Celia Šašić: Ex-Profi, Mutter, Studentin und sozial engagierte Frau

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Celia Šašić (Mitte; damals 1. FFC Frankfurt) lässt Milla Fischer vom VfL Wolfsburg hinter sich. Foto: imago

Sie spielte für Bad Neuenahr und für den 1. FFC Frankfurt, gewann den DFB-Pokal, die Champions-League sowie die Olympische Bronzemedaille: Celia Šašić. Doch was sich leicht liest, war harte Arbeit. Als weiblicher Fußballprofi war es für sie selbstverständlich, neben ihrer sportliche Karriere zu arbeiten – oder, wie sie sagt: „Ich wollte eine Ausbildung machen und nebenbei noch Fußball spielen“. Nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation hat Europas Fußballerin des Jahres 2015 ein Studium der Kulturwissenschaft begonnen, das sie demnächst abschließen möchte. Bevor sie jedoch ihre Bachelorarbeit anmeldet, ist sie rund um die Uhr für ihre kleine Tochter Mila da. Im Interview erzählt Celia Šašić, warum sie sich für ein Studium entschieden hat, weshalb sie sich sozial so stark engagiert und was sie fußballbegeisterten Mädchen mit auf den Weg geben möchte…

Frau Šašić, zunächst zwei Fragen zu Ihnen und Ihrem Kind. Wie geht es Ihnen und Ihrer Tochter und wie genießen Sie den Alltag?

Uns geht’s wunderbar und der Alltag ist vollkommen anders als zuvor, aber sehr sehr schön und mit sehr viel Spaß verbunden. Es ist einfach ein ganz anderes Leben, wunderschön.

Wächst Mila mehrsprachig auf?

Ja, ich spreche deutsch und französisch mit ihr und mein Mann spricht kroatisch und deutsch mit ihr.

 

Ausbildung, Studium und Fußball

Nun zu Ihrem Werdegang. Sie haben parallel zu Ihrer Karriere als Fußballspielerin eine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation absolviert und ein Studium der Kulturwissenschaft begonnen. Wie bekommt man das alles unter einen Hut?

In erster Linie war es wichtig, einen sportlerfreundlichen Arbeitgeber zu haben. Auch in der Uni war es bedeutend, Unterstützung zu erhalten: Zum Beispiel, dass ich die Prüfungen an anderen Terminen nachschreiben konnte. Als in meiner Ausbildungszeit größere Turniere anstanden, habe ich ohne Probleme frei bekommen. Man muss schon auch im Vorfeld mit dem Arbeitgeber klären, ob das alles so machbar ist oder nicht. Man braucht jemanden, der einen unterstützt, weil das sonst so in der Form nicht möglich wäre.

Wie sind Sie darauf gekommen, eine Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation zu absolvieren?

In der Schulzeit wissen viele nicht: Was soll ich machen, in welche Richtung soll es gehen? Ich habe mich immer für Marketing interessiert und wollte wissen, wie es in dem Bereich ist. Bei Lotto Rheinland-Pfalz, das damals Sponsor in Bad Neuenahr war, habe ich dann die Chance bekommen, diese Ausbildung zu machen. Diese habe ich dankend angenommen, um einen Einblick in dieses Berufsfeld zu erhalten und zu schauen, was das wirklich ist.

Nach Ihrer Ausbildung haben Sie ein Studium der Kulturwissenschaft begonnen. Was genau hat Sie dazu motiviert?

Ich habe mich für den Studiengang entschieden, weil er mich wirklich vom Thema her interessiert hat. Vom Inhalt her wollte ich meinen Horizont erweitern. Ich habe das Studium nicht begonnen, um dann einen bestimmten Beruf zu ergreifen, sondern es war wirklich für mich für meinen Kopf, für meinen Geist, für mein Interesse.

Wie gefällt Ihnen das Studium und welche Inhalte haben Ihnen besonders viel Spaß gemacht?

Mir gefällt das Studium sehr gut, weil es für mich ein Ausgleich zum Fußball war. Mir fehlt jetzt nur noch die Abschlussarbeit. Für mich war das Inhaltliche, vor allem der Themenbereich „antike Philosophie“, am spannendsten. Ansonsten finde ich es gut, dass das Studium sehr breitgefächert ist. Auf eine gewisse Art und Weise gehört ja alles zur Kultur. Da war alles mit dabei: Medienwissenschaft, Ethnologie, Philosophie.

Sie sprechen mehrere Sprachen. Waren diese im Studium wichtig?

Das meiste war auf Deutsch. Ab und an gab es mal Texte auf Englisch, aber man musste keine zwei, drei Sprachen sprechen, um dort voranzukommen.

Worüber werden Sie voraussichtlich Ihre Bachelorarbeit schreiben? In einem Interview hatten Sie mal erwähnt, Platon aufgreifen zu wollen.

Ich habe mir in den vergangenen Wochen keine Gedanken darüber gemacht, weil ich erstmal mit meinem Kind ausgelastet bin. Aber das Thema hat mich sehr stark interessiert und deshalb werde ich es auch in der Abschlussarbeit thematisieren, denk ich mal.

 

„Wenn man verletzt ist, unterstützt einen niemand“

Dann zum Thema „Plan B – Karriere neben bzw. nach dem Profifußball“. Wie unterscheidet sich in der Hinsicht der Männerfußball vom Frauenfußball? Meiner Meinung nach zollt es höchsten Respekt, was die weiblichen Profis leisten, was Sie geleistet haben. Ohne Ausbildung oder Studium neben dem Job geht es bei den meisten gar nicht. Vielleicht können Sie ein bisschen beschreiben, was Sie von den Männern mitbekommen? Ob diese für „ein Leben nach dem Profifußball“ planen oder das komplett außer Acht lassen?

Grundsätzlich ist es schon schwierig. Im Frauenfußball sind nicht alle Profis, sag ich mal so. Klar, wenn man für die Nationalmannschaft und auch in einem „richtigen Verein“ spielt, dann kann man auch schon so viel verdienen, dass man sozusagen „Profi“ ist. Aber trotzdem muss man – oder ich sage mal – sollte man eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium haben oder zumindest beginnen, weil man nicht weiß, wie lange die Karriere im Fußball dauert. Wenn man verletzt ist, dann unterstützt einen niemand. Was klar ist, ist, dass man nach der Karriere nicht so ausgesorgt hat wie es bei einigen Männern der Fall ist.

Wird man von den Vereinen speziell gefördert? Sagen die Trainerinnen und Trainer auch mal, dass man Wert auf eine Ausbildung oder ein Studium legen soll oder ist es völlig legitim für die Spielerinnen, dass sie dahingehend etwas tun?

Das unterscheidet sich natürlich von Verein zu Verein, da werden die Schwerpunkte sehr unterschiedlich gesetzt. Irgendwie ist es im Frauenfußball selbstverständlich, eine Ausbildung zu absolvieren oder zu studieren, da es noch nicht so lange den weiblichen wirklichen Profifußball gibt. Also, als ich mit dem Fußball spielen angefangen habe: Ich weiß nicht, wie viele bzw. wenige damals nur vom Fußball gelebt haben. Da gab es sehr, sehr wenige, – wenn überhaupt. Die haben alle nebenbei noch gearbeitet. Da wurde eben nach der Arbeit noch trainiert. Man hat gespielt und ist praktisch vom Spiel heraus wieder zur Arbeit gegangen. Das war selbstverständlich. Jetzt ist es so, dass die jungen Mädels direkt von der Schule in dieses „Profi sein“ hineinkommen. Aber grundsätzlich ist es, ich sag mal in der „Szene“, selbstverständlich, weil jede weiß: Ohne Ausbildung oder Studium geht’s nicht. Man steht sonst blöd da, wenn man verletzt ist, aufhören muss und die Karriere beendet ist, ohne sagen zu können: „So, jetzt hab ich so viel verdient, das hat sich gelohnt“.

Ist Ihnen das noch einmal mehr bewusst geworden, als Sie auf Grund eines Schienbeinbruchs ein Jahr lang pausieren mussten? Redet man dann mehr mit den Kolleginnen über die Thematik „Plan B“?

Für mich war es eine Selbstverständlichkeit zu arbeiten, deswegen hat mich die Verletzung nicht bestärkt zu arbeiten. Für mich war das ganz normal: Ok, ich mache meine Ausbildung und dann mein Studium. Es war nicht so, dass ich gesagt hätte, ich müsse nebenher noch etwas Vernünftiges machen, sondern es war so, dass ich mir dachte: Ich mache eine Ausbildung und spiele nebenbei noch Fußball. Ich konnte so gut Fußball spielen, dass es zu meinem Beruf geworden ist, aber ich habe mich nicht für den Beruf Fußballprofi entschieden. Es hat sich einfach so entwickelt.

Jetzt möchte ich einen großen Sprung machen. Sie sind seit mittlerweile über zehn Jahren DFB-Integrationsbotschafterin. Welche Aufgaben haben Sie als solche?

Vor allem versuche ich Mädchen zu motivieren, Fußball zu spielen. Ich mache ganz viel Vielfältiges. Berichten, unterrichten, in die vielen verschiedenen Verein zu gehen und vielleicht auch zu Schulen zu fahren und sie dazu zu motivieren, die Projekte weiterzumachen, die sie gestartet haben. Auch die Integrationspreisverleihung gehört zu meinem Aufgabengebiet. Im Moment habe ich nichts auf der Agenda stehen. Ich werde immer wieder angefragt und muss derzeit gucken, wie es sich mit meiner Tochter vereinbaren lässt. Ich denke mal, dass da auch in Zukunft noch viel passiert.

 

Celia Šašićs soziales Engagement

Sie setzen sich auch für die Theo-Zwanziger-Stiftung und das Projekt „Girls for Hope“ ein. Was genau steckt dahinter?

Grundsätzlich habe ich viele Projekte unterstützt: Gerade für Projekte für Kinder bin ich immer sehr leicht zu haben, weil ich Kinder einfach sehr gerne hab. Deshalb habe ich mich in vielerlei Hinsicht für solche eingesetzt. Meine Einsätze gehen nie über einen längeren Zeitraum, sondern sind immer projektbezogen.

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Celia Šašić spielte über zehn Jahre für die deutsche Nationalmannschaft. Foto: DFB

Dann zur Nationalmannschaft. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Teamkameradinnen?
Ich habe noch Kontakt zu einigen Spielerinnen, wir haben ja viel Zeit miteinander verbracht. Ich verfolge das Ganze noch vom Fernsehen aus und freue mich, wie es bei dem Team gerade läuft.

 

„Ich würde gerne im Sportbereich bleiben“

Sie hatten in einem Interview angeführt, dass Sie sich auch vorstellen könnten, als Managerin im Frauenfußball zu arbeiten, um das Ganze besser strukturieren zu können. Ist das mittelfristig Ihr Ziel oder sagen Sie, Sie konzentrieren sich jetzt erstmal auf die gemeinsame Zeit mit Ihrem Kind und schauen spontan, was kommt?

Aktuell kümmere ich mich um das Kind. Ich kann mir vorstellen, danach irgendwo hineinzuschnuppern. Ich habe mein Leben lang Fußball gespielt und hatte dadurch nie Zeit, Praktika zu machen, um herauszufinden, was für mich in Frage kommt. Zunächst möchte ich etwas ausprobieren und gucken, in welche Richtung es für mich in Zukunft gehen soll. Ich würde gerne im Sportbereich bleiben. Ob es dann in einer Managerposition ist oder in irgendeiner anderen Art mit Fußball zu tun hat, wäre schön, da ich dann in dem Bereich arbeiten könnte, den ich gerne mag.

Könnten Sie sich auch vorstellen, als Trainerin tätig zu sein?

Das, was ich mir im Moment nicht unbedingt vorstellen kann, ist es, Trainerin im Seniorenbereich zu sein. Aber ausschließen, dass sich das in den nächsten Jahren ändert, würde ich es nicht. Was ich mir schon eher vorstellen könnte ist, als Trainerin im Kinder- und Jugendbereich zu arbeiten. Ich weiß nicht, ob sich das in zwei, drei Jahren ändert. Grundsätzlich möchte ich mich erstmal ein wenig ausprobieren.

Haben Sie in Ihrer aktiven Profizeit einen Hype wahrgenommen, dass nach der WM 2003 oder 2007 deutlich mehr Mädchen und Frauen Fußball spielen wollten?

Von dem Zeitpunkt, als ich angefangen habe in der Bundesliga zu spielen bis heute, hat sich der Frauenfußball sehr rasant entwickelt. Es kam schnell vom Hobby- zum Profitum. Auch die Präsenz und die Wahrnehmung der Nationalmannschaft hat sich deutlich gesteigert. Natürlich ist man nicht dort, wo der Männerfußball ist. Das wird der Frauenfußball auch nie sein. Natürlich ist auch noch Luft nach oben. Aber, wenn man die Zeitspanne betrachtet, ist diese Entwicklung schon enorm. Da ist auf jeden Fall einiges passiert.

Nehmen wir mal an, Sie würden in zwei, drei Jahren Managerin eines Frauenfußballteams werden. Welche wären die ersten Punkte, die Sie ändern und verbessern wollen würden?

Es kommt natürlich auf den Verein an, in dem man arbeitet. Darauf, welche Bedingungen man dort vorfindet. Es wäre schon wichtig, Strukturen zu schaffen, die im Männerfußball einfach gegeben sind, im Frauenfußball aber in einigen Vereinen noch nicht existieren.

Was würden Sie jungen Spielerinnen mit auf den Weg geben, wenn Sie in die Nationalmannschaft möchten? Welche Charaktereigenschaften sollten Sie mitbringen?

Man sollte das ganze machen, weil es einem sehr, sehr viel Spaß macht. Ganz egal, wie schwer und wie hart es ist: Man sollte versuchen, besser zu werden. Es ist außerdem immer sehr wichtig zu wissen, was man für ein Glück hat, wenn man in der Nationalmannschaft spielen kann. Die Mädchen sollten einfach ihr Ziel verfolgen, ohne dass sie dabei den Weg vergessen. Sie sollten immer daran denken, dass Fußball ein Mannschaftssport ist. Man kommt nicht voran, wenn man die anderen nicht im Team hat!

Vielen Dank für das Interview, Frau Šašić.

Bitte, gerne.

Die Stadionschule Bielefeld: Fürs Leben lernen

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Exemplarischer Stundenplan in der Stadionschule Bielefeld. Foto: Schatz

Derzeit geht sie immer wieder durch die Medien: Die Stadionschule Bielefeld. „Was ist das?“ und „Warum wird so viel über sie geschrieben?“ fragen sich nun wohl einige von euch. Die Antworten darauf gibt’s hier…

Lernen im Fußballstadion? Unmöglich? Nicht in der Stadionschule Bielefeld. Diese gilt als ein „etwas anderes“ Bildungsangebot für Schulklassen und Jugendgruppen (bis 20 Jahre). „Stadionschule“, das bedeutet, drei Tage lang im Stadion anstatt in einer Schule oder Jugendeinrichtung zu lernen. Aber nicht für Prüfungen, sondern für das Leben.

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Tobias Mittag ist einer der Hauptverantwortlichen der Stadionschule Bielefeld. Foto: Stadionschule Bielefeld

Die Idee, dass man „das Lernen mit dem positiv besetzten Begriff Sport verknüpft, kommt aus England. Birger Schmidt, der Geschäftsführer von Lernort Stadion (Zusammenschluss mehrerer Lernzentren; Anm. von LS), war damals in England und hat die Idee der „Study Support Centre“ mitgebracht. Meine Fan-Projekt-Kollegen Ole Wolff und Jörg Hansmeier haben sich im Anschluss durch die ersten Lernzentren in Bochum und Dortmund inspirieren lassen und einen Probelauf in Bielefeld gestartet, eine Schulklasse ins Stadion zu holen und dieser verschiedene Berufsfelder vorzustellen“, so Tobias Mittag, Mitarbeiter der Stadionschule Bielefeld.

Inzwischen habe sich das Konzept gewandelt. Wert gelegt wird nun auf folgende Bausteine, die sich in unterschiedlichen Anteilen über die jeweils drei Tage erstrecken: Persönlichkeitsentwicklung, politische Bildung und Berufsorientierung. Dabei stehen statt Mathematik, Deutsch und Englisch Workshops zu den Themen

  • Inklusion
  • Homophobie
  • Rassismus
  • Medienkompetenz
  • Gewaltprävention
  • Zivilcourage

und

  • Teambuilding

auf dem Stundenplan. Das „besondere Lernumfeld, die ,Faszination Stadion‘ und Themen, die mit Fußball zu tun haben“ wirkten sich laut Mittag positiv auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus: „Sie sind super motiviert, sind teils schon früher da, stehen am frühen Morgen vor der Tür und meinen: ,Es war super, wir haben voll Bock!‘“. Dies zeige sich auch durch ihre meist sehr gute Mitarbeit. Zudem führt Mittag an, dass „die Jugendlichen wirklich viel Potential haben – unabhängig von Deutsch oder Mathematik – und dass sie gar nicht so unpolitisch sind, wie viele denken oder wie das immer in den Medien kommuniziert wird. Sie machen sich sehr wohl Gedanken um die Gesellschaft und das so ein bisschen herauszukitzeln, das macht Spaß“.

Er habe die Erfahrung gemacht, dass durch den Lernort Stadion jede und jeder angesprochen wird. Verschiedene Zweifel, dass Heranwachsende, die sich nicht für Fußball interessieren, nicht gerne am Projekt teilnehmen würden, könne er keinesfalls bestätigen: „Auch die Jugendlichen, die sich noch nie mit Fußball beschäftigt haben, sind vom Stadion beeindruckt und erstmal ein Stück weit fasziniert“. Hinzu komme, dass „nicht die Klassen- oder Fachlehrer vor den Jugendlichen stehen, sondern neue Referierende: zum Teil junge Menschen und solche, die eine Geschichte zu erzählen haben“, so Mittag weiter. Darüber hinaus gebe es im Stadion keine klassische Schulsituation, bei der „richtig“ oder „falsch“ geantwortet werden könne.

Hingegen seien die Referent(-in)en wertschätzend, die Workshops seien offen und interaktiv gestaltet. Das Konzept motiviere die Heranwachsenden, sich zu beteiligen. Jede teilnehmende Klasse bzw. Jugendgruppe bekommt einen der Schwerpunkte zugeteilt. Dazu gibt es Übungen sowie interaktive Gruppenarbeiten. Darüber hinaus werden den Jugendlichen verschiedene Berufe näher gebracht. Im Falle der Ernst-Hansen-Schule waren beispielsweise eine Friseurin, ein Koch sowie eine Fachkraft für Schutz und Sicherheit in der Stadionschule zu Gast. Sie haben den Teenagern erklärt, wie ihr Arbeitsalltag abläuft. Im Anschluss konnten sich die Jugendlichen selbst ausprobieren: Während im Besprechungsraum unter der Tribüne Gemüse geschnitten wurde, wurden im Presseraum Frisuren gesteckt und Nägel lackiert. So konnten die Jugendlichen herausfinden, was ihnen eher liegt und was nicht: „Ich interessiere mich für das kreative und künstlerische und will später auf jeden Fall in diesem Bereich arbeiten“, war sich Aliena Boge nach den Kurzworkshops zu den verschiedenen Berufen sicher.

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Sascha Nottebrock gefiel es in der Stadionschule Bielefeld. Foto: Schatz

Neben den Einblicken in die Berufsfelder bekamen die Schülerinnen und Schüler auch eine Stadionführung hinter die Kulissen der SchücoArena. Der 13-jährige Sascha Nottebrock zeigte sich begeistert: „Wir konnten viele Bereiche sehen, waren in der Heim- und der Gästekabine und im Spielertunnel, in welchen an den Spieltagen eigentlich nur die Spieler und die Einlaufkinder hineindürfen. Wir haben viel über das Stadion an sich erfahren und waren sogar auf dem Rasen. Es war sehr interessant, mal so ein Stadion zu sehen – vor allem die Orte, die man sonst nie zu Gesicht bekommt“.

 

Fair Play stand im Mittelpunkt

In den Workshopeinheiten beschäftigte sich die Klasse der Ernst-Hansen-Schule mit dem Thema Fair Play. In Form eines Spiels mussten die Jugendlichen Teamarbeit leisten: „Wir sollten uns vorstellen, dass wir zusammen mit dem Bus zu einem Heimspiel fahren. Die Aufgabe war, die Plätze zu wechseln, ohne, dass wir uns absprechen. Es ging darum, Blickkontakt zu halten, respektvoll mit den anderen umzugehen und die Plätze zu tauschen, ohne zu stolpern oder jemanden zu rempeln“, so Boge. Darüber hinaus erarbeiteten die Jugendlichen zahlreiche Stichpunkte zu einem fairen Miteinander, die sie mit Hilfe eines Flipcharts präsentierten. Von den eigenen Verhaltensweisen über die persönlichen Einstellungen, das Äußere bis hin zu Konfliktfähigkeit waren viele Themenbereiche vertreten. „Ich finde es gut, dass wir über Respekt sprechen“, meinte Nottebrock.

Abgerundet wurde die dreitägige Veranstaltung durch ein Spielerinterview mit DSC-Profi Manuel Prietl. In einer halbstündigen Einheit bereiteten die Schülerinnen und Schüler Fragen an den Fußballprofi vor. Im Anschluss nahm er sich Zeit zu antworten und erfüllte alle Foto- und Autogrammwünsche.

Insgesamt habe die Stadionschule den Schülerinnen und Schülern viel Spaß gemacht. Sie war und ist wohl eine gelungene Abwechslung zum Schulalltag: „Vor allem die Teamarbeit hat mir gefallen und dass man hier so viel lernen kann“, zog Boge ein Fazit, und auch Nottebrock „fand es cool“. Er habe „gelernt, was im Leben und im Beruf wichtig ist: So zum Beispiel die persönliche Einstellung, Konfliktfähigkeit und auch die Bereiche Kommunikation und Sprache“.

 

Die Stadionschule als Erfolgsgarant

Anerkennung erfuhr das Projekt 2012, als es den „365 Orte im Land der Ideen“-Wettbewerb gewann und auch durch die Verleihung des bronzenen „Stern des Sports“ in diesem Jahr. Dass die Stadionschule Bielefeld ein Erfolgsgarant ist, beweisen zudem die Zahlen. „Bislang hatten wir in diesem Jahr in 22 Durchgängen 418 Jugendliche zu Gast. Zudem gab es Zusatzveranstaltungen, sodass wir 2016 auf insgesamt 500 bis 600 Teilnehmer/-innen kommen werden“, fasste Mittag zusammen.

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Seit Beginn der Stadionschule Bielefeld gab es bereits mehr als 2.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Foto: Stadionschule Bielefeld

Die Anzahl der Nachfragen sei „viel größer als die Angebotsmöglichkeiten“. Mittag fügte hinzu: „Wir sind auch zeitlich an Grenzen gestoßen. Auf Grund der Herbst- und der Sommerferien sowie der englischen Wochen mit DFB-Pokalspielen etc. können wir maximal um die 30 Durchgänge machen“.

Fußballfan Bradley Lowery hat Krebs im Endstadium. Sein letzter Wunsch: Weihnachtskarten

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Der starke Bradley Lowery wünscht sich Weihnachtskarten. Foto: Lowery

Fußball verbindet. Bradley Lowery ist ein fünfjähriger, fußballbegeisterter Junge, der in England wohnt. Doch auf Grund seiner Krebserkrankung musste er schon in seinen ersten Lebensjahren allerhand durchmachen: Neuroblastom, ein bösartiger Tumor, war dafür verantwortlich, dass er Monate in Krankenhäusern verbringen musste, anstatt draußen mit seinen Freunden spielen zu können. Bereits im Alter von einem Jahr wurde die Erkrankung bei ihm festgestellt. Er kämpfte tapfer und besiegte den Krebs. Doch der Krebs kam zurück. Diesmal hat Bradley den Ärzten zufolge keine Chance auf eine Heilung: Er habe noch rund zwei Monate zu leben.

 

Herzergreifend: Standing Ovations für Bradley und „One Bradley Lowery“-Chöre

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Bradley ist ein großer Fan des AFC Sunderland. Foto: Lowery

Am Mittwoch wurde in der Premier League deutlich, wie sehr der Fußball die Menschen verbindet und das unabhängig von deren Vereinszugehörigkeit, Einstellungen, Geschlecht oder Herkunft. Der AFC Sunderland hatte Fan Bradley zum Spiel gegen den FC Chelsea eingeladen. Vor dem Spiel plauderte er u. a. mit seinem Lieblingsspieler Jermain Dafoe und machte außerdem ein Foto mit dem Team des FC Chelsea, welches ihm ein Trikot überreichte. Im Anschluss durfte Bradley als Maskottchen mit den Spielern einlaufen und vor dem Spiel einen Elfmeter schießen, den er gegen Chelsea-Keeper Asmir Begovic verwandelte. Fünf Minuten nach dem Anpfiff der Premier League-Partie spielten sich herzergreifende Szenen ab: Auf der Anzeigetafel wurde ein Trikot mit der Nr. 5 (Bradleys Alter) eingeblendet und es gab Standing Ovations von allen Fans, die gemeinsam „There’s only one Bradley Lowery“ sangen. Der Fußball wurde an diesem Abend zur Nebensache.

 

Bradleys letzter Wunsch: Weihnachtskarten

Der lebensfrohe kleine Held hat nun einen letzten Wunsch: Weihnachtskarten aus aller Welt. Inzwischen ist eine Vielzahl von Karten bei Bradley angekommen – gestartet wurde diese Aktion von einem Evertonfan. Seitdem sind Menschen aus aller Welt dem Aufruf gefolgt und haben Bradley und seine Familie mit ihrer Post zum Strahlen, Lachen und – vor Rührung – teils auch zum Weinen gebracht.

Bradley sollte uns allen ein Vorbild sein. Lasst uns einmal mehr inne halten und über den Begriff der „Zeit“ nachdenken. Und darüber, dass Fußball definitiv mehr ist als nur ein 1:0. Darüber, dass der TEAMgeist stets im Vordergrund stehen sollte. Was man gemeinsam alles erreichen kann, zeigt das Beispiel von Bradley. In den Farben mögen viele von uns getrennt sein, doch in der Sache sind wir doch alle vereint! Also: Wenn auch ihr dem starken jungen Mann eine Freude bereiten und ihm eine Karte senden wollt, dann schickt diese am besten an folgende Adresse:

Bradley Lowery
5 Attlee Avenue
Blackhall Rocks
Hartlepool TS27 4BY
England

-> Mehr Informationen zu Bradley Lowery sowie zu Neuroblastom findet ihr unter https://bradleylowerysfight.org.uk .

-> Special thanks to Lynn Murphy for his support so that I could write this article including photos!