannte Guides. Das beginnt beim Torwart. Zusätzlich hat jedes Team noch einen Guide, der das Geschehen im Mittelfeld dirigiert und vor dem gegnerischen Tor gibt es einen Guide, der letztendlich den Offensivspielern hilft, indem er ihnen zuruft.

In Brasilien beispielsweise spielen sehr viele Amputierte Fußball. Gibt es in Deutschland die Möglichkeit für Amputierte, mit ihresgleichen zu spielen?

Ja, die gibt es. Aktuell gibt es in Deutschland vier Trainingsstandorte sowie eine deutsche Auswahlmannschaft, welche unser Land bei internationalen Turnieren vertritt.

Welche Erfahrungen haben Sie – vor allem mit der Kraft – im Amputiertenfußball gemacht?

Die physische Belastung ist sehr hoch. Die Anstrengung für den Oberkörper, insbesondere für die Oberarme, ist enorm. Aber auch für das eine Bein, mit welchem man spielen und sich immer vom Boden wegdrücken muss. Physisch ist die Sportart wirklich äußerst anspruchsvoll.

Wenn ein Verein Interesse hat, ein Handicap-Fußball-Team zu gründen: Wie soll er am besten vorgehen, an wen soll er sich wenden?

Am besten ist es, wenn sich die Klubs als Erstes an die Inklusionsbeauftragten der Landesverbände wenden. Diese dienen als Ansprechpartner, können vernetzen und praxisnahe Tipps zum Aufbau einer Handicap-Mannschaft geben. Zudem können die Vereine auch bei Teams aus ihrer Region vorbeischauen, um sich direkt vom Handicap-Fußball begeistern zu lassen. Eine Liste dieser Teams findet man in der Handicap-Börse auf dfb.de.

Waren es eher einzelne Spielerinnen und Spieler, die sich bei Ihnen gemeldet haben, oder die Vereine?

Das war ganz unterschiedlich. Wenn Vereine auf mich zugekommen sind, dann war es meistens so, dass schon Berührungspunkte vorhanden waren. Das heißt, dass beispielsweise ein Vater eines Kindes mit Behinderung schon in einem Verein war, und dessen Kind Fußball spielen wollte. Dann wollte der Vater, dass das Kind in seinem Club spielt und hat mich deshalb kontaktiert. Manchmal war es auch so, dass wir für Spieler/-innen bei den Vereinen angerufen haben, weil es doch anders auf unerfahrene Vereine wirkt, wenn der Verband anruft.

 

Trainerfortbildung zu Handicap-Fußball

Könnten Sie bitte einen kleinen Ausblick bzgl. der kommenden Monate geben?

Im Juni (vom 20.-22.6.; Anm. von Lisa Schatz) findet in der Sportschule Oberhaching eine Fortbildung für Trainer im Handicap-Fußball statt. Das ist schon eine kleine Besonderheit und zugleich ein riesen Schritt. Die Fortbildung ist für alle Trainer im BFV als Lizenzverlängerung anrechenbar. Weiteres dazu erfahren sie bei meiner Nachfolgerin, Kristina Höhn, deren Kontaktdaten auf der Internetseite des Bayerischen Fußball-Verbandes zu finden sind. Außerdem findet am 26. Mai ein Inklusionsturnier in der Allianz-Arena statt, was eine Leuchtturmveranstaltung für den gesamten Handicap-Fußball in Deutschland darstellt.

Gibt es eine Botschaft, die Sie den Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben wollen?

Ich möchte ihnen auf jeden Fall gerne mitgeben, dass sie sich in ihrer Umgebung über Möglichkeiten des Handicap-Fußballs informieren sollten. „Schaut, wo gespielt wird und seht wirklich mal zu. Und dann bin ich mir sicher, dass ganz viele von euch ein Stück weit angefixt werden, begeistert sind und sich engagieren wollen. Da merkt man einfach die ehrliche Freude am Sport und man sieht den Fußball, wie er leibt und lebt. Das sollte wirklich jeder einmal machen.“

Vielen, vielen Dank für das Interview.

Gerne.

Handicap-Fußball: Interview mit Experte Nico Kempf

Nico Kempf
Nico Kempf arbeitete als Inklusionsbeauftragter für den Bayerischen Fußball-Verband. Foto: Boran & Parot UG

Handicap-Fußball. Während seines Studiums der Sportökonomie an der Universität Bayreuth (Masterabschluss) war Nico Kempf zusätzlich als Inklusionsbeauftragter des Bayerischen Fußball-Verbandes tätig. Im Gespräch erzählt er, welche Formen von Handicap-Fußball bestehen und welche Chancen der Sport für Vereine bietet…

Herr Kempf, wie sind Sie zum Handicap-Fußball gekommen?

Während meines Studiums hat in Bayreuth die Deutsche Meisterschaft für intellektuell beeinträchtigte Menschen stattgefunden. Damals hat mich ein Freund gefragt, ob ich dort bei der Organisation mithelfen möchte. Er hat zu dieser Zeit in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet. Wir meinten, dass das eine klasse Sache für mich wäre – auch, um Praxiserfahrungen zu sammeln. Ich konnte das im Rahmen eines Praktikums beim Deutschen Behinderten-Sportverband machen. Damals habe ich sofort gesagt, „ok, das mach ich“ und wurde gleich von den Emotionen gefesselt. Dieser ehrliche Sport, diese Freude – das fand ich toll. So bin ich erstmals zum Behindertenfußball gekommen. 2012 habe ich ein Praktikum (in einem anderen Bereich) beim Bayerischen Fußball-Verband gemacht. Im Nachgang wurde im Rahmen der Inklusionsinitiative der DFB-Stiftung Sepp Herberger eine Stelle des Inklusionsbeauftragten geschaffen, die auf mich einen ganz besonderen Reiz ausübte.

Welche Aufgaben hatten Sie als Inklusionsbeauftragter?

Letztendlich war ich der Ansprechpartner für verschiedene Anspruchsgruppen des Landesverbandes für alle Fragen zum Thema Behindertenfußball, vor allem natürlich für die bayerischen Fußballvereine. Beispielsweise ist es oft so, dass Eltern wissen wollen, wo und ob ihr Kind mitspielen kann. Hierbei tauchten viele Fragen auf. Da galt es die Angst zu nehmen und passgenaue Angebote für die Fußballer mit Handicap zu finden. Zudem hatte ich die Aufgabe, eigene Projekte zu schaffen, um die Beteiligten für die Thematik zu sensibilisieren. Als Best-Practice-Beispiel dient die Durchführung der bayernweiten Informationstage im Handicap-Fußball. Unser Ziel war es, aktiv auf die Vereine zuzugehen bzw. sie an den runden Tisch zu holen, zu begeistern, zu informieren, aufzuklären. Wir haben zudem einen Inklusions-Cup durchgeführt. Die Arbeit war sehr, sehr facettenreich. Auch die Öffentlichkeitsarbeit war wichtig. Das Thema war bzw ist noch sehr jung und deshalb gab es äußerst viele verschiedene Aufgaben.

 Was waren die Highlights in Ihrer Zeit als Handicap-Beauftragter?

Am tollsten fand ich die Turniere, welche ich mitorganisiert habe. Das alles hautnah mitzuerleben. Ich erinnere mich gerne an ein Inklusionsturnier zurück, als ein Kind mit Down-Syndrom ein Tor geschossen hat und in einen riesen Jubel ausgebrochen ist. Es hat seinen Lieblingsspieler beim Jubeln nachgemacht. Da habe ich echt Gänsehaut bekommen. Das sind einfach Erlebnisse, die fesseln. Das ist das allerschönste.

Wie haben sich die Angebote im Behindertenfußball in den vergangenen Jahren entwickelt?

Die Entwicklung war enorm, zum Beispiel bei den Inklusionsteams. Da waren es im Jahr 2012 sechs Mannschaften und jetzt sind es knapp zwanzig. Die Anzahl der Teams nimmt stark zu, auch weil das Thema Inklusion durch Bewegungen in der Gesellschaft großen Rückenwind bekommt – beispielsweise durch die UN-Behindertenrechtskonvention. Zudem erkennen die Vereine vermehrt, welche Chancen dahinterstecken und öffnen zunehmend ihre Strukturen für Menschen mit Handicap. Dennoch gibt es noch sehr viel Luft nach oben. Die Zukunft sieht aber sehr gut aus.

Wo lagen die größten Schwierigkeiten bei Ihrer Arbeit?

Zum einen war es eine stetige Herausforderung, die Vereine dafür zu begeistern, zu sensibilisieren. Wir haben versucht, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen und die Menschen zu emotionalisieren und mitzunehmen. Ein Trainer braucht beispielsweise auch ein gewisses pädagogisches Geschick, wenn er eine Mannschaft leiten oder führen will. Ich meine aber, letztendlich ist es auch nur Fußball.

 

Zum Verhalten der Eltern und Trainer

Wie reagieren die Eltern, wenn ihre Kinder mit Handicap im Verein spielen wollen?

Vereinzelte Eltern trauen ihrem Kind das Fußballspielen unter dem Dach eines Fußballvereins nicht zu. Diesen Personenkreis galt es zu motivieren und ihnen die Angst zu nehmen, die sich aber häufig auch schnell von alleine auflöste sobald sie sahen, mit welcher Freude und mit welchem Eifer ihr Kind bei der Sache ist. Der Großteil der Eltern ist sehr offen und dankbar, wenn sich die Vereine mit ihren Strukturen für Menschen mit Handicap öffnen. Wenn ich jetzt weiterdenke, ist das auch eine große Chance für die Vereine, weil die Eltern begeistert sind, wenn ihr Kind in einem Club spielen kann. Dann engagieren sie sich meist stark, weil es für sie wirklich „ihr“ Verein ist, der dem Kind geholfen hat. Wir haben ihnen oft gesagt: „Traut das euren Kindern zu, die können das!“. Und wie gesagt – wenn sie ihren Kindern beim Kicken zusehen, ist die Skepsis komplett vergessen und sie freuen sich unheimlich.

War es schwer, die Trainer vom Wettkampfprinzip wegzubringen?

Sie verstehen sehr schnell, dass der Leistungsgedanke da gar nicht so essenziell ist, sondern, dass es wirklich um den Spaß am Sport geht. Das heißt: Die Trainer, die Inklusionsmannschaften betreuen, wissen zum Großteil schon, worum es da geht. Man muss sie ab und an bremsen, ja. Natürlich gibt es auch Trainer, für welche das Siegen auch wichtig ist – das ist es für viele Kinder übrigens auch. Aber bei Turnieren gibt es zumeist einen sogenannten Ethikkodex. Das ist ein Kodex, an dem sich die Trainer orientieren. Darin ist zum Beispiel festgelegt, dass das Miteinander im Vordergrund steht. Das bedeutet: Wenn eine Mannschaft stark dominiert, soll der Trainer die sehr starken Spieler auswechseln. Denn wenn Kinder mit und ohne Handicap zusammen spielen, sind oftmals große Leistungsunterschiede vorhanden. Darauf muss man natürlich eingehen. Das klappt allerdings immer ganz gut. Ich finde es auch besonders schön, weil beide Seiten über den Sport hinaus voneinander lernen können: Durch das Akzeptieren der Stärken und Schwächen ihrer Mitspieler erlangen Kinder mit und ohne Handicap beispielsweise bestimmte Sozialkompetenzen, die auch einen positiven Einfluss auf ihre Persönlichkeitsentwicklung haben.

Wie schnell finden Menschen mit Behinderung in den Sport hinein, wenn Sie jetzt den Blindenfußball als Beispiel nehmen?

Blindenfußball ist eine unheimlich harte Sportart, die eine gewisse Robustheit von den Spielern erfordert. Man muss ganz klar sagen, dass nicht jeder blinde oder sehbehinderte Mensch direkt Blindenfußball spielen kann und will. Es ist nur ein kleinerer Teil, der sich zutraut, diese faszinierende Sportart auszuüben. Das Spiel ist sehr körperbetont, da rumpelt es schon mal auf dem Platz. Dementsprechend muss man viele verschiedene technische, physische und psychische Fertigkeiten mitbringen, um dem rasselnden Ball hinterherjagen zu können. Im Alltag sind viele Menschen auf ihren Blindenstock angewiesen, beim Blindenfußball bewegen sie sich frei auf dem Feld. Das ist natürlich eine riesen Chance und für manche auch ein gewisser Kick. Ich erinnere mich an einen Spieler, der zu mir sagte, dass der Sport genau das richtige für ihn sei, weil er dabei diese Freiheit auf dem Platz spüren könne.

Woran können Nichtbehinderte teilnehmen, wenn sie mit Menschen mit Handicap zusammen Fußball spielen wollen?

An allen Facetten des Handicap-Fußballs können grundsätzlich auch Nichtbehinderte teilnehmen, dies ist sogar ausdrücklich gewünscht. Durch verschiedene Anpassungsmöglichkeiten kann fast jede Handicap-Fußballform inklusiv gestaltet werden. Auch der Blindenfußball ist übrigens ein Vorbild in Sachen Inklusion. Neben dem sehenden Torwart sind auch die sehenden Guides am Spielfeldrand wesentliche Säulen der Mannschaft.

Wenn ein Kind mit Behinderung mit Nichtbehinderten Fußball spielen möchte, jedoch Defizite in der Schnelligkeit etc. aufweist, wie kann ein Verein dann eine „gerechte Teilnahmemöglichkeit“ für das Kind schaffen?

Ein Schlüssel liegt in der Steuerung des Trainings. Der Trainer ist dafür verantwortlich, dass jeder Spieler unabhängig seiner Fähigkeiten gefordert, aber nicht überfordert wird. Hierfür kann sich der Trainer diverse methodische Stellschrauben zu Nutze machen. Darüber hinaus gibt es auch die Option, dass man von der Rückstellungsmöglichkeit der Landesverbände Gebrauch macht, wenn das Kind am herkömmlichen Spielbetrieb teilnehmen will und sich aufgrund seiner Behinderung in einer jüngeren Altersklasse besser aufgehoben fühlt. Man muss hierbei jedoch auch ganz klar betonen, dass ein Kind nicht automatisch schlechter spielt, weil es eine Behinderung hat – ganz im Gegenteil – auch im Behindertenfußball gibt es Leistungssport. Es gibt viele Sportler, die beispielsweise intellektuell beeinträchtigt und zugleich sehr gute Fußballer sind. Das sieht man insbesondere, wenn man sich die Auswahlteams der Bundesländer anguckt. Soviel zunächst zur Integration in herkömmliche Teams. Wenn diese nicht möglich ist und die Kinder und Jugendlichen trotzdem innerhalb eines Vereins Fußball spielen wollen, dann wäre die Gründung einer Inklusionsmannschaft die passende Alternative. Von diesen Inklusionsteams, das sind Teams bestehend aus Kindern und Jugendlichen mit und ohne Handicap, existieren in Bayern knapp zwanzig. Sie nehmen zumeist nicht am herkömmlichen Spielbetrieb teil, sondern spielen häufig unter sich Turniere aus. Sie nehmen am BFV-Inklusions-Cup (der nächste findet am 9.7. in Bayreuth statt; Anm. von Lisa Schatz) teil und trainieren häufig einmal pro Woche bzw. alle zwei Wochen. Das ist ganz unterschiedlich. Beim Training steht der Spaß am gemeinsamen Sport treiben im Vordergrund und weniger der Leistungsgedanke. Wer sich dafür interessiert, der kann sich unter der Rubrik handicap-fussball auf dfb.de oder bei den Inklusionsbeauftragten der Landesverbände darüber informieren, welche Vereine diese Form des Fußballs anbieten.

-> COMING SOON… Im zweiten Teil des Interviews (erscheint am 23.5.) erzählt Nico Kempf, welche Erfahrungen er als Nicht-Behinderter beim Handicap-Fußball gemacht hat und welche Chancen Inklusionsteams für die Vereine bieten…