Interview mit Gerd Dais, Trainer des SV Waldhof Mannheim

Mannschaftspraesentation SV Sandhausen
Gerd Dais fungierte von 2011 bis 2012 als Cheftrainer des SV Sandhausen. Foto: EIBNER-PRESSEFOTO

Trainerwesen. Gerd Dais war lange Zeit als Cheftrainer des SV Sandhausen (2008-2010 und von 2011 bis 2012; Anm. von Lisa Schatz) tätig. Im November 2012 wurde er freigestellt, Anfang 2013 hatte er nochmal ein kurzes Gastspiel bei den Stuttgarter Kickers. Im April diesen Jahres hat er nach einer vereinslosen Zeit den Trainerposten des FC Nöttingen übernommen und mit dem kleinen Verein den Aufstieg in die Regionalliga Südwest geschafft. Der Club entschied sich dafür, dass der A-Jugend-Trainer in der kommenden Saison sein Amt übernimmt. Seit 7. Juli ist Gerd Dais nun Cheftrainer beim SV Waldhof Mannheim. Im Interview hat er mir erzählt, wie er mit der Situation umgegangen ist, als er knapp drei Jahre in keinem Verein gearbeitet hat, welche Hobbies er betreibt und wie er in seiner Zeit beim SV Sandhausen die Gegner analysiert hat…

Herr Dais, wie haben Sie die knapp zwei Monate bis zum Aufstieg beim FC Nöttingen erlebt?

Ich war schon mehrfach beim FC Nöttingen tätig. Den Aufstieg in die Regionalliga zu bewerkstelligen war eine interessante Sache, vor allem die Spiele in Hauenstein, wo wir kurzfristig mit 4:3 zurückgelegen sind. So spielt der FC Nöttingen 2016/2017 in der Regionalliga Südwest. Aber ohne mich. Wobei man sagen muss, das der FC Nöttingen ein kleiner Verein ist und wirtschaftliche Probleme hatte. Daher hat man sich entschlossen, den Etat, der ursprünglich in der Oberliga vorhanden war, nochmal um einen fast sechsstelligen Betrag zu kürzen. Und man hat auch schon entschieden, den A-Jugend-Trainer als neuen Cheftrainer der ersten Mannschaft zu verpflichten.

Sie haben kürzlich den Posten als Cheftrainer des SV Waldhof Mannheim übernommen. Wussten Sie in den Wochen nach Ihrem Aufstieg mit Nöttingen, wie es für Sie beruflich weitergeht?

Zunächst gab es in der Kürze der Zeit in der Hinsicht keine neuen Möglichkeiten. Es galt halt wieder zu warten. Aber so ist die Situation, wenn man diesen Job ausübt und das habe ich schon des Öfteren erlebt. Es ist nicht so, dass mir das schlaflose Nächte bereitet hätte.

Bleiben wir beim Thema Vereinslosigkeit. Bitte beschreiben Sie, was Sie zwischen 2013 und 2016 gemacht haben.

Ich wurde 2013 von den Stuttgarter Kickers beurlaubt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch einen Vertrag für ein Jahr. In den drei Jahren hat sich der ein oder andere Verein bei mir gemeldet, aber das war nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Ein intensiveres Gespräch hatte ich Anfang diesen Jahres, als der SSV Jahn Regensburg auf mich zugekommen ist. Das Gespräch war sehr positiv, jedoch hat sich der Verein für Heiko Herrlich entschieden. Es war nur noch die Frage: Entweder Heiko Herrlich oder meine Person. Ansonsten habe ich mich auf dem Laufenden gehalten, was die Ligen angeht: Ob das jetzt die Regionalliga oder die Dritte Liga war. Zudem habe ich mich beim Bund Deutscher Fußball-Lehrer fortgebildet und mich selbst wieder sehr dem Sport gewidmet, da in meiner Zeit als Cheftrainer diesbezüglich keine Zeit vorhanden war, und habe die drei Jahre eben so genutzt.

In welchen Bereichen haben Sie sich beim BDFL weitergebildet? Von der taktischen Ausbildung bis hin zum Auftreten vor der Mannschaft deckt der Bund ja viele verschiedene Bereiche ab.

Es gibt ja regionale Veranstaltungen. Ich bin in der Verbandsgruppe Baden-Württemberg beheimatet. Jedes Jahr gibt es den Jahres-Kongress, der kürzlich in Mannheim stattgefunden hat. Den habe ich besucht. Zudem werde ich beim nächsten Kongress in Fulda  (25.7.-27.7.2016; Anm. von Lisa Schatz) anwesend sein. In Fulda wird natürlich die Europameisterschaft aus taktischen Gesichtspunkten betrachtet und dahingehend, was sonst noch aufgefallen ist. Auch die regionalen Veranstaltungen habe ich zum Teil besucht. Hier ging es um den Umgang mit der Mannschaft, um die eigene Körpersprache und Rhetorik sowie andere interessante Themenblöcke wie z. B. Sportmedizin. Das war alles sehr vielfältig.

Sie meinten vorher, dass es Ihnen keine schlaflosen Nächte bereitet habe, von 2013 bis 2016 und auch derzeit vereinslos zu sein. Wie haben Sie diese Zeit erlebt? Es müsste ja eine riesen Umstellung sein, wenn plötzlich vom einen Tag auf den anderen die Medienanfragen wegfallen und die Fans nicht mehr ständig versuchen, mit einem ins Gespräch zu kommen.

Die letzte Station in Stuttgart war damals ziemlich kurz. Das war Mitte April, als ich gefeuert wurde.

Und wenn Sie jetzt an Ihre Zeit in Sandhausen denken, wo Sie länger Trainer waren?

Die Zeitspanne, als ich mit Sandhausen als Zweitligatrainer ausgestiegen bin, bis zu den Stuttgarter Kickers war nicht so lange. Das war im November und im Januar ging es weiter. Wie gesagt, ich komme aus der Region. Ich bin gebürtig aus Heidelberg. Sandhausen ist nur fünf Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Ich habe selbst von 1985 bis 1987 in Sandhausen gespielt, wodurch natürlich hier schon eine engere Bindung vorhanden war als bei meinem Gastspiel bei den Stuttgarter Kickers. Ich kenne hier sehr viele Leute – egal, ob ich ins Fitnessstudio gehe oder andere Sachen unternehme. Da werde ich natürlich immer wieder darauf angesprochen, ob sich im Fußball etwas tut und ob ich wieder etwas mache. Nach meiner Zeit bei den Stuttgarter Kickers hat sich auch der ein oder andere aus dem Rhein-Neckar-Kreis gefragt, was ich mache und wie es weitergeht. Aber natürlich war das nach der Sandhäuser Beurlaubung bedeutend mehr. Beim ersten Mal bzw. als ich in der Dritten Liga in Sandhausen beurlaubt worden bin, sind wir auf dem siebten oder achten Platz gestanden und man wollte ja mit aller Gewalt aufsteigen. Später habe ich den SV Sandhausen vor der Regionalliga gerettet. Wenn ich damals nicht verpflichtet worden wäre, wäre der Verein wahrscheinlich abgestiegen und alles, was wir in den Jahren zuvor aufgebaut hatten – die Aufstiege von der Oberliga in die Regionalliga und Dritte Liga – wäre dann kaputt gewesen. Wir haben uns gerettet und den Schwung mitgenommen und sind dann mit dem VfR Aalen und dem SSV Jahn Regensburg in die zweite Bundesliga aufgestiegen.

Würden Sie sagen, dass es von 2013 bis 2016 nicht ohne Fußball gegangen wäre? Haben Sie in den drei Jahren Hobbies nachgeholt – wie z. B. eine Reise, die Sie lange aufgeschoben hatten, unternommen? Oder stand der Fußball wirklich immer noch im Vordergrund?

Ich habe in der Zeit natürlich wirklich viel im Fußball mitverfolgt. Ich muss schon sagen, dass die Endphase 2012 in Sandhausen auch wirklich viel Kraft gekostet hat. Vielleicht wäre es im Nachhinein besser gewesen, wenn ich den Trainerposten in Stuttgart nicht übernommen hätte. Aber manchmal ist man hinterher schlauer oder man kann es sich gar nicht aussuchen, was das Angebot betrifft. Ich war damals positiv gestimmt, aber im Nachgang wäre es anders besser gewesen. Ich habe eine gewisse Zeit gebraucht, um Abstand zu gewinnen. Sicherlich habe ich das ganze nach wie vor aus der Ferne verfolgt und was die Hobbies angeht, habe ich mich mehr dem Sport gewidmet. Ich habe dann Tennis gespielt und bin Fahrrad gefahren. Was das Reisen angeht – ich bin eher der Typ, der lieber zu Hause ist und im Urlaub nicht gerne wegfährt.

Haben Sie schon einmal mit einem Trainerberater zusammengearbeitet?

Es gab Anfragen, „Kann ich etwas für dich tun?“. Den ein oder anderen losen Kontakt gibt es, aber ich arbeite in dieser Hinsicht nicht fest mit jemandem zusammen.

Wenn Sie an Ihre Zeit als Cheftrainer zurückdenken, wie wichtig finden Sie die Zusammenarbeit mit den Medien, mit Sportpsychologen und mit Mentaltrainern?

Mit den Medien hatte ich eigentlich nie Probleme – ob es jetzt in Sandhausen oder in Stuttgart war. Mit Mentaltrainern habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. In Sandhausen haben wir vor einer Saison eine Teambuildingmaßnahme durchgeführt, Laganda (Übersetzung: Gemeinschaftssinn; Anm. von Lisa Schatz). Das war immer sehr positiv und natürlich habe ich mit Arno Schimpf zusammengearbeitet. Er war auch in der Anfangsphase in Sandhausen mit dabei. Später hat er die Spieler dann je nach Wunsch individuell betreut. Wer wollte, konnte seine Hilfe in Anspruch nehmen.

Was halten Sie von Life Kinetik?

Im Profibereich kann man das sicherlich ins Training integrieren. In Nöttingen war das natürlich etwas anderes, da wir nur zwei- oder dreimal pro Woche Training hatten. Da gibt es wichtigere Dinge als Life Kinetik. Aber im Profifußball ist es durchaus eine wichtige Geschichte, aber es sollte dann auch von Nachhaltigkeit geprägt sein. Es bringt nichts, wenn man so etwas einmal macht und zwei Wochen später nochmal. Dies sollte dann schon Kontinuität haben. Die Spieler sind diesbezüglich sehr wissbegierig und wollen da wirklich das Beste herausholen. Wie gesagt, es ist eine gute Sache. Wenn man Life Kinetik einmal pro Woche in ein halbstündiges Aufwärmprogramm integriert, ist das meiner Meinung nach ganz gut.

Inwiefern beschäftigt sich ein Cheftrainer mit der Geschichte eines Vereins?

In Sandhausen war das ein spezieller Fall. Die räumliche Trennung zu Sandhausen war relativ gering. Als ich ein Kind war, hat Sandhausen mit am höchsten gespielt und ich habe das damals verfolgt. Als ich dann selbst gespielt habe, waren wir noch in einer Amateurliga und da hatte ich nach den Spielen auch persönlichen Kontakt zu den Fans. Wir waren mit ihnen zusammen im Vereinsheim, haben dort etwas getrunken. Als ich später in der Oberliga Trainer war, war auch die ganze Mannschaft im Clubhaus und einige von den Spielern waren zuvor selbst Fans. Da hat man sich also gekannt und es gab keine Berührungsängste. In Nöttingen war es ähnlich, da der FCN auch ein ländlicher Verein ist. Bei den Stuttgarter Kickers bin ich wenig mit den Fans in Berührung gekommen, da das im Gazi-Stadion schwieriger war und wir auf Plätzen trainiert haben, wo relativ wenige Fans anwesend waren. Wenn es bei einem Traditionsverein nicht läuft, wird das ein oder andere meines Erachtens manchmal überkritisch gesehen.

Dann zu Ihrer Arbeit an sich. Welchen Anteil nahmen Spielanalysen in Ihrer Tätigkeit als Cheftrainer ein, wenn Sie auf Ihre Zeit beim SV Sandhausen denken?

In Sandhausen, bei den Stuttgarter Kickers und auch in Nöttingen habe ich mit einem Scout zusammengearbeitet. Er hat die Gegner, auf die wir getroffen sind, immer unmittelbar vor den Spielen beobachtet. Er hat das dann zu Papier gebracht und teilweise auch Bilder zu Standardsituationen gemacht. Das bin ich durchgegangen und wenn es zeitlich möglich war, habe ich mir deren Spiele persönlich angeschaut, um mir selbst auch nochmal ein Bild zu machen. In der Anfangszeit war das alles relativ begrenzt, was Videoanalysen angeht. In Nöttingen und bei den Stuttgarter Kickers haben wir keine Videoanalysen gemacht. Beim SV Sandhausen war es schwierig. Dort hat der Co-Trainer immer das zusammengeschnitten, was gut und was nicht so gut war. Letztendlich war das alles in diesem Bereich.

Wie war das in der Saison 2011/2012? Hatten Sie in dieser Zeit auch wirklich nur einen Scout und den Co-Trainer, die in dieser Hinsicht Informationen aufbereitet haben?

Der eine Scout hat wirklich alles abgedeckt. Es war also alles ganz, ganz klein gestrickt. Wenn wir gespielt haben, hat er wirklich den unmittelbaren Gegner angeschaut und ich habe die gegnerischen Teams beobachtet, gegen die wir zwei, drei Wochen später spielten, sofern es der Spielplan erlaubt hat. Wir haben schon versucht, alles optimal abzudecken, was nicht immer einfach war.

Dann noch kurz ein Rückblick auf die EM-Zeit. Haben Sie sich alle Spiele angeschaut oder nur die Deutschlandspiele? Haben Sie die Partien auch gedanklich analysiert? Sind Sie eher der Typ, der sich solche Spiele zusammen mit Freunden oder Bekannten anschaut oder alleine?

Ich schaue mir viele Spiele an, aber natürlich nicht alle. Die Deutschlandspiele habe ich immer geguckt. Dabei habe ich mir auch Gedanken gemacht, aber, dass ich das zu Papier gebracht hätte, war nicht der Fall (lacht). Manchmal habe ich mir die Partien zusammen mit Freunden angeschaut, das war ganz unterschiedlich. Jedoch habe ich nicht gemeinsam mit anderen Fußballtrainern geguckt, um danach zu diskutieren.

Vielen Dank für das Interview, Herr Dais.

Gerne.

Fragen an EUCH und Ausblick

Ein sportliches „Hallo“ an euch alle!

Diesmal wende ich mich direkt an EUCH. Da ich den Blog nicht für mich, sondern für EUCH schreibe, möchte ich gerne wissen, welche Fußballthemen euch interessieren bzw. in der Presse fehlen oder dort eures Erachtens zu wenig Beachtung finden. Seit kurzem ist mir bekannt, dass die Leser/-innen meines Blogs aus vielen verschiedenen Bereichen des Amateur- und Profifußballs kommen. Hier haben bislang C-Klasse-Spieler genauso mitgelesen wie ein Teil der DFB-Spitze. Ihr kommt aus den unterschiedlichsten Feldern und seid quer auf der Welt verstreut (lt. WordPress u.a. aus Großbritannien, Frankreich, Kanada, Brasilien, Italien, der Schweiz und Deutschland). Deshalb bin ich mir sicher, dass einige von euch tolle Geschichten zu erzählen haben oder sich für Themen interessieren, über die sie gerne mehr lesen wollen und die sie aber sonst nirgends ausführlicher finden. Ich hoffe, dass ich bisher einige von euch zum Querdenken anregen konnte und – v.a. so manche/-r Trainer/-in in den vergangenen Wochen – sich über das eine oder andere Thema mehr als sonst Gedanken gemacht hat. Es würde mich freuen, wenn der Blog a wengl dazu beiträgt, dass sich etwas im Fußball weiterentwickelt bzw. positiv verändert.

 

IHR seid gefragt!!!

DESHALB: An euch ALLE – egal, ob Fan oder Profi, egal, welches Thema – schickt mir gerne eure Vorschläge. Worüber wollt ihr gerne mal etwas lesen? Worüber berichten die Sportmedien zu wenig?

Ich hab schon einige Ideen für die kommenden Monate gesammelt und auch einige Interviewzusagen erhalten, aber ich freue mich immer über einen Input oder Feedbacks von euch! Falls ihr ein Interview geben wollt oder jemanden kennt, der eine tolle Story zu erzählen hat, meldet euch auch gerne. Ich kann nicht versprechen, dass ich alle Vorschläge aufgreife oder umsetze – das hängt von der jeweiligen Thematik und von meiner Zeit ab. Was mir wichtig ist: Ich lege stets Wert auf eine respekt- und vertrauensvolle sowie korrekte Kooperation. Wer schon mal mit mir zusammengearbeitet hat, weiß das. Es wird bei mir nie eine Veröffentlichung eines Interviews ohne vorherigem „grünen Licht“ durch meine/-n Interviewpartner/-in geben. Wenn mir jemand ein Thema oder einen Kontakt empfehlen möchte, kann er/sie dies natürlich (auch anonym) tun. Ich gebe grundsätzlich keine E-Mail-Adressen und/oder Telefonnummern weiter.

 

KURZER AUSBLICK

In den nächsten Wochen werde ich noch zwei Interviews online stellen. Im Anschluss daran werde ich in eine mehrwöchige (Dauer wird noch bekannt gegeben) Sommerpause gehen. Das Bloggen macht mir sehr viel Spaß. Es ist allerdings auch mein Hobby und nimmt auch manchmal viel Zeit in Anspruch. Zusammengefasst: Auch ich brauche mal Urlaub:-)

Ich sage schon mal „vielen Dank“ an alle, die mir Themenvorschläge oder Feedbacks schicken – und bedanke mich bei allen, die das bisher getan haben!!!

-> Eine Kontaktaufnahme ist per Kommentarfunktion und per E-Mail (lisa.schatz27@googlemail.com) möglich.

Sportliche Grüße

 

Lisa Blue

-> INFO: Wenn ihr euch auf dem Laufenden halten wollt, könnt ihr eure E-Mail-Adresse (bei PC-Nutzern in der rechten Spalte dieser Seite) hier eintragen und ihr erhaltet immer eine Mail, sobald ein neuer Beitrag online steht.

Sportmanagerin und Spielerberaterin Samira Samii: Eine Frau mit Fachkompetenz und der richtigen Balance zwischen Nähe und Distanz

Samira Samii-Blog-Lisa Schatz
Samira Samii ist international als Sportmanagerin und Spielerberaterin tätig. Foto: Sportives

Internationale Spielerberatung. Samira Samii hat Ihren MBA in Sportmanagement mit Auszeichnung abgeschlossen und arbeitet heute als international renommierte Sportmanagerin und Spielerberaterin in ihrer eigenen Agentur. Auf Grund ihres familiären Hintergrunds (sie stammt aus einer Königsfamilie; Anm. von Lisa Schatz) hätte sie die Füße hochlegen können und nie arbeiten müssen. Doch das passt nicht zu ihr, das wollte sie nicht. Sie hat hart gearbeitet, wollte von Anfang an auf eigenen Beinen stehen und das Business von der Pike auf lernen. So hat sie sich nach und nach Respekt in der Welt des Profifußballs verschafft. Sie hat ihre Karriere als Marketing Managerin beim FC Ingolstadt begonnen, der damals noch in der Regionalliga Süd spielte. Heute kooperiert sie mit internationalen Stars und Top-Clubs. Zu ihren Mandanten zählen Stars wie Giovane Elber und zu ihren Gesprächspartnern gehören Weltmeister wie Zinédine Zidane und der frühere Bundestrainer Berti Vogts. Im Interview hat mir Samira Samii verraten, wie sie zum Fußball gekommen ist, mit welchen Schwierigkeiten sie in ihrem Beruf zu kämpfen hat, was sie motiviert und welche Tipps sie für diejenigen hat, die Spielerberater/-in werden möchten…

 

Frau Samii, zunächst bitte ich Sie, Ihren Beruf kurz zu beschreiben.

Es ist ein toller Job mit vielen Emotionen und Gefühlen. Egal, um welche Kultur, welches Land oder welche Gesellschaftsschicht es geht, alle feuern ihre Mannschaft an. Als Spielerberaterin und Sportmanagerin arbeitet man dort, wo Fans gerne sein würden und man hat mit vielen interessanten Menschen zu tun. Aber natürlich ist es auch sehr stressig. Ich muss viel reisen und rund um die Uhr erreichbar sein. Die Transferperioden sind im Sommer und im Winter in der Haupturlaubszeit, in diesen Monaten muss ich die ganze Zeit arbeiten und mache das gerne. Der Stress ist für mich positiver Stress. Ich liebe diesen Stress, daher liebe ich meinen Job.

 

„SpielerberaterInnen kümmern sich nicht nur um Verträge!“

Welche sind Ihre wichtigsten Aufgaben? Bitte konkretisieren Sie Ihre Ausführungen.

Es gibt viele Menschen, die denken, dass es bei der Arbeit von Spielerberater/-innen bloß um das Erstellen von Verträgen geht und darum, dass wir die Spieler nur von Verein zu Verein transferieren oder uns um Vertragsverlängerungen kümmern. Aber es ist ein vielseitigeres Aufgabengebiet: Es geht um die Abwicklung von Spielertransfers, die rechtliche Betreuung und unsere Aufgaben reichen von der PR- und Marketingberatung bis hin zum Alltagsleben meiner Mandanten. Ich betreue nicht nur aktuell aktive Profis, sondern in anderen Bereichen, zum Beispiel in Bezug auf Werbeaufträge, auch ehemalige Profis. Ich versuche immer das Bestmögliche für meine Mandanten herauszuholen. Egal, ob es um die Verträge geht oder um Marketing-, Sponsoring- und Werbe-Aufträge. Das Ganze hat nicht immer nur mit Geld zu tun, sondern auch mit dem persönlichen Glück meiner Mandanten. Das Wichtigste zwischen einem Profifußballer und uns ist eine vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit, sodass sich der Spieler immer gut aufgehoben fühlt. Ich meine, viele renommierte Unternehmen suchen bekannte Werbepartner aus dem Sportbereich. Hier suche ich stets nach der idealen Vermarktung meiner Mandanten. Nicht zu vergessen ist aber auch die persönliche Unterstützung. Wenn ein Spieler beispielsweise aus dem Ausland nach Deutschland wechselt, kümmere ich mich um seine Familie und um die Organisation des Alltagslebens, damit er sich erstmal auf seine Aufgaben und auf seine Leistungen konzentrieren kann. Zudem versuche ich, für alle meine Mandanten eine persönliche Stütze zu sein. Wenn sie private oder karrierebezogene Probleme haben, bin ich für sie da. Hans Meyer, von dem ich viel gelernt habe, hat mir einmal gesagt: „Samira, wenn ein Spieler den Kopf frei hat, kann er sich am besten konzentrieren und die beste Leistung im Training und im Spiel abrufen“, und damit hat er recht. Die von uns betreuten Spieler sollen, wenn sie abends ins Bett gehen, beruhigt mit dem Gedanken einschlafen können, dass alles außerhalb des Fußballplatzes von uns zu ihrer vollsten Zufriedenheit geregelt wird. Wir glauben, dass nur bei einer solch umfassenden Betreuung eine optimale Leistungsfähigkeit des Spielers erreicht werden kann.

Ich bin in allen Lebenslagen für meine Spieler da. Meine Spieler sollen glücklich sein, jedoch sollte die sportliche Perspektive auch stimmen. Zusammen mit meinen Scouts bin ich jedes Wochenende im Stadion, um Präsenz zu zeigen, Spieler zu beobachten und um zu schauen, welchen Bedarf die Clubs haben. Eine gute Beobachtungsgabe ist sehr wichtig, um Vereine einschätzen zu können und die Stärken sowie Schwächen der Mannschaften beurteilen zu können. Es geht darum, dass eine Karriere gut geplant ist, entwickelt wird und Vermarktungsmöglichkeiten im Bereich Sponsoring erschlossen und genutzt werden. Ebenso sollten mit guter PR das Image und die Präsenz des Spielers entwickelt werden, um mögliche Werbeverträge abzuschließen. Eine weitere Aufgabe von uns ist die Vorbereitung auf ein Leben nach der Karriere. Am Ende einer Profilaufbahn fallen Fußballspieler nicht selten in ein (finanzielles) Loch. Eine weitere wichtige Aufgabe entsteht, wenn ein Spieler beispielsweise von einem Land in ein anderes wechselt. In diesem Fall kümmere ich mich um seine Familie und um die Organisation des Alltagslebens, damit er sich erstmal auf seine Aufgaben und Leistungen konzentrieren kann. Bei einem plötzlichen und schnellen Wechsel muss z.B. innerhalb weniger Stunden ein kompletter Umzug organisiert werden. Die Telefonabmeldung, das Ausräumen der Wohnung und das Einbeziehen eines Steuerberaters sind nur einige Punkte, die umgehend abgewickelt werden müssen. Ein Spieler, der vor drei Tagen noch nicht gewusst hat, dass er morgen in einem ganz anderen Land ist, hat keine Zeit, seine Sachen zu ordnen. Wir machen hier einen Rundumservice, der 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr da ist, sodass sich der Spieler voll und ganz auf seinen Sport konzentrieren kann.

Worin liegen die größten Herausforderungen in Ihrem Beruf?

Die größte Herausforderung ist für mich, Win-Win-Lösungen zu erarbeiten. Ich möchte meine Spieler glücklich machen aber natürlich auch die Vereine! Wenn wir das schaffen, bin ich auch glücklich.

Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Seit meiner Kindheit haben wir in unserem Heimkino häufig mit meiner Familie und mit Freunden Fußballspiele, vor allem wichtige und internationale Spiele – EM, WM, Champions League – angeschaut. Danach haben wir oft diskutiert und so hatte ich schon lange ein großes Interesse an Fußball. Mein Vater ist einer der bekanntesten Augenchirurgen und es wurden immer schon viele Fußballstars in seiner Augenklinik behandelt, dadurch habe ich schon früh viele dieser Stars persönlich kennengelernt, zu welchen wir heute noch gute Kontakte haben. Das war ein weiterer Gesichtspunkt, durch den ich immer wieder etwas mit Fußball zu tun hatte. Einer der Patienten ist Ali Daei, der unter anderem beim FC Bayern München gespielt hat. Er ist eine iranische Fußball-Legende, eine Art „Franz Beckenbauer des Iran“. Für mich ist er wie ein Bruder, ich hole mir oft Rat von ihm. Viele inländische und europäische Spiele haben mich schon in der Kindheit interessiert: Diese extremen Emotionen haben mich begeistert. Die Emotionen der Fans und der Vereine, sowohl im Glück, als auch in der Trauer.

Haben Sie schon einmal selbst Fußball gespielt?

Nein, ich habe noch nie selbst Fußball gespielt. Das ist mein Nachteil gegenüber vieler meiner männlichen Kollegen, aber ich habe dafür zwei Hochschulstudien abgeschlossen (Internationaler MBA, Abschluss mit Auszeichnung, sechs Sprachen fließend; Anm. von Lisa Schatz) und das ist mein Vorteil. Außerdem gehört mir die Aufmerksamkeit, wenn ich mit 14 Zentimeter-High-Heels auf dem Fußballplatz oder auf Veranstaltungen einen Ball zurückspiele (lacht).

Was gefällt Ihnen am Fußballsport an sich?

Die Emotionen der Spieler, der Trainer, der Verantwortlichen und natürlich auch die der Fans. Für mich sind sie sehr wichtig. Sie sind unabhängig von Bildung, vom gesellschaftlichen Status und von Geld. Ich mag diese Momente, in denen man die Freude mit dem eigenen Club, der Mannschaft teilt. Egal, welche Bildung man hat, egal, welche Gesellschaft um einen herum ist, egal, wie viel Geld man auf dem Konto hat. In diesem Moment sind alle Menschen auf der gleichen Ebene und es zählt nur die eigene Mannschaft. Das gefällt mir am Fußball.

 

Die Entstehung der Idee, Spielerberaterin zu werden

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Spielerberaterin zu werden?

Durch mein Sportmanagement-Studium. Meinen ersten Job hatte ich als Marketingmanagerin beim FC Ingolstadt 04. Und wie der konkrete Einfall kam? Das war während der WM 2006, beim Spiel Deutschland gegen Italien. Das habe ich auf Premiere gesehen und gemeint: „Das gibt’s gar nicht. Es gibt keine einzige Frau in dieser Branche“. Heute sieht man, wie viele Frauen als Moderatorinnen bei Sky arbeiten. Man sieht, wie viele Frauen als Zuschauerinnen in den Stadion sind. Natürlich hat es mich als Frau gereizt und ich habe gesagt: „Ich will dabei sein, ich werde in den Fußball mit einsteigen. Frauen können das gleiche, was die Männer können“. Das war meine Idee. Damals hat man keine einzige Frau in diesem Berufsfeld gesehen.

Welche Eigenschaften sollte man als SpielerberaterIn mitbringen?

Man braucht natürlich ein gutes Know-how. Ein fundiertes Fachwissen und gute Kontakte sind sehr wichtig. Zudem sollte man eine gute Netzwerkerin sein und seine Kontakte regelmäßig pflegen. Natürlich sollte man diszipliniert sein. Ich verstehe überhaupt keinen Spaß im Job. Man sollte direkt sein, transparent arbeiten und in gewisser Weise auch Künstler sein. Es ist eine Kunst, die richtige Balance zwischen den Geschäftspartnern und Mandanten sowie zwischen Nähe und Distanz zu finden. In Verhandlungen bin ich sehr hartnäckig und selbstbewusst. Ich denke, dass es sehr bedeutend ist, dass man ein bestimmtes Selbstbewusstsein beim eigenen Auftreten hat. Meiner Meinung nach bin ich in Verhandlungen wirklich äußerst hart, härter als männliche Kollegen. Der gegenseitige Respekt gegenüber Geschäftspartnern und Mandanten ist mir sehr, sehr wichtig.

Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrem Beruf?

Ich arbeite mit vielen interessanten Menschen zusammen, das gefällt mir. Jeder Mandant ist individuell und möchte auch individuell beraten werden. Ich finde, dass mein Job sehr international ist und auch deshalb macht er mir viel Spaß. Ich arbeite mit zahlreichen unterschiedlichen Kulturen zusammen. Darum wird es nie langweilig. Über Fußball kann man sich mit jedem unterhalten – selbst, wenn man die Sprache des anderen nicht versteht. Über Fußball kann man sich immer austauschen. Es ist nur ein Ball mit 32 Flecken, aber trotzdem kann man pausenlos darüber sprechen. Ganz besonders viel Freude macht mir die Zusammenarbeit mit jungen Spielern. Sie sind für mich wie eine Familie und es ist toll zu sehen, wie sie für ihren Traum alles geben.

Welches war Ihr bislang tollstes Erlebnis in Ihrer Zeit als Spielerberaterin?

Jeder Aufstieg und Titel eines Vereins, in welchem Mandanten aktiv waren, war ein super Erlebnis für mich. Unabhängig vom Land und von der Liga. Der Höhepunkt aller Erlebnisse in meiner Beratungszeit war für mich die Weltmeisterschaft 2014. Ich hatte das große Glück live dabei zu sein, als Deutschland in Rio Weltmeister wurde. Dies war ein historischer Sieg, als erste europäische Mannschaft in Südamerika.

 

„Als Frau muss man sich den Respekt hart erarbeiten“

Welchen Schwierigkeiten und Problemen begegnen Sie am meisten in Ihrem Beruf?

Ich meine, dass es in jedem Beruf und in jeder Branche Schwierigkeiten gibt. Wie auch im normalen Leben. Ich denke, ohne Probleme wäre es vielleicht auch ein bisschen langweilig. Natürlich muss man sich als Frau in einer Männerdomäne ständig beweisen und darf sich als solche keine Fehler erlauben. Ab und zu kommt es auch vor, dass man angemacht wird. Ich kann mich an den Anfang meiner Karriere erinnern, als ich überhaupt nicht ernst genommen wurde. Ich bin kein Mensch, der mit Turnschuhen und Jogginghose herumläuft. Ich mag es, mich elegant zu kleiden und bin auch so erzogen worden. Meiner Meinung nach gehören ein gepflegtes, klassisches Outfit und ein selbstbewusstes Auftreten zu einer Business-Lady. Heute begegnen mir meine Geschäftspartner auf Augenhöhe und respektieren meine Leistungen. Natürlich gibt es auch heute noch Macho-Sprüche, aber ich habe gelernt diese zu ignorieren. Was wichtig ist als Frau: Man muss sich seinen Respekt mit Ausdauer und Fachkompetenz hart erarbeiten.

Wo grenzt sich Ihr Job nochmal speziell von SportpsychologInnen und SportmentorInnen ab?

Wir unterscheiden uns sehr von ihnen. Ich finde, eine Psychologin oder eine Mentorin arbeitet rein mental, wenn ich das mit uns vergleiche. Ich berate meine Mandanten, verhandle Verträge, entwickle Karrieren und unterstütze Spieler mental, wenn ich glaube, sie hierbei unterstützen zu können. Wie ich vorher gesagt habe, ist diese Nähe und Distanz wichtig.

 

Zu den Problemen der Nachwuchsspieler

Sie betreuen unter anderem Nachwuchsprofis. Werden diese Ihres Erachtens ganzheitlich von den Vereinen unterstützt oder denken Sie, dass es da noch Besserungsbedarf gibt – z. B. in dem Bereich, dass sie nochmal zusätzlich SportpsychologInnen oder SportmentorInnen als Ansprechpersonen haben? Es gibt ja inzwischen eine Studie, dass Fußballer öfter psychische Probleme haben als die durchschnittliche Bevölkerung.

Ich finde, dass die Vereine der deutschen Bundesliga sehr professionelle Nachwuchsarbeit leisten. In Clubs wie Leverkusen, Bayern, Dortmund, Schalke und einigen anderen Vereinen wird hochprofessionell gearbeitet. Das Ziel dieser Nachwuchsleistungszentren ist eine ganzheitliche Betreuung. Sie haben qualifizierte Sportpsychologen und Mentaltrainer in ihren Reihen. Die jungen Spieler haben im Wesentlichen zwei Aufgaben: Sie sollen trainieren und in die Schule gehen, um Leistung zu bringen. Sicherlich kann diese Doppelbelastung manchmal zu groß werden, sodass die Jugendlichen einen Ausgleich benötigen und mental betreut werden müssen. Dadurch werden sie natürlich auch auf den hohen Druck im professionellen Bereich vorbereitet. Nachdem, was ich erlebt habe, werden die Nachwuchsspieler in den Nachwuchsleistungszentren gut betreut.

Wo sehen Sie die größten Probleme, die Nachwuchsprofis haben? Würden Sie sagen, dass es wirklich der Stress und der Druck ist? Oder ist es eher der Aspekt, Schule und Fußball gut unter einen Hut zu bekommen?

Die Erwartungen an die jungen Spieler sind unendlich hoch. Der Druck kommt von den Eltern, den Trainern und den Spielern selbst. Man erwartet immer, dass ein U19-Spieler sofort im Profibereich in der Bundesliga Fuß fassen kann. Manchmal denke ich, dass es gut wäre, diese Talente zunächst über eine U21-Mannschaft oder U23-Mannschaft aufzubauen und erst dann in den Kader des Profibereichs zu integrieren.

 

Samira Samii über ihre Ziele und darüber, was Glück für sie bedeutet

Nun zu Ihrer Person. Welche Ziele haben Sie beruflich und privat?

Jeder Mensch hat Ziele und ohne Ziele würde jegliche Motivation fehlen. „Wer sein Leben nicht plant, der plant zu scheitern“, lautet ein altes Sprichwort. In meinem Leben habe ich immer Ziele gehabt, versuche diese zu erreichen und habe sie nie aus den Augen verloren. Ich bin stolz auf das, was ich bisher geschafft habe. Ich bin kein Mensch, der aufgibt, bin sehr positiv eingestellt und versuche, immer meine Wege zu gehen. Noch sehe ich mich nicht am Ende meiner Karriere. Vielleicht schaffe ich es eines Tages als erste Frau, einen Profiverein zu managen. Das ist ein Ziel von mir. Persönlich bin ich ganz glücklich, ich bin genau dort, wo ich sein will. Privat bin ich glücklich und zufrieden und ich hoffe, dass das auch so bleibt.

Was bedeutet Glück für Sie?

Glück ist für mich in erster Linie Gesundheit. Glück ist für mich Familie, Zufriedenheit und Liebe. Meiner Meinung nach ist Glück auch völlig unabhängig von wirtschaftlichem Erfolg und Geld. Für mich bedeutet Glück auch, anderen Menschen helfen zu können. Ich denke da an meine Mandanten, aber auch ganz besonders an meine Charity-Projekte für Kinder. Schon Albert Schweitzer hat gesagt: „Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Meine Familie ist für mich das Wichtigste. Sie ist immer für mich da, sie gibt mir immer Halt und unterstützt mich, egal wann, wie und wo. Deshalb ist sie für mich das Wichtigste, das es gibt.

 

Empfehlungen an zukünftige SpielerberaterInnen

Welche Tipps haben Sie für Frauen und Männer, die Spielerberaterin bzw. Spielerberater werden möchten?

Wichtig für diesen Beruf ist ein gutes Fachwissen und, wie in jeder Branche, das Lernen von der Pike auf. Das gilt ganz speziell für Frauen in unserem Beruf, in welchem man immer um den Respekt kämpfen muss. Als SpielerberaterIn sollte man gut im Netzwerken sein, eine gute Menschenkenntnis besitzen und immer seriös auftreten und arbeiten. Denn in jedem Beruf gibt es schwarze Schafe. Man sollte transparent arbeiten und direkt kommunizieren. Ich lege viel Wert auf direkte Kommunikation. Zudem ist – wie schon erwähnt – die richtige Balance von Nähe und Distanz sehr, sehr wichtig. Die Nähe zwischen Spieler und Manager/-in ist wichtig für eine gute, offene Kommunikation und um bei Problemen helfen zu können sowie den Spieler ideal beraten zu können. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass die geschäftliche Distanz zwischen Spielerberater/-in und Mandant gewahrt bleibt und respektvoll miteinander umgegangen wird. Für diesen Balanceakt ist ein gutes Fingerspitzengefühl sehr hilfreich. Auf keinen Fall sollte man nur das Geld vor Augen haben, sondern die Priorität auf die Karriere und den Erfolg der Mandanten legen. Der Schlüssel zum Erfolg in diesem Beruf, und vielleicht auch in vielen anderen, ist: „Liebe deinen Job, arbeite mit Leidenschaft und Hingabe und denke immer zuerst an das Glück und den Erfolg deiner Mandanten“.

Mit welchen bekannten Spielern und Trainern arbeiten Sie zusammen?

Mein Team und ich arbeiten mit vielen nationalen und internationalen Profis zusammen, welche wir während und nach ihren Karrieren betreuen. Die Liste reicht dabei von jungen, hoffnungsvollen Talenten über aktuelle Bundesliga-Stars bis hin zu Weltmeistern, welche wir nach ihren Karrieren im Bereich Marketing und PR betreuen. Meine Einstellung ist, dass ich mich nicht mit den Namen meiner Mandanten schmücken möchte.

 

Reaktionen anderer Menschen und „eine schöne Geschichte aus dem Leben einer Sportmanagerin“

Wie hat Ihr Umfeld aus der High Society reagiert, als Sie begonnen haben, als Tochter einer Adelsfamilie als Sportmanagerin in der Fußballwelt zu arbeiten?

Natürlich hat jeder geschaut, als ich in den Fußballbereich eingestiegen bin und gefragt: „Was macht sie im Fußball? Warum geht sie in diese Branche?“ Ich kann nicht beeinflussen, was andere über mich sagen und denken, aber ich kann entscheiden, ob es mich interessiert oder nicht. Ich gehe meinen Weg und ich glaube an mich. Es war mein Ziel, diesen Weg zu gehen. Nur Du selbst kannst Dir eine Vorstellung davon machen, wo Du hin willst und wie der Weg dorthin aussehen könnte. Ebenfalls hatte ich das Glück, dass meine Eltern immer hinter mir standen und mich voll unterstützt haben. „I am tough, ambitious and I know exactly what I want and this makes me a successful Sport Manager!“.

Gibt es noch etwas, das Sie den LeserInnen mit auf den Weg geben wollen?

Wie gesagt gibt es viele berühmte Persönlichkeiten im Fußball, mit denen ich zusammenarbeite. Dazu möchte ich eine nette Geschichte erzählen, an die ich mich gerne erinnere. Ich hatte einen Fernsehauftritt und saß danach mit einem meiner Mandanten und anderen Herrschaften aus dem Profifußball zusammen. Einer davon war anfangs skeptisch, hat mich von oben bis unten gescannt und schob mich wahrscheinlich in die Schublade „Lady aus der Modebranche“. Das konnte ich genau an seinem überraschten Gesichtsausdruck erkennen. Später saßen wir alle in einer Lounge und haben uns ein Spiel angeschaut. Ich sagte plötzlich: „Ich verstehe nicht, warum der Trainer heute nicht im 4-2-3-1-System spielen lässt“. Daraufhin haben alle Anwesenden überrascht zu mir geschaut und mussten mir zustimmen. Eine Woche später erhielt ich eine E-Mail mit folgendem Inhalt von ihm: „Liebe Samira, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Ich habe viel über Sie, Ihren Job und Ihre Familie gehört. Wow, was Sie im Fußball aufgebaut haben und das als Frau!“. Er war und ist eine sehr bekannte Persönlichkeit und noch immer im Fußball aktiv. Mittlerweile arbeiten wir zusammen. Aber wenn ich zurückdenke, dann passte seine anfängliche Bemerkung genau in dieses Macho-Klischee, obwohl er gar nicht der Typ dafür ist. Wenn man sich dann unterhält und wenn ich seinen Lebenslauf anschaue, denke ich mir: „Es ist unglaublich und es macht mich ein wenig stolz, dass diese Person sich bei mir entschuldigt hat“. Viele Menschen, die mit bekannten Persönlichkeiten im Fußball zusammensitzen, denken vielleicht: „Oh Gott, darf ich überhaupt meine Meinung sagen?“. Aber ich habe meine Meinung gesagt und das war richtig so. Ich empfehle allen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten, denn dies bedeutet zu führen und führen zu können. Nur Menschen, die eine eigene Meinung entwickeln, sind Führungspersönlichkeiten und verkörpern Stärke.

Vielen Dank, dass Sie sich so viel Zeit für das Interview genommen haben, Frau Samii.

Bitte, sehr gerne.